PwC-Studie „Moving targets: Cybersecurity in a dynamic digital world“: Ergebnisse aus dem Bericht „Global Digital Trust Insights 2027“ – Oktober 2026

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hat im Oktober 2026 eine Studie zu den Trends in der Cybersicherheit veröffentlicht. Nicht überraschend nimmt das Thema „Künstliche Intelligenz (KI)“ darin einen zentralen Platz ein.
Praxis-Info!
Während der KI-Hype weiter anhält, stellt die teilweise unkontrollierte Anwendung diverser KI-Programme die IT-Sicherheitsexperten in Unternehmen vor große Herausforderungen. Cyberangriffe auf KI-Systeme stellen laut den Antworten der Studienteilnehmer die mit Abstand größte Sicherheitslücke dar. 50% der Studienteilnehmer sehen ihr Unternehmen nur unzureichend auf solche Angriffe vorbereitet. Angriffe auf die Cloud-Infrastruktur und Drittanbieter (Third-Parties) sind weitere zentrale Knackpunkte in dem aktuellen Cybersicherheitsumfeld. Spannenderweise vereint KI alle drei der oben genannten Problemfelder – viele KI-Anwendungen werden als Cloud-Lösung von Drittanbietern betrieben. Auch wenn diese Risikoaggregation (Bestimmung des Gesamtrisikoumfangs ausgehend von bekannten Einzelrisiken) in der Studie selbst nicht vorgenommen wird, ist doch offensichtlich, dass der Themenkomplex die IT-Sicherheitsexperten noch eine Weile beschäftigen wird.
KI-Programme sind allerdings nicht nur Opfer von Cyberattacken. Gerade die neueren KI-Modelle haben sich als sehr effizient erwiesen, bisher unbekannte Schwachstellen in der IT-Sicherheitsarchitektur aufzuspüren und auszunutzen. Vor allem in den folgenden Bereichen sehen die befragten IT-Sicherheitsexperten ihre Unternehmen nur unzureichend vorbereitet:
- Kompromittierung durch autonome Botnetze; diese nutzen die KI, um große Netzwerke infizierter Geräte effizienter zu steuern und einzusetzen.
- Angriffe durch gezielte Manipulation von KI-Systemen, und zwar durch subtile Veränderungen der Eingabedaten, um fehlerhafte Ergebnisse zu erzeugen.
- „Datenvergiftung“: Einschleusen irreführender oder manipulierter Daten in Trainingsdatensätze, um KI-Modelle zu verfälschen.
Die Studie befasst sich im Folgenden auch näher mit Themen wie „Datenschutz und Datensicherheit, Mitarbeiterschulungen und KI-Verantwortlichkeiten“.
Während sich die Studie vor allem an IT-Sicherheitsexperten und -Entscheider richtet, lassen sich auch für das Rechnungswesen einige interessante Erkenntnisse gewinnen:
- Viele Rechnungswesenabteilungen sind gerade dabei, KI-Anwendungen in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren. Wie die Studie verdeutlicht, ist bei der Auswahl der KI-Anbieter nicht nur auf die fachliche Anwendung zu schauen. Vielmehr ist auch genau zu prüfen, welches IT-Sicherheitsrisiko die Anwendung darstellt. Dies gilt umso mehr für das Rechnungswesen, wo in der Regel persönliche und sicherheitskritische Daten (z.B. Kundenname und Anschrift, Bankdaten etc.) zuhauf lagern.
- 44% der befragten Studienteilnehmer sehen ihr Unternehmen nur unzureichend auf sog. Deepfakes vorbereitet. Dies sind KI-unterstützte Angriffe, bei denen mittels KI-Programmen die Stimme und sogar das Bild von Vorgesetzten täuschend echt imitiert wird, um Mitarbeiter im Rechnungswesen zur Veranlassung von Auszahlungen zu täuschen. Vielfach wird hierbei der CEO bzw. Geschäftsführer virtuell geklont, um dann den Leiter Rechnungswesen oder eine andere Person mit einer „geheimen“ Übernahmetransaktion zu täuschen. Dabei sind Unternehmen bisher in Einzelfällen Schäden im zweistelligen Millionenbereich entstanden.
- Die Themenbereiche „Datenvergiftung und -manipulation“ zeigen, dass die Einführung eines KI-Programms keinesfalls eine Einmalaktion ist. Vielmehr müssen die Ergebnisse der KI laufend überprüft werden. Dies bedingt, dass erfahrene Mitarbeiter nicht einfach durch KI zu ersetzen sind. Ansonsten fehlt das nötige Wissen, um die KI-Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.
Christian Thurow, Dipl.-Betriebsw. (BA), Senior Risk Manager, London (E-Mail: c.thurow@thurow.co.uk)
BC 11/2026
BC20261113