Dr. Hans-Jürgen Hillmer
ICV prämiert BASF-Systemlösung zur effizienteren Gesamtsteuerung

Mit dem Projekt „FOX – Digitaler Assistant für Finance & Controlling“ hat die BASF SE den Albrecht Deyhle Award for Controlling Excellence 2026 des Internationalen Controller Vereins (ICV) gewonnen. Der Preis wurde im Rahmen des 50. Congresses der Controller in München am 27.4.2026 von Prof. Dr. Utz Schäffer sowie dem ICV-Vorsitzenden Matthias von Daacke überreicht. Nominiert waren neben BASF auch die Unternehmen Börlind und Kärcher, die sich den zweiten Platz teilen.
Hintergrund
Unter dem Motto „Prepared for Uncertainty“ (auf Unsicherheiten vorbereitet) gaben Top-Referierende internationaler Unternehmen anlässlich des vom ICV zum 50. Mal veranstalteten Controller Congresses Einblicke in die neuesten Entwicklungen des KI-Einsatzes im Controlling, zur Nachhaltigkeit sowie über Strategien im Umgang mit den aktuellen geopolitischen Spannungen, die Entscheidungen unter aktuell besonders großer Unsicherheit erfordern. Zu den Highlights gehörten die Verleihungen des ICV Controlling Excellence Award und des ICV – Péter Horváth Green Controlling Preises. Controller und Controllerinnen sind jetzt – so der ICV-Appell – besonders gefordert: als verlässliche Partner des Managements und als Lotsen, die Rationalität sichern und Orientierung geben. Themenschwerpunkte waren Navigation AI (KI-Einsatz im Steuerungsprozess), Performance und Wettbewerbsfähigkeit.
Sieger BASF SE: Digitaler Assistant FOX
Mit FOX hat BASF einen intelligenten digitalen Assistant für den Finance- und Controlling-Bereich entwickelt, der als zentraler Zugangspunkt zu Wissen, Daten und Prozessen dient. Die in Microsoft-Teams integrierte Lösung ermöglicht es, über natürliche Sprache auf unternehmensspezifisches Finanzwissen, strukturierte Daten und Automatisierungsfunktionen zuzugreifen und diese effizient zu nutzen.
Die innerhalb von 18 Monaten entwickelte und bereits global ausgerollte Lösung FOX hat sich zu einer skalierbaren Produktivitätsplattform etabliert. Mehr als 4.500 aktive Nutzer im Finance- und Controlling-Bereich greifen in über 5.000 wöchentlichen Interaktionen auf den Assistant zu. Dabei werden insbesondere Prozesse wie Onboarding, Reporting, Planung und Kommentierung messbar beschleunigt sowie Transparenz, Konsistenz und Entscheidungsqualität verbessert.
In seiner Laudatio betonte der Jury-Vorsitzende Prof. Dr. Utz Schäffer, dass die Lösung mit dem ineffizienten Zugang zu verteilt vorliegendem Wissen und Daten ein zentrales Praxisproblem adressiert – und durch die intelligente Verknüpfung von Informationen, Systemen und Automatisierung eine „überzeugende Lösung für die Entwicklung und Implementierung eines digitalen Assistenten im Controlling“ schafft.
Mit FOX erzielte Verbesserungen in den Finance-Prozessen
Im globalen Finance- und Controlling-Umfeld von BASF erwies sich der fragmentierte Zugang zu Wissen und Daten als Kernproblem. Relevante Informationen waren bislang über zahlreiche Dokumente und Systeme verteilt. Der Assistant fungiert nun als intelligenter Einstiegspunkt, der diese Inhalte integriert, kontextualisiert und in Echtzeit zugänglich macht.
Technologisch kombiniert die Lösung des Chemieunternehmens BASF moderne KI-Methoden wie Large Language Models, Retrieval-Augmented Generation und eine Multi-Agenten-Architektur. Sie integriert über 50.000 Dokumente aus zwölf Datenquellen sowie strukturierte Daten aus mehreren Systemen und ermöglicht zusätzlich die Auslösung von Workflows direkt aus der Interaktion heraus. Sicherheit und Governance entsprechen dabei vollständig den BASF-Standards, einschließlich rollenbasierter Zugriffskontrolle und vollständiger DSGVO-Konformität.
Entwicklungsprozess
Die Entwicklung erfolgte als business-getriebene Initiative innerhalb der Controlling-Community mit starker Unterstützung durch das Top-Management. Zum Projektteam gehören Alican Polat, Yvonne Ofer und Martin Binder. Ein strukturierter Rollout sowie umfassende Trainings- und Feedbackmechanismen sicherten die breite Akzeptanz.
FOX ist Teil einer unternehmensweiten AI-Value Case-Initiative und zielt auf signifikante Einsparungen in den kommenden Jahren ab. Darüber hinaus stärkt die Lösung die Rolle von Finance & Controlling als strategischer Partner, indem sie den Zugang zu Informationen vereinfacht, die Qualität von Analysen verbessert und fundierte, datenbasierte Entscheidungen unterstützt. Damit dient sie als Blaupause für den unternehmensweiten Einsatz von KI und bildet eine zentrale Grundlage für das zukünftige Betriebsmodell im Finance- und Controlling-Bereich bei BASF.
