Seit fast vier Jahrzehnten beschäftigt der Fall der bei einer Entführung umgekommenen Schülerin Ursula Herrmann die Polizei und die Justiz. Obwohl inzwischen ein rechtskräftig verurteilter Mann eine lebenslange Haftstrafe absitzt, zweifeln viele immer noch daran, dass dies der wahre und alleinige Täter ist – auch der Bruder des Opfers, der den verurteilten Kidnapper auf Schmerzensgeld verklagte. Das Oberlandesgericht München wies diese Klage am 31.03.2020 ab (Az.: 24 U 3186/18) und hob ein gegensätzliches Urteil des Landgerichts Augsburg auf. Vordergründig geht es um Schmerzensgeld – doch für Ursulas Bruder auch um etwas Anderes.
Mehr lesenIn Europa geborene Kleinkinder im Alter von bis zu fünf Jahren, die von nigerianischen Eltern abstammen, können nationalen Abschiebungsschutz nicht deshalb beanspruchen, weil sie bei einer Rückkehr der Familie nach Nigeria wegen der Gefahr, an Malaria zu erkranken, mit hoher Wahrscheinlichkeit einer extremen allgemeinen Gefahrenlage ausgesetzt wären. Dies hat das nordrhein-westfälische Oberlandesgericht in Münster entschieden und damit eine für zahlreiche Verfahren entscheidungserhebliche Frage geklärt, die von den Verwaltungsgerichten bislang unterschiedlich beantwortet worden war. Die Revision wurde nicht zugelassen (Urteil vom 24.03.2020, Az.: 19 A 4470/19.A).
Mehr lesenDieter Maihold, Richter am Bundesgerichtshof, ist mit Ablauf des 31.03.2020 auf seinen Antrag in den Ruhestand versetzt worden. Das teilte die BGH-Pressestelle am 31.03.32020 mit. Während seiner mehr als zwölfjährigen Zugehörigkeit zum BGH habe Maihold die Rechtsprechung des für Rechtsstreitigkeiten auf den Gebieten des Bank- und Kapitalmarktrechts sowie des Bürgschaftsrechts zuständigen XI.Zivilsenats maßgeblich geprägt.
Mehr lesenBGB §§ 123 I, 142 I; VVG §§ 19 I, 22
Auch wenn der Täuschung keine Frage des Versicherers in Textform vorausgeht, kann der Versicherer nach § 22 VVG in Verbindung mit § 123 Abs. 1 BGB anfechten. Wird eine mündlich gestellte Antragsfrage falsch beantwortet, kann dies eine Arglistanfechtung rechtfertigen. Offenbarungspflichtig ist ein gelegentlicher und phasenweiser Konsum von Amphetaminen am Wochenende bei einer Antragsfrage nach dem Konsum von Drogen, drogenähnlichen Substanzen oder Betäubungsmitteln in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Für eine arglistige Täuschung ist ein betrügerisches Verhalten keine Voraussetzung. Es ist ausreichend, dass der Anfechtungsgegner Kenntnis von dem verschwiegenen Gefahrenumstand hat und mit seiner Täuschung die Willensentschließung des Versicherers – jedenfalls bedingt vorsätzlich – beeinflussen will. Dies hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden.
OLG Hamm, Beschluss vom 29.07.2019 - 20 U 82/19 (LG Bielefeld), BeckRS 2019, 37498
Mehr lesenVerlangt der Käufer eines vom Dieselskandal betroffenen Fahrzeugs später vom Fahrzeughersteller Schadensersatz in Höhe des Kaufpreises, muss er nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Köln vom 17.03.2020 darlegen und beweisen, dass die Täuschung ursächlich für die Kaufentscheidung war. Denn wisse der Käufer beim Kauf, dass das Fahrzeug vom Dieselskandal betroffen ist, sei eine etwaige Täuschungshandlung des Fahrzeugherstellers jedenfalls nicht kausal für die Kaufentscheidung geworden. Einen Anspruch auf Schadensersatz gegen den Fahrzeughersteller habe der Käufer in diesem Fall nicht (Az.: 25 U 39/19).
Mehr lesenDie Tätigkeit als Bauleiter in einem Architekturbüro ist eine abhängige Beschäftigung und unterliegt deshalb der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung sowie nach dem Recht der Arbeitsförderung. Dies gilt zumindest dann, wenn die Tätigkeit in die Arbeitsorganisation des Architekturbüros eingegliedert ist und die Arbeitsleistung in eigener Person erbracht werden muss, wie das Sozialgericht Dortmund mit noch nicht rechtskräftigem Beschluss vom 10.03.2020 entschieden hat (Az.: S 34 BA 4/19).
