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Praxis der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD/ESRS: ESG-Factbooks

Christian Thurow

DRSC und Deloitte – Juli 2026

 

Das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) und das Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte haben in einer aktuellen Untersuchung die ESG-Factbooks, die von börsennotierten Unternehmen für das Geschäftsjahr 2025 veröffentlicht wurden, analysiert. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass für ESG-Factbooks und andere Zusatzveröffentlichungen derzeit weder regulatorische Vorgaben noch einheitliche Definitionen bestehen. Im Rahmen der Analyse handelt es sich bei ESG-Factbooks um eigenständige Dokumente, welche einen breiten Adressatenkreis (Investoren und andere) ansprechen und alle wesentlichen ESG-Dimensionen (Environmental, Social and Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) abdecken.

 


 

Praxis-Info!

Von den 119 untersuchten börsennotierten Unternehmen haben 49 (41%) ergänzende Dokumente zur Nachhaltigkeitsberichterstattung in Form von ESG-Factbooks veröffentlicht. Vor allem die Unternehmensgröße scheint hier ein Faktor zu sein. So lag die Veröffentlichungsquote von ESG-Factbooks bei DAX-Unternehmen bei 67%, während sie bei MDAX-Unternehmen nur 44% betrug. Bei SDAX-Unternehmen lag die Veröffentlichungsquote sogar nur bei 17%.

Die Studie zeigt auch einige interessante branchenspezifische Unterschiede. So werden ESG-Factbooks in den Branchen „Energieversorgung“ und „Immobilien“ von nahezu allen Unternehmen veröffentlicht, während im Finanzwesen lediglich 15% der untersuchten Unternehmen ein ESG-Factbook herausgegeben haben. Im Finanzwesen wurde – wenn überhaupt – auch lediglich ein ESG-Factbook veröffentlicht, während alle Unternehmen im Bereich der Basiskonsumgüter mehrere ESG-Factbooks publiziert haben.

Die ESG-Factbooks werden überwiegend im PDF-Format im Bereich „Nachhaltigkeit“ auf der Unternehmenshomepage bereitgestellt. Als Zielsetzung wird vor allem auf die Ergänzung des Nachhaltigkeitsberichts verwiesen. Hauptadressaten sind – nicht überraschend – ESG-Ratingagenturen. Die durchschnittliche Seitenzahl der ESG-Factbooks liegt mit 46 Seiten deutlich unter der durchschnittlichen Seitenzahl der Nachhaltigkeitsberichterstattung aus dem Geschäftsjahr 2025, welche bei 117 Seiten liegt.

Die Inhalte hängen dabei vor allem von der Kommunikationsstrategie des Unternehmens ab. Die meisten Unternehmen veröffentlichen sowohl zusätzliche Informationen zu Nachhaltigkeitsthemen, über die bereits im Nachhaltigkeitsbericht berichtet wird als auch Informationen zu Themen, welche nicht im Nachhaltigkeitsbericht behandelt werden.

 

 

Praxishinweise:

Bei der Interpretation der Studie ist die kleine Grundgesamtheit zu beachten. Lediglich 49 Unternehmen haben ein ESG-Factbook veröffentlicht. Wenn nun z.B. die „branchenspezifischen Unterschiede“ dargestellt werden, so werden diese 49 Unternehmen auf 10 Branchen aufgeteilt. In einigen Branchen dürften sich nur ein oder zwei Unternehmen befinden, sodass Aussagen wie 50% oder 100% im Grunde genommen nicht aussagekräftig sind.

Zu beachten ist auch: Nur wenige ESG-Factbooks sind einer externen Prüfung unterzogen worden. Die Qualität der Informationen hängt hier also stark von den unternehmensinternen Prozessen und Zielsetzungen ab. Dass es sich bei dem Hauptadressatenkreis um ESG-Ratingagenturen handelt, macht deutlich, welches Gewicht einem solchen Rating mittlerweile beigemessen wird.

 

Christian Thurow, Dipl.-Betriebsw. (BA), Senior Risk Manager, London (E-Mail: c.thurow@thurow.co.uk)

 

 

 

BC 9/2026

BC20260903

 

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