Börlind: Integrierte Unternehmenssteuerung für mehr Resilienz
Mit dem auf Platz 2 gerankten Projekt „Resilient by Design – Integrierte Unternehmenssteuerung bei Börlind“ hat die Börlind GmbH ihr Controllingsystem umfassend weiterentwickelt, um den Anforderungen einer zunehmend volatilen und komplexen Unternehmensumwelt gerecht zu werden. Ziel des Herstellers von Naturkosmetik aus dem baden-württembergischen Calw war der Aufbau eines integrierten, flexiblen und risikobewussten Steuerungssystems, das die Unternehmensstrategie konsequent in operative Handlungslogik übersetzt und bestehende Instrumente zu einem konsistenten Gesamtsystem verbindet. Im Zentrum stand ein unternehmensweites Veränderungsvorhaben, das Strategie, operative Planung, Risikobetrachtung und Maßnahmensteuerung zu einem einheitlichen Steuerungskreislauf verzahnt. Führungskräfte fungieren als Multiplikatoren, Strategy-Group-Meetings fördern eine faktenbasierte Entscheidungsfindung und ein gemeinsames Zielverständnis. Die Jury zeigte sich in ihrer Bewertung beeindruckt davon, wie konsequent es Börlind gelungen ist, Strategie, operative Planung, Risikobetrachtung und Maßnahmensteuerung „zu einem stringenten Steuerungskreislauf zu verzahnen“ und dabei auch kulturelle Veränderungen im Unternehmen zu verankern.

Das Gewinnerteam von BASF, eingerahmt von ICV-Vorsitzendem Mathias von Daacke (links) und Prof. Dr. Utz Schäffer (Jury-Vorsitzender und Laudator):
von links Börlind (2. Platz): Dr. Peter Müller-Pellet (Geschäftsführer, 2.v.l.), Jörg Schlatterer (Leiter Controlling) und Stefanie Großkinsky (Strategie- und Risikomanagerin);
BASF (1. Platz): Alican Polat (AI Lead Corporate Finance), Yvonne Ofer (Transforma on Lead Corporate Finance) und Martin Binder (Divisional Digital Officer Corporate Finance);
Kärcher (2. Platz): Andreas Kerkau (Senior Director Corporate Controlling, 2.v.r.)
Kärcher: Demokratisierung von KI im Controlling
Mit dem ebenfalls auf Platz 2 ausgezeichneten Projekt „Gemini Rollout – Demokratisierung von KI@Kärcher“ hat die Alfred Kärcher SE & Co. KG generative KI als virtuellen Assistenten flächendeckend in der Organisation eingeführt. Ziel des Herstellers von Reinigungslösungen mit Hauptsitz in Winnenden war es, die Arbeitsweise und Kollaboration grundlegend zu transformieren, die Belastung durch repetitive Aufgaben zu reduzieren und die Produktivität nachhaltig zu steigern. Der Rollout erfolgte als strategisches Change-Projekt mit einem klaren Fokus auf Demokratisierung: KI sollte nicht als Expertenlösung, sondern als „KI für alle“ etabliert werden.
Im Finance- und Controlling-Kontext wird die KI insbesondere für Datenanalysen, Konsistenz-prüfungen, Knowledge-Management-Anwendungen sowie zur Aufbereitung von Entscheidungsgrundlagen eingesetzt. Dies führt zu signifikanten Effizienzgewinnen und einer stärkeren Fokussierung auf wertschöpfende Tätigkeiten.
In seiner Laudatio hob Prof. Dr. Utz Schäffer hervor, dass Kärcher den Controller bewusst in den Mittelpunkt gestellt habe: Der Rollout sei „kein reines IT-Projekt, sondern ein strategisches Change-Projekt zur Transformation von Arbeitsweisen“. Besonders überzeugt habe die Jury die konsequente Demokratisierung von KI sowie die breite Verankerung im Arbeitsalltag.
- Die Jury des Albrecht Deyhle Award würdigt mit den diesjährigen Preisträgern einen Mix aus Großunternehmen und mittelständischen Unternehmen. „Die nominierten Lösungen stehen exemplarisch für die Bandbreite moderner Controlling-Exzellenz – von innovativen KI-Anwendungen bis hin zu integrierten Steuerungssystemen“, so Juryvorsitzender Prof. Dr. Utz Schäffer. Der Award unterstreicht damit einmal mehr seinen Anspruch, praxisnahe, innovative und wirksame Lösungen sichtbar zu machen (Controlling Excellence mit Leuchtturmcharakter).
- In 2025 war der Award für Controlling Excellence 2025 für das Projekt „Datenbasierte Steuerung & Führung Vonovia“ an die Vonovia SE gegangen, siehe dazu den Bericht im BC-Newsletter vom 10.5.2025.
- Alle Informationen zum Award sind verfügbar unter https://icv-controlling.com/albrecht-deyhle-award-for-controlling-excellence/. Dort findet sich auch eine Übersicht der bisherigen Preisträger von 2003 bis 2025, darunter viele (kleinere) Mittelständler. Das sollte Bilanzbuchhalter/Controller ermutigen, ihren Hut in den Ring zu werfen, um in 2027 – dann wieder in München vom 26.4. bis 27.4.2027 – vielleicht den Sieg davontragen zu können.
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Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld
BC 6/2026
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