Mehr lesenDie Aussetzung der Hauptverhandlung in einem Mordprozess als Folge der Corona-Pandemie führt nicht dazu, dass der Angeklagte aus der Untersuchungshaft zu entlassen ist. Dies hat das Oberlandesgericht Karlsruhe in einem konkreten Fall mit Beschluss vom 30.03.2020 entschieden (Az.: HEs 1 Ws 84/20).
Mehr lesenBayer hat sich mit US-Sammelklägern auf einen Vergleich im Rechtsstreit um die angeblich irreführende Vermarktung von Unkrautvernichtern mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat geeinigt. Der deutsche Agrarchemie- und Pharmakonzern erklärte sich bereit, 39,6 Millionen Dollar (35,8 Millionen Euro) zu zahlen, wie am 31.03.2020 aus Gerichtsunterlagen hervorging.
Mehr lesenMobile Arbeitskräfte und Berufstätige, die in systemrelevanten Funktionen gegen die Corona-Pandemie kämpfen, sollen weiterhin an ihren Arbeitsplatz gelangen können. Die EU-Kommission hat am 20.03.2020 Leitlinien vorgelegt, wie dies sichergestellt werden kann und fordert die Mitgliedstaaten mit Nachdruck dazu auf, einen reibungslosen Grenzübertritt für Grenzgänger und Saisonarbeitskräfte zu ermöglichen. Zu den in systemrelevanten Bereichen Tätigen gehörten unter anderem Beschäftigte im Gesundheitssektor und in der Lebensmittelbranche sowie in der Kinderbetreuung oder Altenpflege, aber auch das Personal in Versorgungsunternehmen.
Mehr lesenStVG §§ 7, 17; StVO §§ 1 II, 2 II, 3 I 5
Kommt es im Begegnungsverkehr auf einer nur 4,95 m breiten Straße ohne Fahrbahnmarkierungen bei Dunkelheit zu einer Kollision zwischen einem landwirtschaftlichen Gespann mit Überbreite, das so weit nach rechts gesteuert wird, wie es tatsächlich möglich ist, und einem Pkw, der die Fahrbahnmitte grundlos leicht überschreitet, so tritt die Haftung aus Betriebsgefahr für das landwirtschaftliche Gespann nicht zurück, sondern fließt mit 30% in die Haftungsquote gemäß § 17 Abs. 1 StVG ein. Dies hat das Oberlandesgericht Celle entschieden.
OLG Celle, Urteil vom 04.03.2020 - 14 U 182/19 (LG Verden), BeckRS 2020, 2862
Mehr lesenDie formularmäßige Vereinbarung eines 15-Minuten-Taktes in anwaltlichen Vergütungsvereinbarungen ist jedenfalls im Rechtsverkehr mit Verbrauchern wegen unangemessener Benachteiligung gemäß § 307 BGB unwirksam. Dies hat der Bundesgerichtshof mit jetzt veröffentlichtem Urteil vom 13.02.2020 entschieden. Zudem erklärte er eine Klausel für unwirksam, die mindestens das Dreifache der gesetzlichen Vergütung vorsah, wobei zugleich eine Erhöhung des Gegenstandswertes vereinbart war und das Mandat die Kündigung des Arbeitsverhältnisses des Mandanten betraf (Az.: IX ZR 140/19, BeckRS 2020, 4566).
Mehr lesenEin einzelner Abgeordneter hat keinen Anspruch auf Einberufung des Landtags. Dies sei einem Viertel der Mitglieder des Landtags oder der Regierung vorbehalten, entschied der Verfassungsgerichtshof für das Land Baden-Württemberg mit Beschluss vom 31.03.2020. Er wies damit einen Antrag eines Abgeordneten im Organklageverfahren als unzulässig zurück (Az.:1 GR 21/20).
Mehr lesenSeit Tagen wird in Deutschland über den möglichen Einsatz von Handydaten diskutiert, um mögliche Kontaktpersonen von Infizierten zu finden und zu warnen. Österreich hat bereits eine “Stopp-Corona-App“ auf freiwilliger Basis gestartet. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hält den Einsatz einer solchen App auch in Deutschland für sinnvoll, wenn fünf Bedingungen erfüllt sind.
