Donnerstag, 8.12.2016
BVerfG: Muslimin scheitert mit Klage gegen Schwimmunterricht

Eine muslimische Schülerin ist endgültig mit dem Versuch gescheitert, sich aus religiösen Gründen vom gemeinsamen Schwimmunterricht für Jungen und Mädchen befreien zu lassen. Das Bundesverfassungsgericht nahm ihre Beschwerde wegen inhaltlicher Mängel nicht zur Entscheidung an, wie aus dem am 07.12.2016 veröffentlichten Beschluss hervorgeht. Die Jugendliche wollte ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2013 kippen.

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BVerwG: Keine Ermäßigung des IHK-Beitrags für Krankenhäuser

Die Industrie- und Handelskammer darf der Berechnung des Kammerbeitrags einer kammerzugehörigen Klinik die Kennzahlen ihres gesamten Unternehmens zugrunde legen, auch wenn diese für den Krankenhausbetrieb, die den überwiegenden Teil ihrer wirtschaftlichen Betätigung ausmacht, von der Gewerbesteuer befreit ist. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig jetzt entschieden und das Berufungsurteil geändert (Urteil vom 07.12.2016, Az.: 10 C 11.15).

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Mittwoch, 7.12.2016
BVerfG: Konzernen steht "angemessene" Entschädigung für Atomausstieg zu
Den Energiekonzernen steht wegen des beschleunigten Atomausstiegs nach der Katastrophe von Fukushima eine "angemessene" Entschädigung zu. Dies stellte das Bundesverfassungsgericht nach Klagen von Eon, RWE und Vattenfall am 06.12.2016 in Karlsruhe fest. Dem Urteil zufolge muss der Gesetzgeber bis Ende Juni 2018 eine entsprechende Regelung schaffen. Mehr lesen
US-Richter weist Abgas-Klage gegen Daimler ab
Daimler hat in den USA einen Etappensieg im Rechtsstreit über angeblichen Abgas-Schwindel bei Dieselwagen erreicht. Das zuständige Gericht in Newark im Bundesstaat New Jersey wies am 06.12.2016 eine Sammelklage von Autobesitzern ab, die dem deutschen Hersteller und seiner US-Tochter Mercedes-Benz manipulierte Werte des Schadstoffs Stickoxid und irreführende Werbung vorgeworfen hatten. Mehr lesen
EU-Kommission verhängt Millionen-Strafe gegen Banken wegen Euro-Zinsderivatekartells
Die Europäische Kommission hat gegen die Banken Crédit Agricole, HSBC und JPMorgan Chase Geldbußen in Höhe von insgesamt 485 Millionen Euro wegen Teilnahme an einem Euro-Zinsderivatekartell verhängt. Dies teilte sie am 07.12.2016 mit. Die Banken hätten sich bei der Preisfestlegung von Euro-Zinsderivate-Bestandteilen abgesprochen und sensible Informationen ausgetauscht, so der Vorwurf. Die Kommission geht von einem Verstoß gegen EU-Kartellrecht aus. Mehr lesen
OLG Oldenburg: Anspruch auf Trennungsunterhalt entfällt bei dauerhafter Zuwendung zu neuem Partner
Der Anspruch eines bedürftigen Ehepartners auf Trennungsunterhalt kann auch vor Ablauf von zwei Jahren entfallen, wenn sich der Bedürftige dauerhaft einem neuen Partner zuwendet. Dies geht aus einem Hinweisbeschluss des Oberlandesgerichts Oldenburg vom 16.11.2016 hervor. Im zugrundeliegenden Fall hat die Ehefrau daraufhin ihre Beschwerde gegen die Entscheidung erster Instanz zurückgenommen (Az.: 4 UF 78/16). Mehr lesen
VG Dresden: Kein Anspruch auf Rückzahlung von Elternbeiträgen bei Streik in Dresdner Kindertagesstätten
Streiktage in Kindertagesstätten oder Kinderhorten führen in Dresden grundsätzlich zu keiner Rückzahlung von Elternbeiträgen. Dies geht aus einem Urteil des Verwaltungsgerichts Dresden vom 07.12.2016 hervor. Die Kammer hat wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache die Berufung zum Sächsischen Oberverwaltungsgericht in Bautzen zugelassen (Az.: 1 K 1768/15). Mehr lesen
LG Leipzig: Erfolg für Verbraucherzentrale in Verfahren um falsche Gesundheitsversprechen
Die Verbraucherzentrale Sachsen konnte eigenen Angaben zufolge im Verfahren um falsche Gesundheitsversprechen und überhöhte pauschale Rücklastschrift- und Mahnbeträge im Zusammenhang mit dem telefonischen Vertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln einen Erfolg verzeichnen. Nach einem Urteil des Landgerichts Leipzig vom 02.12.2016 müsse nun das Dresdener Unternehmen MGN bestimmte unzulässige Vertragsklauseln und irreführende Werbung unterlassen (Az.: 8 O 601/16). Mehr lesen
Samsung erzielt Erfolg in Patentstreit: US-Supreme Court kippt 400 Millionen Dollar-Zahlung an Apple

