CHB_RSW_Logo_mit_Welle_trans
JuS_Logobasis_Linsenreflex
Menü

Ratingergebnisse sachgerecht interpretieren und beeinflussen

Dr. Hans-Jürgen Hillmer

Empfehlungen anlässlich der RMA-Konferenz Rating/Krisenmanagement

 

Ein gutes Rating erleichtert die Kapitalaufnahme entscheidend. Umso wichtiger ist es seitens der Kapitalgeber, auf die sachgerechte Ermittlung von Bonitätseinstufungen zu achten. Seitens der Finanzmittel nachfragenden Unternehmen sind die Faktoren, die das Ergebnis maßgeblich beeinflussen, im Blick zu behalten. Dazu gehören auch Fördermittel.


 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Nach der Begrüßung zur RMA-Konferenz Rating/Krisenmanagement vom 15.10.2026 in München durch Prof. Dr. Wolfgang Biegert und WP/StB Dieter Pape wurde auf die oft nicht hinreichend beachtete Verknüpfung von Rating und Krisenmanagement hingewiesen: Ein gutes Rating erleichtert die Kapitalaufnahme entscheidend. Als Beispiel für die Durchführung von Ratings wurde die Deutsche Bundesbank behandelt. Ein anderer Konferenzschwerpunkt lag auf dem Einfluss von Fördermaßnahmen auf Ratingergebnisse.

 

 

Lösung

 

1. Notenbankfähigkeit und Faktenblatt der Deutschen Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank ist mit ihrer Bonitätsanalyse (180 Vollzeitkräfte (!) wirken dort mit) in das EZB-System eingebunden. Kreditinstitute können Kreditforderungen ihrer Geschäftskunden als Sicherheiten hinterlegen.  Unternehmen werden im Hinblick auf ihre Notenbankfähigkeit zertifiziert und erhalten ein Faktenblatt. Das hat die Wirkung eines anerkannten Prädikatsurteils. Das Testat wirkt vertrauensbildend (offene Werbung ohne konkreten Finanzierungshintergrund ist aber nicht zulässig). Der Referent Alexander Ruiz Höhn (Referatsleiter Deutsche Bundesbank) informierte, dass eine Ausweitung der Abdeckung auf alle deutschen Großunternehmen geplant ist. Vorgenommen werden soll auch eine Nachhaltigkeitsanalyse für alle deutschen Unternehmen, die der EU-Richtlinie für Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD – Corporate Sustainability Reporting Directive) unterliegen. Auch Mittelständler können eine entsprechende Ratingeinstufung beantragen.

 

 

2. Einfluss staatlicher Fördermaßnahmen

Zum Einfluss staatlicher Fördermaßnahmen informierte Ludwig Gruber (Inhaber GH Kapital). Das Problem besteht darin, dass Fördermittel im Rating häufig falsch wirken. Förderinstrumente sind:

  • Eigenkapitalförderung (Kapitalpuffer, Rang und Laufzeit),
  • Subventionen,
  • Staatsbürgschaften und
  • Förderkredite (Finanzierungszugang verbessert sich).

Beispielsweise ergeben sich im Rahmen einer Beteiligungsfinanzierung deutlich verbesserte Kennzahlen. Im Rahmen der Ratingprüfung wird analysiert, wann aus der Beteiligung sog. echtes Eigenkapital wird. Geprüft werden Rangrücktritt, Laufzeit, Verzinsung, Kündigungsrechte und das Exit-Risiko.

Im Praxisfall 2 ging es um einen Investitionszuschuss und Subventionen. Bei einem Investitionsvolumen von z.B. 10 Mio. € und einem Zuschuss von 3 Mio. € verbessern sich Kennzahlen deutlich. Rückforderungsrisiken sollten besonders beachtet werden.

Weitere Praxisfälle betrafen Bürgschaften und ein staatlich gefördertes Fremdkapital. Im Ergebnis ergaben sich 4 Fälle mit 4 unterschiedlichen Ratingbotschaften (vgl. Tabelle).

 

 

 

Tab.: 4 Fälle mit 4 unterschiedlichen Ratingbotschaften (Quelle: Folie 18 der Vortragsunterlagen Gruber)

 

 

Gruber schlug als Praxisinstrument einen Fördermittel-Steckbrief für die Kreditakte vor: Rechtsqualität, Cashflow, Stressfähigkeit, Kapitalfähigkeit und insbesondere Krisenwirkungen. Ratingverzerrungen sind zu beachten. Fünf Regeln für die Ratingpraxis lauten:

  • instrumentenspezifisch analysieren,
  • PD und LGD trennen (PD = Probability of Default = Ausfallwahrscheinlichkeit; LGD = Loss Given Default = Verlustquote bei Ausfall),
  • Nachhaltigkeit prüfen,
  • Stressfall rechnen,
  • Wirkung dokumentieren.

Fördermittel verbessern die Ratingeinstufung nicht automatisch. Entscheidend ist, so Gruber, welches Risiko durch die Förderung tatsächlich reduziert wird. Nachweisbare und nachhaltige Wirkungen sind zu dokumentieren.

 

 

Praxishinweise:

  • Über weitere Themen der Konferenz (https://rma-ev.org/veranstaltungen/rma-konferenzen/rma-konferenz-rating-krisenmanagement-2026) wird demnächst berichtet:

    – Wie können sich Unternehmen auf Cybercrime, Hackerangriffe und Industriespionage vorbereiten und in der Krise handlungsfähig bleiben?

    – Warum gute Krisenpläne nicht genügen – wie Teams unter Druck wirklich handlungsfähig bleiben.

  • Ein aktuell besonders häufig in Anspruch genommenes Förderprogramm betrifft die E-Mobilität. Dazu informiert regelmäßig der 2010 gegründete Bundesverband Betriebliche Mobilität e.V. als Deutschlands größtes Netzwerk für betriebliche Mobilität, Fuhrparkmanagement und Mobilitätsmanagement in Unternehmen. So fand erst kürzlich eine Online-Konferenz dazu statt, wie die Elektrifizierung von Unternehmensflotten im Alltag gelingt. Bei electrive LIVE wurden am 21.10.2026 praxisnahe Einblicke zu Ladeinfrastruktur, Abrechnung und besonderen Einsatzflotten gegeben (Teilnahme war kostenfrei).

 

 

    Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

     

     

     

    BC 11/2026

    BC20261122

     

    Rubriken

    Anzeigen

    BC Newsletter

    beck-online Bilanzrecht PLUS

    Teilen

    Menü