Donnerstag, 19.1.2017
LG München I: Nicht indizierte künstliche Ernährung bringt keinen Schadenersatzanspruch

Für die künstliche Ernährung seines unheilbar kranken und dementen Vaters bekommt ein Sohn von dem zuständigen Arzt keinen Schadenersatz. Das Landgericht München I wies am 18.01.2017 die Klage ab (Az.: 9 O 5246/14). Der Sohn hatte Schmerzensgeld und Behandlungskosten in Höhe von 150.000 Euro geltend gemacht: Die künstliche Ernährung habe das Leiden nur verlängert. Der Vater war von 2006 an per Magensonde ernährt worden und starb 2011. Spätestens ein Jahr vor dem Tod sei die Sonde nicht mehr fachärztlich angemessen gewesen, hatte der Sohn argumentiert.

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Türkische Anwaltskammer: Erdogans Präsidialsystem wäre "Sultanat"

Der Chef der türkischen Anwaltskammer befürchtet unter dem von Staatschef Recep Tayyip Erdogan angestrebten Präsidialsystem ein Ende der Demokratie in dem Land. "Die Türkei wurde fast 600 Jahre lang mit solch einem System regiert", sagte der Jurist Metin Feyzioglu am Abend des 18.01.2017 in Ankara. "Wir haben in unserer Literatur einen Fachbegriff dafür: Das nennt sich Sultanat." Feyzioglu zeigte sich allerdings zuversichtlich, dass die Verfassungsänderungen bei einem Referendum keine Mehrheit erhalten würden. "Dieses Volk wird keinen Selbstmord begehen", sagte er.

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Bund der Steuerzahler: Neues Abgasmessverfahren darf nicht zu Kfz-Steuererhöhung durch die Hintertür führen

Der Bund der Steuerzahler e.V. (BdSt) wendet sich gegen eine durch ein neues Abgasmessverfahren bedingte mittelbare Erhöhung der Kfz-Steuer. Er nimmt damit zu einem vom Bundesfinanzministerium verschickten Referentenentwurf zum 6. Kraftfahrzeugsteueränderungsgesetz Stellung, mit dem eine neue Testprozedur zur Ermittlung der Emissionswerte bei Pkw umgesetzt werden soll.

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OLG Oldenburg: Tochter haftet trotz ausgeschlagener Erbschaft für Heimkosten ihrer Mutter

Unterschreibt eine Tochter beim Einzug ihrer Mutter in ein Pflegeheim eine Kostenübernahmeerklärung, so haftet sie für rückständige Heimkosten, auch wenn sie die Erbschaft ihrer Mutter ausgeschlagen hat. Ein möglicher Verstoß gegen das Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz hilft ihr ebenso wenig weiter, weil in dessen Schutzbereich nur die Heimbewohner selbst, nicht aber ihre Angehörigen fallen. Dies hat das Oberlandesgericht Oldenburg mit mittlerweile rechtskräftigem Beschluss vom 21.12.2016 entschieden (Az.: 4 U 36/16).

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KG: Keine Mietzahlungsverpflichtung des Gewerbemieters bei verzögerter Fertigstellung eines Geschäftszentrums

BGB §§ 535 I, 536, 536b III

Ist der Mieter zur Zahlung der Geschäftsraummiete ab Übergabe der Räume verpflichtet, ist die Miete wegen eines Mangels der Mietsache nach Ablauf der dem Mieter gesetzten Ausbaufrist bis zur Eröffnung des Geschäftszentrums vollständig gemindert, wenn es dem Vermieter nicht gelingt, das Geschäftszentrum bis zum Ablauf der Ausbaufrist eröffnungsfähig fertigzustellen.

KG, Urteil vom 21.11.2016 - 8 U 121/15 (LG Berlin), BeckRS 2016, 108966

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SG Mainz: Referendar muss Rentenbeiträge für zusätzliche Vergütung während Anwalts-Station entrichten

Wird einem Rechtsreferendar im Rahmen seiner Ausbildung bei einer Kanzlei zusätzlich zur staatlichen Unterhaltsbeilhife eine Vergütung gezahlt, dann sind dafür Rentenbeiträge fällig, wie das Sozialgericht Mainz am 12.12.2016 entschied. Maßgeblich sei, ob im jeweiligen Einzelfall die zusätzliche Vergütung wie ein Bonus allein im Rahmen des Ausbildungsverhältnisses gezahlt werde oder ob sie für eine abgrenzbare, über die Ausbildung hinausgehende Tätigkeit anfalle (Az.: S 16 KR 423/14).

