CHB_RSW_Logo_mit_Welle_trans
JuS_Logobasis_Linsenreflex
Menü

Integrated Reporting als Fundament der Unternehmenssteuerung

Dr. Hans-Jürgen Hillmer

Ablösung von Datensilos mittels integrierter Berichterstattung

 

Nur wenige Unternehmen leiden heute unter einem Mangel an Daten – viele haben aber Defizite hinsichtlich steuerungsrelevanter Informationen. Offenbar haben sich Reporting-Volumen und Entscheidungsqualität entkoppelt. Als Ausweg ist eine integrierte Berichterstattung, das sog. Integrated Reporting, ein vielversprechendes Konzept – aber nur, wenn sie bzw. es konsequent am Informationsbedarf der Entscheidungsträger ausgerichtet wird.


 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

In den meisten Unternehmen liegen umfangreiche Daten vor, die nach Ländern, Funktionen oder Systemen organisiert sind. Auf Gruppenebene entstehen daraus Informationsinseln: lokal aussagekräftig, in der Konsolidierung jedoch ohne belastbare Steuerungsgrundlage. So sehen es die Mittelstandsberater der Rödl-Gruppe, die festgestellt haben, dass Vertriebs-, Produktions-, HR- (Human Resource; Personalwesen) und ESG-Daten jeweils eigenen Logiken, Definitionen und Stichtagen folgen. Besonders ausgeprägt zeigt sich dieses Muster in international gewachsenen Familienunternehmen, in denen heterogene (unterschiedliche) Systemlandschaften, unterschiedliche Reifegrade der Tochtergesellschaften und fehlende konzernweite Standards die Steuerung zusätzlich erschweren.

 

 

Lösung

Vor diesem Hintergrund empfehlen die Reportingexperten Jens Hinkelmann, Dr. Christian Maier und Markus Mainka-Klein (Rödl-Partner in Nürnberg, Stuttgart und München) das Integrated Reporting als ein „Must Have“ für Finanzchefs in einem am 24.6.2026 erschienenen Beitrag.

Ausgangspunkt ihrer Problemanalyse ist das Auftreten von Datensilos. Als Problemlösung liefert die Integrierte Berichterstattung (das Integrated Reporting) die Informationsbasis für die Entscheidungen des Top-Managements. Risikofrüherkennung, finanzielle Steuerungsgrößen und wesentliche ESG-Kennzahlen werden in einem konsistenten Rahmen zusammengeführt – vom operativen CFO-Cockpit bis zur Risikoberichterstattung an den Aufsichtsrat oder vergleichbare Organe. Die gleiche Datengrundlage trägt damit interne Steuerung, externe Berichterstattung und Kommunikation gegenüber Kapitalgebern. Das schafft Konsistenz (Widerspruchsfreiheit) nach innen wie nach außen und reduziert den Aufwand paralleler Datenwelten erheblich.

Den entscheidenden Perspektivwechsel beschreibt das oben genannte Experten-Trio so: Managemententscheidungen folgen strategischen Fragen, nicht nationalen Reporting-Zyklen. In dieser Perspektive schafft das Integrated Reporting länder- und gesellschaftsübergreifende Vergleichbarkeit, macht finanzielle und nicht-finanzielle Risiken sichtbar und ermöglicht eine konsistente Sicht auf Performance (Leistungsfähigkeit) und Szenarien. Aus isolierten Kennzahlen werden Managementinformationen, die tatsächlich tragfähig sind – auch in Stresssituationen, in denen schnelle Entscheidungen auf belastbarer Datenbasis getroffen werden müssen.

Bei der technologischen Umsetzung ist den Rödl-Experten der Hinweis auf die sog. Twin Transformation – die parallele Entwicklung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit – wichtig. Sie macht deutlich, dass Finanz- und ESG-Berichterstattung (Environmental, Social and Governance; Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). künftig nicht mehr getrennt gedacht werden können. Investitionen in Daten- und Berichtsarchitektur sind damit keine reine IT-Frage mehr, sondern strategische Entscheidungen mit unmittelbarer Wirkung auf Steuerungsfähigkeit und Kapitalkosten.

 

 

Praxishinweise:

  • Insgesamt gesehen wird deutlich, dass für CFOs die integrierte Berichterstattung weit mehr als ein Reporting-Thema herkömmlicher Art ist. Sie wird zum zentralen Instrument, um in einem volatilen (schwankungsanfälligen) Umfeld Steuerungsfähigkeit, Kapitalmarktkommunikation und regulatorische Compliance (Einhaltung der Vorschriften) in Einklang zu bringen – und damit auch zur ausschlaggebenden Voraussetzung dafür, dass die Finanzfunktion ihrer wachsenden strategischen Verantwortung gerecht wird.
  • Zum Beitrag siehe unter https://www.roedl.com/insights/integrated-reporting-cfo-must-have/  (siehe auch im Wirtschaftsmagazin „Entrepreneur“, Ausgabe 2026).
  • Die Rödl-Experten weisen u.a. auch darauf hin, dass Transparenz Resilienz (Widerstandsfähigkeit) schafft: Gerade in einem von geopolitischen Spannungen, volatilen Lieferketten, Zins- und Energiepreisschwankungen sowie von einer regulatorischen Dynamik geprägten Umfeld werde Transparenz zum entscheidenden Resilienzfaktor. Wer Risiken früh erkennt, Wirkungszusammenhänge versteht und Szenarien belastbar durchrechnen kann, handelt souveräner – bereits in der Phase, in der sich Handlungsspielräume noch aktiv gestalten lassen. Integrierte Berichterstattung verkürzt die Distanz zwischen Signal und Entscheidung und ermöglicht es dem Top-Management, Veränderungen frühzeitig in Steuerungsimpulse zu übersetzen.
  • Die auch anderweitig zunehmend geforderte Resilienz (siehe den Beitrag der Wieselhuber-Experten Artelt/Gottinger im BC-Newsletter vom 8.1.2026, vgl. ferner den Beitrag des Verfassers „Zufall, Ratings und Extremereignisse – Die Beherrschung von Ungewissheit in einer komplexen Welt: Resilienzstärkung als das Mittel der Wahl“, siehe BC-Newsletter vom 31.10.2025) kann so zu einer planbaren Eigenschaft der Organisation werden – getragen von belastbaren System-Informationen statt vom Erfahrungswissen einzelner Personen.

 

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

BC 8/2026

BC20260803

 

 

Rubriken

Anzeigen

BC Newsletter

beck-online Bilanzrecht PLUS

Teilen

Menü