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Neue Spielregeln – Kapital, Krisen, Konvergenz

Dr. Hans-Jürgen Hillmer

Wächst zusammen, was zusammengehört?

 

Kapital und Krise wachsen ebenso zusammen wie Kapital und unternehmerischer Umbruch. Ob Restrukturierung oder Transformation – beides erfordert tragfähige Finanzierungslösungen, belastbare Strukturen und den Mut, neue Spielregeln nicht nur zu diskutieren, sondern konsequent anzuwenden.



 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Die Märkte befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel – geprägt von verändertem Konsumverhalten und wachsendem Wettbewerbsdruck. Dies wurde kürzlich anlässlich eines Restructuring & Corporate Finance Forums mit mehr als 600 Teilnehmern in München deutlich, das von der Beratungsgesellschaft Wieselhuber & Partner (W&P) ausgerichtet wurde. In seinem Vortrag „Deutschland in der neuen Weltwirtschafts(un-)ordnung“ beschrieb Prof. Dr. Moritz Schularick (Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft) den tiefgreifenden Wandel der internationalen Wirtschaftsordnung als Wechsel in ein neues Betriebssystem der Weltwirtschaft. In einer hochgradig globalisierten Welt könnten wirtschaftliche und politische Asymmetrien zunehmend strategisch ausgenutzt werden. Er forderte das Zusammenwachsen zu einem geeinten Europa.

Im Anschluss an ein persönliches Gespräch mit dem Verfasser (siehe Foto) widmete sich Peer Steinbrück, Bundesfinanzminister a.D., in seiner abendlichen Keynote den geopolitischen und wirtschaftspolitischen Folgen einer zunehmend multipolaren Welt. „Wir müssen den Wandel von einer Misstrauens- zu einer Vertrauenskultur schaffen. Dazu gehören mehr Entscheidungs- und Abweichungskompetenzen, der Abbau von Bürokratie, Anreize für Innovation sowie eine Fehlerkultur, die Fehler zulässt und gleichzeitig deren Korrektur ermöglicht.“ Mit Blick auf den Wirtschaftsstandort Deutschland betonte er außerdem: „Der Restrukturierungsbedarf erstreckt sich nicht nur auf Politik und Staatsverwaltung, sondern auch auf die Unternehmen! In vielen Bereichen sind wichtige Investitionen verschlafen worden.“

 

 

Dr. Hillmer im Gespräch mit Peer Steinbrück

 

 

Einige Schlaglichter zu dieser Veranstaltung und der Blick auf eine zeitgleich veröffentlichte Management-Studie zeigen Ansatzpunkte auf, was nun zu tun ist, um den Steinbrück-Appell umzusetzen.

 

 

Lösung

Die W&P-Gastgeber Volker Riedel, Eva Ringelspacher und Philippe Piscol hatten schon zur Eröffnung der Veranstaltung zentrale Einsichten dahingehend beschrieben, dass Kapital, Krise und unternehmerischer Umbruch in einem Gesamtkonzept betrachtet werden sollten. Eva Ringelspacher appellierte: „Ob Restrukturierung oder Transformation – beides erfordert tragfähige Finanzierungslösungen, belastbare Strukturen und den Mut, neue Spielregeln nicht nur zu diskutieren, sondern konsequent anzuwenden.“

Speziell aus Handelssicht wurden in einem Panel mit Bernd Beetz (Eigentümer Galeria), Stefan Denkhaus (Partner bei BRL Boege Rohde Luebbehuesen) und Lothar Hiese (geschäftsführender Partner bei MSP Management Support Partners) unter der Moderation von Dr. Hubertus Bartelheimer (Mitglied der Geschäftsleitung bei der die Veranstaltung ausrichtenden Beratungsgesellschaft Wieselhuber & Partner (W&P)) die neuen Anforderungen an attraktive Innenstädte thematisiert. Noch besteht die Zuversicht, dass der stationäre Handel Zukunft hat. Entscheidend ist die Konvergenz von Innenstadtentwicklung, Immobilienstrategien und innovativen Handelskonzepten, die attraktive, erlebnisorientierte Innenstädte schafft.

Andreas Pleßke (Koenig & Bauer AG), Robert Schäfer (CEO der RTC | Management & Sports) und Ralph Wiegand (ehem. Bereichsvorstand der Deutschen Post AG) diskutierten im Panel „Krisen erfolgreich meistern – die C-Level Perspektive“ mit W&P-Partner Daniel Emmrich die Voraussetzungen erfolgreicher Transformationen. Gerade Krisen eröffnen demnach den notwendigen Handlungsspielraum, um tiefgreifende Veränderungen umzusetzen. Im Mittelpunkt standen eine konsequent verfolgte Strategie, Umsetzungsgeschwindigkeit und Führung mit operativer Nähe. Entscheidend sind dabei nicht allein Kostensenkungen, sondern vor allem ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell und eine klare strategische Zielsetzung.

Im Panel „Das Sanierungsfähigkeitskriterium: Impulse aus der Praxis“ diskutierten Dr. Jörn Kowalewski (Partner Willkie Farr & Gallagher LLP), Philipp Schuller (Partner RTGroup) mit W&P-Partner Matthias Müller die Voraussetzungen erfolgreicher Sanierungen. Einigkeit bestand darin, dass sich Sanierungsprozesse durch multiple Krisen und langwierige Refinanzierungen zunehmend verlängern können. Neben operativer Exzellenz brauche es deshalb vor allem Mut zu klaren Entscheidungen: Welche Geschäftsbereiche und Assets sind langfristig erhaltenswert – und was bildet den nachhaltigen Kern des Unternehmens?

 

 

Praxishinweise:

  • Zusammenfassend gesehen müssen sich Unternehmen der Realität stellen, dass neue Spielregeln auf globaler, wirtschaftlicher und unternehmerischer Ebene zu beachten sind. Das W&P Restructuring & Corporate Finance Forum zeigte: Wer in diesem Umfeld bestehen will, benötigt strategische Klarheit, belastbare Finanzierungskonzepte und den Mut, neue Wege konsequent zu gehen (mehr siehe unter https://www.wieselhuber.de/mitteilung/-/1610/).
  • Inwieweit die Unternehmen dahingehend schon Fortschritte gemacht haben bzw. vor großem Nachholbedarf stehen, vermittelt der Einblick in eine wenige Tage später am 7.7.2026 veröffentlichte KPMG-Studie zu den Top-Trends deutscher Unternehmen: Künstliche Intelligenz und digitale Technologien stehen 2026 ganz oben auf der Agenda deutscher Unternehmen. Mit dem technologischen Wandel wächst zugleich auch die Bedeutung von Cybersecurity. Gleichzeitig rücken Themen wie Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit stärker in den Fokus, mehr dazu im BC-Newsletter vom 23.7.2026.

 

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 8/2026

BC20260819

 

 

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