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LG Chemnitz: Lebenslange Haft für 89-Jährigen

Ein 89-Jähriger aus Sachsen muss lebenslang hinter Gitter. Das Landgericht Chemnitz verurteilte den Rentner am 18.01.2017 wegen Mordes an seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Die Verteidigung kündigte an, die Einlegung einer Revision zu prüfen.

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Italien: Lebenslänglich für südamerikanische Ex-Diktatoren im Zusammenhang mit "Plan Condor"

Wegen des Verschwindens von 23 Italienern im Rahmen des sogenannten "Plan Condor" hat ein Gericht in Rom am 18.01.2017 mehrere frühere südamerikanische Staatschefs, Militärs und Geheimdienstagenten in Abwesenheit zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

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Gesundheitsausschuss billigt Cannabis-Gesetzentwurf
Der Gesundheitsausschuss des Bundestages hat den Weg frei gemacht für den Cannabis-Gesetzentwurf der Bundesregierung, der es schwer kranken Patienten künftig ermöglichen soll, auf Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit hochwertigen Cannabisarzneimitteln versorgt werden zu können. Wie der parlamentarische Pressedienst berichtete, wurde die in den parlamentarischen Beratungen an einigen Stellen noch veränderte Vorlage (BT-Drs. 18/8965) am 18.01.2017 im Ausschuss einstimmig gebilligt. Vertreter der Regierungs- wie auch der Oppositionsfraktionen sprachen von einem entscheidenden Fortschritt zugunsten schwer kranker Patienten. Der Gesetzentwurf soll am 19.01.2017 verabschiedet werden. Mehr lesen
FG Düsseldorf: Vom Arbeitgeber übernommene Verwarnungsgelder sind kein Arbeitslohn
Die Übernahme von Verwarnungsgeldern wegen Falschparkens eines angestellten Fahrers durch einen Paketzustelldienst ist kein Arbeitslohn und unterliegt daher nicht der Lohnsteuer. Dies geht aus einem Urteil des Finanzgerichts Düsseldorf vom 04.11.2016 hervor. Das FG hat die Revision zum Bundesfinanzhof wegen grundsätzlicher Bedeutung zugelassen (Az.: 1 K 2470/14 L). Mehr lesen
BAG erlaubt Schichtverkürzung zur Einhaltung der Erholungszeit vor Betriebsratssitzung
Ein Betriebsratsmitglied, das nach einer Nachtschicht außerhalb seiner Arbeitszeit tagsüber an einer Betriebsratssitzung teilzunehmen hat, ist berechtigt, die Arbeit in dieser vor dem Ende der Schicht einzustellen, wenn nur dadurch eine ununterbrochene Erholungszeit von elf Stunden gewährleistet ist, in der weder Arbeitsleistung noch Betriebsratstätigkeit zu erbringen ist. Das hat das Bundesarbeitsgericht jetzt entschieden (Urteil vom 18.01.2017, Az.: 7 AZR 224/15). Mehr lesen
OLG Nürnberg: Tierschutz als Kriterium für Zuweisung von Hunden bei Haushaltsauseinandersetzung

Hunde, die als Haustiere für das Zusammenleben von Ehegatten bestimmt waren, sind gemäß § 1361a Abs. 2 BGB im Rahmen der Hausratsverteilung nach Billigkeitsgesichtspunkten einem Ehegatten zuzuweisen. Dies hat das Oberlandesgericht Nürnberg entschieden. Im vorliegenden Fall kam als nachrangiges Kriterium der Tierschutz zum Tragen, der gebot, die Tiere nicht zu trennen und erneut umzusiedeln. Alle Tiere verblieben daher bei der Ehefrau, bei der sie seit der Trennung lebten (Beschluss vom 07.12.2016, Az.: 10 UF 1429/16).

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Mittwoch, 18.1.2017
Kabinett beschließt Gesetz zur Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie
Die Bundesregierung will mehr Sicherheit und Transparenz beim Kauf von Versicherungsprodukten erreichen. Das Kabinett hat dafür am 18.01.2017 den Gesetzentwurf zur Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) beschlossen. Mit dem Gesetz werde es künftig eine klare Trennung zwischen Provisionsvermittlung und Honorarberatung geben, erläuterte Gerd Billen, Staatssekretär beim Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz. Honorarberater könnten nun Verbrauchern geeignete Versicherungen vermitteln, ohne ihre Unabhängigkeit zu gefährden. Mehr lesen
Dobrindt will klare Regeln für Betrieb von Drohnen
Der Betrieb von Drohnen soll neu geregelt werden. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat dazu am 18.01.2017 dem Kabinett eine "Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten" vorgelegt. Die Regelung solle der Zukunftstechnologie Drohne Chancen eröffnen und gleichzeitig die Sicherheit im Luftraum deutlich erhöhen, betonte Dobrindt. Mehr lesen
BVerfG: Verfassungsbeschwerde gegen geänderte Bewertung von Rentenbeitragszeiten in der DDR gescheitert