Samsung hat im jahrelangen Patentstreit mit Apple einen Erfolg erzielt. Der US-Supreme Court hat am 06.12.2016 eine Entscheidung gekippt, wonach Samsung für das Kopieren des iPhone-Designs rund 400 Millionen Dollar an Apple zahlen sollte. Über die Höhe der Summe und die Grundlage ihrer Berechnung muss nun eine niedrigere Instanz entscheiden.

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BVerfG: Verfassungsbeschwerde von Krankenhausbetreibern gegen Mindestmenge bei Behandlung Frühgeborener unzulässig

Mehrere Krankenhausbetreiber sind mit ihrer Verfassungsbeschwerde gegen die Einführung einer Mindestmenge von Versorgungsfällen bei der Krankenhausbehandlung von Früh- und Neugeborenen mit höchstem Risiko als Mittel der Qualitätssicherung gescheitert. Das Bundesverfassungsgericht hat die Beschwerde mit Beschluss vom 06.10.2016 für unzulässig erachtet und nicht zur Entscheidung angenommen. Die Krankenhausbetreiber, die eine Verbesserung der Versorgungsqualität durch die Neuregelung in Frage stellten, hätten ihre Verfassungsbeschwerde nicht ausreichend begründet (Az.: 1 BvR 292/16).

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BFH: Steuerberatungsgesellschaft mit Niederlassung im EU-Ausland kann zu Steuerberatung berechtigt sein
Im EU-Ausland niedergelassene Steuerberatungsgesellschaften können unter bestimmten Voraussetzungen berechtigt sein, für inländische Steuerpflichtige steuerberatend tätig zu werden. Dies stellt der Bundesfinanzhof unter Verweis auf die unionsrechtlich verbürgte Dienstleistungsfreiheit klar. Dem Urteil vom 19.10.2016 (Az.: II R 44/12) liegt ein im Wege des Vorabentscheidungsersuchens ergangenes Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union (DStR 2016, 558) zugrunde. Mehr lesen
BFH: Aufwendungen für Erneuerung einer Einbauküche in Mietwohnung nicht sofort abziehbar
Die Aufwendungen für die komplette Erneuerung einer Einbauküche (Spüle, Herd, Einbaumöbel und Elektrogeräte) in einem vermieteten Immobilienobjekt sind nicht sofort als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abziehbar. Wie der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 03.08.2016 entschieden hat, müssen die Aufwendungen vielmehr über einen Zeitraum von zehn Jahren im Wege der Absetzungen für Abnutzung (AfA) abgeschrieben werden (Az.: IX R 14/15). Mehr lesen
CDU will Kompromiss mit SPD zu doppelter Staatsbürgerschaft kippen
Die CDU will nach einer heftigen Debatte auf dem Parteitag den Kompromiss mit der SPD zur doppelten Staatsbürgerschaft aufkündigen. 319 Delegierte stimmten am 07.12.2016 in Essen für einen Antrag der Jungen Union, die sogenannte Optionspflicht für in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern wieder einzuführen. 300 Delegierte votierten dagegen. Mehr lesen
Italienisches Wahlrecht für Neuwahlen wenig geeignet
Das Wahlrecht ist in Italien in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach gründlich geändert worden. Das Land hat Erfahrung mit dem Verhältniswahlrecht, dem Mehrheitswahlrecht und mit Mischformen. Das 2015 verabschiedete "Italicum" sieht eine dicke Mehrheitsprämie für die stärkste Partei vor: Die Gruppierung, die mit mehr als 40% gewinnt, erhält automatisch 340 von 630 Sitzen im Abgeordnetenhaus. Knackt keine Partei die 40%-Marke, gibt es eine Stichwahl zwischen den beiden stärksten Kräften. Mehr lesen
LSG Bayern: Pauschale Beurteilung der zu berücksichtigenden Anzahl angefertigter Fotokopien