Mehr lesenDas Landgericht Köln hat dem Unternehmen Dyson mit Urteil vom 11.03.2020 untersagt, für Lufthandtrocknungsgeräte weiterhin mit dem Hinweis "Nur Dyson ist hygienisch, ökonomisch und ökologisch. Für Papier gilt das nicht." zu werben. Darauf hat die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs am 31.03.2020 hingewiesen. Die Werbung sei in Anbetracht der öffentlichen Kontroverse über Handtrocknungssysteme irreführend. Ferner habe Dyson intransparent mit einer eigenen Auftragsstudie geworben, so das LG (Az.: 84 O 204/19).
Mehr lesenPhysiotherapeuten, die als “freie Mitarbeiter“ in einer physiotherapeutischen Praxis arbeiten, sind abhängig beschäftigt, wenn sie in die Organisation der Praxis eingegliedert sind und kein Unternehmerrisiko tragen. Dies hat das Hessische Landessozialgericht in Darmstadt mit Urteil vom 05.03.2020 entschieden (Az.: L 1 BA 14/18).
Mehr lesenUngarns Ministerpräsident Viktor Orban kann künftig mit ebenso umfassenden wie umstrittenen Sondervollmachten gegen die Corona-Pandemie vorgehen. Das Parlament in Budapest billigte am 30.03.2020 mit einer Zweidrittelmehrheit ein Notstandsgesetz, das es dem rechts-nationalen Regierungschef ermöglicht, ohne zeitliche Befristung auf dem Verordnungsweg zu regieren. Die Opposition, unabhängige Journalisten sowie auch der Europarat und das UN-Menschenrechtsbüro halten das Notstandsgesetz für zu weitgehend.
Mehr lesenZur Bewältigung der Corona-Krise hat EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen Änderungen am Kommissionsvorschlag für den nächsten langfristigen EU-Haushalt angekündigt. “Das wird ein Konjunkturpaket einschließen, mit dem der Zusammenhalt der Union durch Solidarität und Verantwortung gesichert wird“, erklärte von der Leyen am 28.03.2020. Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten bereits am 26.03.2020 die Eurogruppe beauftragt, binnen zwei Wochen weitere Vorschläge für eine umfassende Krisenreaktion zu unterbreiten. Die Kommission werde sich an diesen Diskussionen beteiligen, so von der Leyen. Sie schließe keines der denkbaren Instrumente aus, die im Rahmen der EU-Verträge möglich seien.
Mehr lesenDas Oberlandesgericht München setzt die Ausbildung von Rechtsreferendaren trotz der in Bayern bestehenden Ausgangsbeschränkungen fort. Die Ausbildung von Volljuristen sei auch in Zeiten der Corona-Pandemie unverzichtbar. Nur so könne sichergestellt werden, dass der Personalbedarf der Gerichte, der Behörden, der Anwaltschaft und der freien Wirtschaft in Zukunft gedeckt werden könne, heißt es in einer Mitteilung des bayerischen Justizministeriums vom 30.03.2020. Auch die Neueinstellungen zum 01.04.2020 sollen erfolgen.
Mehr lesenDer Deutsche Anwaltverein (DAV) hat ab dem 01.04.2020 eine weibliche Doppelspitze im Haupt- und Ehrenamt. Dann übernimmt Rechtsanwältin Sylvia Ruge den Posten der Hauptgeschäftsführerin im DAV. Sie wird damit für die Geschäftsstellen des DAV in Berlin und Brüssel mit mehr als 80 Mitarbeitern verantwortlich sein. Ruge tritt die Nachfolge von Rechtsanwalt Philipp Wendt an, der nach 18-jähriger erfolgreicher Tätigkeit für den DAV und die Deutsche Anwaltakademie auf eigenen Wunsch ausgeschieden ist.
Mehr lesenAb sofort können Exportgeschäfte zu kurzfristigen Zahlungsbedingungen (bis 24 Monate) auch innerhalb der EU und in bestimmten OECD-Ländern mit staatlichen Exportkreditgarantien des Bundes abgesichert werden. Das hat das Bundeswirtschaftsministerium im Einvernehmen mit dem Bundesfinanzministerium beschlossen, wie beide Ministerien in einer gemeinsamen Erklärung am 30.03.2020 mitteilten. Damit sollen insbesondere mögliche Engpässe im privaten Exportkreditversicherungsmarkt aufgefangen werden.
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