Das Bundesverfassungsgericht hat eine Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen, die sich gegen die geänderte Bewertung von in der DDR zurückgelegten rentenversicherungsrechtlichen Zeiten von Personen, die vor dem 18.05.1990 aus der DDR in die damalige Bundesrepublik übersiedelten, durch das Rentenüberleitungsgesetz (RÜG) und das RÜG-Ergänzungsgesetz richtete. Der davon benachteiligte Beschwerdeführer habe sich weder hinreichend mit der Rechtslage auseinandergesetzt, die der geänderten Rentenberechnung zugrunde liege, noch einen Verstoß gegen Grundrechte schlüssig dargelegt (Beschluss vom 13.12.2016, Az.: 1 BvR 713/13).

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EGMR-Urteil: Ungarns Polizei schützte Roma nicht vor Gewalt
Die ungarische Polizei hat nach Ansicht des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zwei Roma in einer westungarischen Ortschaft nur unzureichend vor Gewalt und Hassparolen geschützt, die von Teilnehmern einer rechtsextremen Kundgebung ausgingen. Den beiden Klägern sprach das Gericht in Straßburg am 17.01.2017 eine Entschädigung von jeweils knapp 11.000 Euro durch den ungarischen Staat zu. "Die begrenzten Ermittlungen (der ungarischen Polizei) ... stellten keine ausreichende Antwort auf die reale und komplexe Situation dar, wie sie bestanden hatte", heißt es in dem Urteil (Az.: 10851/13).  Mehr lesen
Antonio Tajani wird neuer Präsident des EU-Parlaments
Bei Antonio Tajani wirkte der kurze Wahlkampf um das Präsidentenamt im Europaparlament wie eine große Umarmung. Mit Engelszungen umschmeichelte der 63-jährige Jurist aus Rom bis zuletzt die Kollegen der anderen Fraktionen. "Ich werde alle Abgeordneten und Gruppen unterstützen", versicherte der Kandidat der Europäischen Volkspartei in seiner Bewerbungsrede am 17.01.2017. Mehr lesen
Brexit: Premierministerin kündigt Ausscheiden Großbritanniens aus EU-Binnenmarkt an
Großbritannien wird nicht nur die EU, sondern auch den europäischen Binnenmarkt verlassen. "Wir streben keine Mitgliedschaft im EU-Binnenmarkt an", sagte May bei einer lange erwarteten Grundsatzrede zum Brexit am 17.01.2017 in London. Ihr Land sei dann nicht mehr verpflichtet, "enorme Summen zum EU-Haushalt" beizutragen. Mehr lesen
EuGH bestätigt gemeinschaftliche Geldbuße gegen Toshiba und Panasonic wegen Bildröhren-Kartells
Die Klage von Toshiba im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Beteiligung an einem Bildröhren-Kartell bleibt erfolglos. Der Europäische Gerichtshof bestätigte mit Urteil vom 18.01.2017 die den Unternehmen Toshiba und Panasonic/MTPD gesamtschuldnerisch auferlegte Strafzahlung in Höhe von 82 Millionen Euro. Der Einwand des Technikkonzerns Toshiba, dass er für eine vom Tochterunternehmen MTPD begangene Zuwiderhandlung nicht zur Verantwortung gezogen werden könne, überzeugte den EuGH nicht. Wenn das Marktverhalten eines gemeinsamen Tochterunternehmens nach gesetzlichen Bestimmungen oder vertraglichen Regelungen von mehreren Muttergesellschaften (Toshiba und Panasonic) gemeinsam festgelegt werden müsse, könne angenommen werden, dass dieses Verhalten auch tatsächlich gemeinsam festgelegt wurde, hieß es in der Begründung (Az.: C-623/15 P). Mehr lesen
BGH bejaht Mangelhaftigkeit eines Gebrauchtwagens bei internationaler Fahndungsausschreibung
Ein Fahndungseintrag im Schengener Informationssystem (SIS) kann bei einem Gebrauchtwagen einen zum Rücktritt vom Kaufvertrag berechtigenden Rechtsmangel (§§ 433 Abs. 1 Satz 2, 435 Satz 1 BGB) darstellen. Dies hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 18.01.2017 entschieden. Zum einen könne das Fahrzeug dem Halter aufgrund des Eintrags jederzeit auf unbestimmte Zeit entzogen werden. Zum anderen leide möglicherweise auch die Weiterverkäuflichkeit des Pkw, betonte das Gericht (Az.: VIII ZR 234/15). Mehr lesen