Dr. Hans-Jürgen Hillmer
Europäische Unternehmen bewerten Nachhaltigkeit neu laut KPMG-Studie vom 11.11.2025

Nachhaltigkeit rechnet sich: Drei von vier Unternehmen (75%) erkennen laut der Studie „Sustainability Value Creation“ von KPMG in Deutschland, dass Nachhaltigkeit finanziell wirkt – etwa durch Effizienzsteigerungen oder Wachstum in neuen Märkten. Ein Lufthansa-Whitepaper unterstützt Mittelständler, die daran teilhaben wollen.
Praxis-Info!
Problemstellung
Nachhaltigkeit entwickelt sich zunehmend zum Qualitätsmerkmal, das sich positiv auf Arbeitgeberattraktivität, Kundenbindung und Vertrieb auswirkt. Erst kürzlich konnte im BC-Newsletter vom 6.11.2025 auf der Basis einer PwC-Studie über die gefestigte Rolle der Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor berichtet werden. Dies lässt sich nun mit den Ergebnissen einer weiteren Studie erhärten. Mit den Vereinfachungen der ESG-Berichtspflichten (ESG steht für Environmental, Social and Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung; Stichwort: Omnibus-Verordnungen) wird also Nachhaltigkeit keineswegs zum Auslaufmodell! Im Gegenteil: Durch den Wegfall bürokratischer Hürden entstehen neue unternehmerische Handlungsspielräume.
Lösung
Die am 11.11.2025 bekannt gegebenen Ergebnisse der Studie „Sustainability Value Creation“ von KPMG in Deutschland zeigen einen zunehmenden Sinneswandel bei europäischen Unternehmen. Der Studienleiter Dr. Thimo Stoll ist überzeugt: „Unsere Daten zeigen eine klare Neubewertung von ESG: Die Frage, ob Nachhaltigkeit einen Business Case hat, ist beantwortet. Jetzt geht es darum, welche Maßnahmen den größten finanziellen und wettbewerbssteigernden Beitrag leisten – und wie dieser Erfolg messbar wird. Richtig gemacht wird Nachhaltigkeit zum Katalysator für operativen und kommerziellen Erfolg.“
Im Einzelnen werden folgende Befragungsergebnisse hervorgehoben:
- Nachhaltigkeit wirkt finanziell: 75% verknüpfen Nachhaltigkeit direkt mit finanzieller Performance (Leistungsfähigkeit).
Die Zahlen machen deutlich, dass Unternehmen ESG zunehmend als finanziellen Hebel bewerten – und bereit sind, entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen. Allerdings wurde in den Befragungsergebnissen auch sichtbar, dass zwischen der veränderten Einschätzung und dem tatsächlichen Nachweis weiter eine Lücke klafft: Die Mehrheit der Unternehmen (54%) quantifiziert den finanziellen Nutzen ihrer ESG-Maßnahmen bislang nicht regelmäßig. Problemfaktor Nr. 1 ist die Messbarkeit der (potenziellen und realisierten) Effekte von Nachhaltigkeitsmaßnahmen: Fehlende Datenqualität, unklare Bewertungsmethoden und die Komplexität vieler ESG-Maßnahmen bremsen den Fortschritt.
Praxishinweise: - Die KPMG-Studie „Sustainability Value Creation“ basiert auf den Einschätzungen von 354 Unternehmen aus neun Schlüsselindustrien in acht europäischen Ländern.
- In vielen Branchen gilt ein konsequentes Nachhaltigkeitsmanagement inzwischen als Voraussetzung für die Teilnahme an Ausschreibungen oder für die Vergabe von Lieferverträgen. Das gab Lufthansa-Experten Anlass, ein mittelstandsorientiertes Whitepaper zu verfassen (siehe unter https://www.lufthansa-industry-solutions.com). Es vermittelt Antworten auf folgende Fragen:
– Welche handfesten wirtschaftlichen Vorteile bietet eine Integration von Nachhaltigkeit für Unternehmen? – Welche Regelwerke sind von der Omnibus-Verordnung betroffen? – Wo liegen typische Denkfehler bezüglich der Vorgaben der EU-Richtlinie für Nachhaltigkeitsberichterstattung (Corporate Sustainability Reporting Directive, kurz: CSRD)? – Worin bestehen die entscheidenden Vorteile der „Doppelten Wesentlichkeitsanalyse“? – Wie kann EPACTO (ESG Performance Accounting Tool – „ESG-Software für eine kalkulierte Unternehmensstrategie Richtung Nachhaltigkeit“) gerade mittelständischen Unternehmen entscheidend weiterhelfen? - Zum Tool wird unter https://www.lufthansa-industry-solutions.com/de-de/loesungen-produkte/epacto detailliert informiert. Die Verfasser des Whitepapers meinen, dass Nachhaltigkeit gerade wegen der Vereinfachungen zur unternehmerischen Kür werde, die Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Marktakzeptanz stärkt (siehe bereits mit Fokus auf IT den Beitrag Nachhaltigkeit als Bestandteil der IT-Strategie im BC-Newsletter vom 25.7.2024). Entscheidend sei, dass Unternehmen die neuen Spielräume aktiv nutzen und Nachhaltigkeit als festen Bestandteil ihrer Strategie verankern – nicht als Pflichtübung, sondern als Treiber für Zukunftsfähigkeit und Wachstum. Das deckt sich vollständig mit den Einschätzungen der oben genannten Studienautoren von PwC und KPMG.
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Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld
BC 12/2025
BC20251217