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Creditreform Zahlungsindikator Sommer 2026: KMU unter Druck

Dr. Hans-Jürgen Hillmer

Ausweitung der Zahlungsziele

 

In Deutschland stieg das durchschnittliche Zahlungsziel im 1. Halbjahr 2026 gemäß Creditreform-Angaben vom 3.8.2026 auf den höchsten Stand seit 2019. Während größere Unternehmen um ca. 9 Tage längere Fristen eingeräumt bekommen, sind kleine und mittlere Unternehmen zeitlich eher unter Druck, sodass von einer Zweiklassengesellschaft die Rede ist.



Praxis-Info!

 

Problemstellung

Der Trend zu längeren Zahlungszielen hat sich gemäß Creditreform-Debitorenregister in den vergangenen Monaten fortgesetzt. Lieferanten und Kreditgeber gewährten ihren Kunden demnach im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich ein Zahlungsziel von 32,21 Tagen. Das waren 0,75 Tage mehr als im Vorjahreszeitraum und gut zwei Tage mehr als noch im Jahr 2023. Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung schränkt ein: „Von der Ausweitung der Zahlungsfristen profitieren allerdings häufig nur große, bonitätsstarke Abnehmer, die gegenüber ihren Lieferanten eine entsprechend starke Verhandlungsposition haben.“

Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten wurde durchschnittlich ein Zahlungsziel von 35,51 Tagen gewährt. Das waren drei Tage mehr als noch 2023. Kleinunternehmen wurde dagegen lediglich eine Zahlungsfrist von 26,37 Tagen eingeräumt. Im 1. Halbjahr 2026 war parallel ein deutlicher Anstieg des Zahlungsverzugs bei kleinen und mittleren Unternehmenskunden gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu verzeichnen. Deren Lieferanten und Kreditgeber meldeten eine durchschnittliche Überfälligkeit von 10,52 Tagen (+0,78 Tage) bei kleinen und 10,66 Tagen (+1,87 Tage) bei mittleren Unternehmen.

 

 

Konsequenzen

 

1. Erhöhtes Risiko für Gläubiger von KMU

Während Großkunden mit mehr als 250 Beschäftigten ihre Rechnungen mit einer durchschnittlichen Verzögerung von lediglich 6,71 Tagen beglichen, bedeuten die vorbeschriebenen Entwicklungen bei KMU für Gläubiger ein erhöhtes Risiko. „Kleine und mittlere Unternehmen stehen in der aktuellen Wirtschaftskrise unter besonderem Druck. Sie erhalten kaum längere Zahlungsziele und müssen gleichzeitig steigende Kosten schultern“, erklärt der Debitoren-Experte Jörg Urbscheit. Da fast 80% aller Debitoren kleine Unternehmen sind, sind regelmäßige Bonitätsprüfungen und eine konsequente Überwachung der Zahlungseingänge für Lieferanten zu empfehlen, um sich wirksam gegen mögliche Zahlungsausfälle abzusichern.

Das ausstehende Forderungsvolumen pro Schuldner hat sich weiter verringert: Im 1. Halbjahr 2026 lag es bei 19.564 € und damit bei rund 4.000 € weniger als noch vor zwei Jahren. Auch der durchschnittliche Rechnungswert im B2B-Geschäft (B2B = Business-to-Business – Leistungsaustausch findet ausschließlich zwischen Unternehmen statt) sank von 1.960 € auf 1.899 €.

 

 

2. Anzeichen eines verbesserten Risikomanagements

Insgesamt gesehen bewerten die Creditreform-Experten die beschriebenen Entwicklungen als Zeichen eines verbesserten Risikomanagements. Da die Vergabe von Lieferantenkrediten nach strengeren Vorgaben erfolgt, können besonders risikobehaftete Kunden ausgeschlossen werden.