VV 7000 Nr. 1a RVG

Nach VV 7000 Nr. 1a RVG kann für Kopien aus Behördenakten die Dokumentenpauschale gefordert werden, soweit diese Kopien zur sachgemäßen Bearbeitung der Rechtssache geboten sind. Der Umstand, dass der Rechtsanwalt seiner Darlegungspflicht nicht nachgekommen ist, berechtigt nicht, die Fotokopiekosten in vollem Umfang von einer Erstattung auszunehmen. Unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Effizienz können im Falle einer vollständigen Ablichtung von Akten regelmäßig im Wege einer pauschalen Bestimmung die Hälfte der geltend gemachten Kopien als Kosten nach VV 7000 Nr. 1a RVG angesetzt werden. (Leitsatz der Schriftleitung)

LSG Bayern, Beschluss vom 08.11.2016 - L 15 SF 256/14 E, BeckRS 2016, 74254

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FG Düsseldorf: Vorvermächtnis unterliegt mit Nennwert der Erbschaftsteuer

Der Wert eines Vorvermächtnisses ist bei der Erbschaftsteuer mit dem Nennwert anzusetzen. Etwaige Verfügungsbeschränkungen des Vorvermächtnisnehmers sind nicht zu berücksichtigen, wie das Finanzgericht Düsseldorf entschieden hat. Eine mit der gesetzlichen Regelung verbundene Mehrfachbesteuerung des Vermächtnisses sei verfassungsrechtlich unbedenklich (Urteil vom 22.11.2016, Az.: 4 K 2949/14 Erb).

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Große Koalition stellt politische Projekte bis zur Bundestagswahl 2017 vor

CDU-Chefin Angela Merkel will noch einmal Bundeskanzlerin werden, Frank-Walter Steinmeier (SPD) wird aller Voraussicht nach Bundespräsident, und wer die Sozialdemokraten als Kanzlerkandidat in den Wahlkampf führt, dürfte auch bald feststehen. Neben Personalien gibt es aber auch Sachthemen, wie zum Beispiel Rente, Digitalisierung oder Asylrecht, die die große Koalition bis zur Bundestagswahl im Herbst 2017 beschäftigen – mit unterschiedlichen Erfolgsaussichten.

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Südafrika: Berufungsgericht kippt Urteil zu aktiver Sterbehilfe

Südafrikas höchstes Berufungsgericht hat ein Urteil gekippt, das einem unheilbar kranken Patienten das Recht zu aktiver Sterbehilfe zugesprochen hatte. Das Justizministerium, das Berufung eingelegt hatte, begrüßte den Entscheid vom 06.12.2016. Damit bleibt das bisher geltende Verbot aufrechterhalten.

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Dienstag, 6.12.2016
BGH: Verspätete verlässliche oder vollständige Angaben zum Streitwert

EGZPO § 26 Nr. 8 S. 1

Macht ein Kläger in den Vorinstanzen keine verlässlichen oder vollständigen Angaben zum Streitwert und hat das Berufungsgericht den Streitwert daher unter Zugrundelegung der unvollständigen Angaben geschätzt, so ist der Kläger gehindert, die Annahmen, auf denen diese Streitwertfestsetzung beruht, mit neuem oder ergänzendem Vortrag in Frage zu stellen, um den Wert der Beschwer im Rahmen der Nichtzulassungsbeschwerde zu erhöhen. Insbesondere ist er gehindert, neue Angaben zu einem Schadenumfang zu machen, wenn dieser Vortrag in den Tatsacheninstanzen keinen Niederschlag gefunden. (Leitsatz des Verfassers)

BGH, Beschluss vom 27.10.2016 - III ZR 300/15, BeckRS 2016, 19428

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BGH: Reiseveranstalter muss auch nach unverschuldetem Unfall beim Hoteltransfer Reisepreis erstatten

Kommt es im Rahmen einer Pauschalreise während des Transfers vom Flughafen zum Hotel zu einem Verkehrsunfall mit erheblichen Verletzungsfolgen für die Reisenden, so dass diese die weiteren Reiseleistungen nicht in Anspruch nehmen können, muss der Reiseveranstalter auch dann den Reisepreis erstatten, wenn ihn kein Verschulden trifft. In einem solchen Fall ist die Reiseleistung insgesamt als mangelhaft anzusehen. Dies hat der Bundesgerichtshof mit zwei Urteilen am 06.12.2016 entschieden (Az.: X ZR 117/15; X ZR 118/15).

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