Dr. Hans-Jürgen Hillmer
Beratungschancen zwecks Kompetenzaufbau

Besonders junge Menschen sind gründungsaktiv und sehen gute unternehmerische Chancen. Zugleich bestehen altersabhängige Unterschiede bei den Gründungsmotiven. Dies sind zentrale Ergebnisse im Länderbericht Deutschland 2025/26 des Global Entrepreneurship Monitor (GEM; Länderbericht zu Gründungsaktivitäten und -einstellungen), der am 17.9.2026 vom RKW Kompetenzzentrum vorgestellt wurde. Mit praxisnahen Angeboten können selbstständige Bilanzbuchhalter mehr denn je dazu beitragen, jungen Menschen ökonomisches Wissen und unternehmerische Kompetenzen zu vermitteln, um die Angst vor dem Scheitern abzubauen.
Praxis-Info!
Problemstellung
Dass trotz wirtschaftlich extrem instabiler Zeiten aktuell zunehmende Existenzgründungszahlen registriert werden, lässt die Frage aufkommen, warum das so ist. Um insoweit herauszufinden, was die neue Gründungsgeneration antreibt, wurde die sog. GEM-Studie (der Global Entrepreneurship Monitor) durchgeführt. Mit dem Länderbericht Deutschland 2025/26 liefert der GEM aktuelle Ergebnisse zu Gründungen in Deutschland sowie im internationalen Vergleich.
Lösungsaspekte
1. Altersabhängige Gründungsquoten
Laut aktuellen Ergebnissen des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) gründeten oder planten 23,4% der 18- bis 24-Jährigen im Jahr 2025 ein Unternehmen. Auch bei den 25- bis 34-Jährigen lag die Gründungsquote mit 22,2% auf einem hohen Niveau. Mit zunehmendem Alter nimmt die Gründungsaktivität deutlich ab: Bei den 55- bis 64-Jährigen lag sie nur noch bei 3,9%.
2. Je nach Altersgruppe unterschiedliche Gründungsmotive
Die Gründe für eine Unternehmensgründung unterscheiden sich zwischen den Altersgruppen. Während das Motiv, „großen Wohlstand oder sehr hohes Einkommen“ zu erreichen, bei den 18- bis 24-Jährigen sowie den 35- bis 44-Jährigen mit jeweils rund 73% an erster Stelle steht, folgt bei den jüngsten Gründerinnen und Gründern das Motiv, „den Lebensunterhalt zu verdienen, weil Arbeitsplätze selten sind“, mit 72,6%. Hingegen ist bei den 55- bis 64-Jährigen der ökonomische Aspekt der fehlenden Beschäftigungsmöglichkeiten das am häufigsten genannte Gründungsmotiv (65,4%). Das Motiv, mit der Gründung „die Welt zu verändern“, erreicht seinen höchsten Wert bei den 45- bis 54-Jährigen (64,1%). Aufgrund der aus anderen Studien bekannten Nachfolgeprobleme überrascht nicht, dass das Motiv, „eine Familientradition fortzuführen“, über alle Altersgruppen hinweg eine vergleichsweise geringe Rolle spielt.
3. Unternehmertum als Karriereoption
Die hohe Gründungsaktivität junger Menschen geht mit einer ausgeprägten Offenheit gegenüber unternehmerischen Karrieren einher. In Deutschland betrachten 69,9% der 18- bis 24-Jährigen und 71,8% der 25- bis 34-Jährigen die Gründung eines Unternehmens als erstrebenswerte berufliche Option. Auch die grundsätzliche Präferenz für unternehmerische Selbstständigkeit ist bei den Jüngeren besonders hoch: 72,4% der 18- bis 24-Jährigen würden unabhängig von ihrer derzeitigen Erwerbsform eine unternehmerische Tätigkeit gegenüber einer Beschäftigung im Angestelltenverhältnis bevorzugen. In den älteren Altersgruppen ist die Zustimmung deutlich niedriger und liegt zwischen 38% und 65%.
4. Fokussierung auf regionale Chancen gekoppelt mit Angst vor dem Scheitern
Auch bei der Einschätzung von Gründungschancen zeigen sich zwischen den Altersgruppen deutliche Unterschiede. Fast 95% der 18- bis 24-jährigen und rund 91,3% der 25- bis 34-jährigen Gründerinnen und Gründer sehen in ihrem regionalen Umfeld gute Möglichkeiten für eine Unternehmensgründung. Bei den 55- bis 64-Jährigen sind es deutlich weniger – nur 52,6%. Zugleich ist die Angst vor dem Scheitern gerade bei den Jüngsten besonders ausgeprägt: Fast 55% der 18- bis 24-jährigen Gründerinnen und Gründer geben an, dass die Angst vor dem Scheitern sie von einer Gründung abhalten würde. Ab einem Alter von 25 Jahren wird dieser Anteil deutlich geringer.
5. Wissensdefizite
Wenn auch jüngere Menschen besonders gründungsaktiv sein mögen, so ist doch zu vermerken, dass sie neben der mangelnden beruflichen Erfahrung große Wissensdefizite mitbringen, insbesondere hinsichtlich der Unternehmensführung. So geben lediglich 67,3% der 18- bis 24-jährigen Gründerinnen und Gründer an, über die notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen für eine Gründung zu verfügen. In den höheren Altersgruppen liegen die diesbezüglichen Zustimmungswerte bei den Gründerinnen und Gründern dagegen bei 85% oder höher.
- Die Studie wurde vom RKW Kompetenzzentrum in Kooperation mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen erstellt. Die am 17.9.2026 präsentierten Ergebnisse des GEM Deutschland 2025/26 verdeutlichen, dass die Motive und Potenziale von Gründerinnen und Gründern sich je nach Lebensalter stark unterscheiden. Während jüngere Menschen eine besonders hohe Gründungsneigung und eine optimistische Wahrnehmung von Gründungschancen aufweisen, verfügen sie häufig noch über weniger praktische Erfahrungen und unternehmerisches Wissen. Gleichzeitig ist bei ihnen die Angst vor dem Scheitern stärker ausgeprägt (mehr Informationen unter www.gem-deutschland.de).
- Die Studieninitiatoren leiten daher die Schlussfolgerung ab, dass der frühzeitigen Vermittlung unternehmerischer Kompetenzen eine wichtige Rolle zukommt. Praxisnahe Angebote können demnach dazu beitragen, jungen Menschen ökonomisches Wissen und unternehmerische Kompetenzen zu vermitteln, um die Angst vor dem Scheitern abzubauen – eine deutlichere Einladung für selbstständige Bilanzbuchhalter, sich auf dem Feld der Existenzgründungsberatung zu profilieren bzw. ihr Profil insoweit zu schärfen, kann es kaum geben.
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Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld
BC 10/2026
BC20261014