Durch die Ausweitung der Zahlungsziele ist die durchschnittliche Forderungslaufzeit um einen Tag auf 40,35 Tage gestiegen. Lieferanten mussten entsprechend länger auf den Zahlungseingang für gelieferte Waren und erbrachte Leistungen warten. Besonders lange Forderungslaufzeiten zeigen sich derzeit bei Geschäftsbeziehungen mit dem Baugewerbe, den unternehmensnahen Dienstleistern sowie dem Einzelhandel. Trotz des jüngsten Anstiegs liegt die Außenstandsdauer aber weiterhin deutlich unter früheren Werten. Zwischen 2016 und 2021 betrug sie zeitweise mehr als 42 Tage.

„Lieferanten und Kreditgeber müssen derzeit Kompromisse eingehen. Sie räumen ihren Kunden mehr Zeit für die Begleichung offener Rechnungen ein. Dass diese Strategie funktionieren kann, zeigen die derzeit geringe Verzugsdauer und die vergleichsweise niedrigen Forderungsbestände“, fasst Hantzsch die Ergebnisse zusammen. Er warnt aber, dass sich die Lage schnell verschlechtern könnte, wenn die Konjunktur nicht bald wieder anspringe.

 

 

Praxishinweise:

  • Wenn auch gewisse Erfolge im Risikomanagement gemeldet wurden, so darf dies doch nicht als Ruhekissen missverstanden werden. Denn wenige Tage zuvor war seitens Creditreform über den höchsten Insolvenzstand in Deutschland seit 2013 informiert worden. Demnach hat sich der mehrjährige Anstieg der Unternehmensinsolvenzen erwartungsgemäß in 2026 fortgesetzt und dürfte sich weiter fortsetzen – das legen die am 17.7.2026 veröffentlichten aktuellen Halbjahreszahlen der Creditreform Wirtschaftsforschung nahe. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg demnach im ersten Halbjahr 2026 um 7,8% auf 12.900 Fälle. Das ist der höchste Stand seit 2013 (damals 13.310 Fälle im 1. Halbjahr).
  • Dies hat Folgen: Die Schadenssumme infolge von Unternehmensinsolvenzen belief sich im ersten Halbjahr 2026 schätzungsweise auf 28,5 Mrd. €. Die Insolvenzgläubiger – darunter Lieferanten, Kreditgeber und Sozialversicherungsträger – mussten damit erneut überdurchschnittlich hohe Forderungsausfälle hinnehmen. Je Insolvenzfall ergaben sich im Durchschnitt etwa 2,2 Mio. € an ausfallgefährdeten Forderungen. Immerhin liegt dieser Wert leicht unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums.
  • Eine andere bittere Folge jeder Insolvenz sind gefährdete Arbeitsplätze. In den insolventen Unternehmen waren im Durchschnitt rund zwölf Personen tätig, wobei die Spannweite von Kleinstbetrieben bis zu Großunternehmen reicht. Insgesamt sind von den bisher im laufenden Jahr registrierten Insolvenzfällen rund 165.000 Arbeitsplätze betroffen. Die Zahl übersteigt das Niveau des ersten Halbjahres 2025, als schätzungsweise 143.000 Arbeitsplätze bedroht oder weggefallen waren.
  • Besorgniserregend ist zudem das bereits am 10.6.2026 gemeldete 20-Jahres-Hoch bei Insolvenzen in Europa, über das im BC-Newsletter vom 11.6.2026 berichtet wurde. Die dort beschriebenen Empfehlungen sind deshalb weiterhin aktuell:

    – Konzentrieren Sie Ihr Monitoring auf besonders bedrohte Branchen!

    – Verstärken Sie die Nutzung von Szenario-Planungen!

    – Kümmern Sie sich um den Aufbau von Finanzreserven (insbesondere, um Umsatz- und/oder Forderungsausfälle auffangen zu können)!

    – Nutzen Sie neue Erkenntnisquellen, die über den Einsatz von KI erschlossen werden können.

 

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 9/2026

BC20260908

 

 

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