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M&A: Wandel von Transaktionsprozessen durch KI

Dr. Hans-Jürgen Hillmer

Folgen für die Unternehmensbewertung

 

Mit dem zunehmenden Einsatz von KI befindet sich der M&A‑Markt in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Neue Tools, die vor wenigen Jahren noch als experimentelle Ergänzung galten, entwickeln sich zu einem festen Bestandteil professioneller Vorbereitung von Zu-/Verkäufen. Der M&A-Sektor muss sich daher insgesamt auf strukturelle Anpassungen einstellen, die u.a. die Geschwindigkeit von Transaktionen, die Qualität der Entscheidungsgrundlagen sowie die Bewertungsparameter maßgeblich beeinflussen werden.


 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Der Einsatz generativer KI ist zwar aktuell im M&A‑Sektor (M&A = Mergers & Acquisitions, insbesondere Verkauf/Zukauf von Unternehmen bzw. Unternehmensteilen) in einer vergleichsweise noch frühen Umsetzungsphase. Allerdings befinden sich viele Organisationen in Pilotprojekten oder bereiten sich auf eine breitere Einführung vor. Dies führt zu einer Übergangssituation: Akteure, die KI bereits heute strategisch einsetzen, verschaffen sich einen deutlichen Wissens‑ und Geschwindigkeitsvorsprung. Mittelfristig wird sich – so erwarten es die M&A-Experten Benedikt Imbusch und Jannik Brinkmann (PKF WMS GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Osnabrück) – der KI-Einsatz jedoch zu einer grundlegenden Voraussetzung für eine professionelle Transaktionsanalyse entwickeln – vergleichbar mit der Einführung digitaler Datenräume. Die von Imbusch/Brinkmann im PKF Magazin 06/2026 (siehe unter www.pkf-fasselt.de) vorgestellten Lösungsansätze werden mit einem Ausblick auf die Konsequenzen für Unternehmensbewertungen nachfolgend skizziert.

 

 

Lösung

 

1. Der Einfluss von KI auf den Transaktionsprozess

Zu den deutlichsten Einsatzvorteilen zählt die drastische Reduktion manueller Recherchearbeit. Beispielsweise können Informationen, die früher aus Handelsregister, Bundesanzeiger, Branchenreports und internen Systemen mühsam zusammengesucht werden mussten, heute durch KI‑basierte Tools innerhalb weniger Minuten aggregiert (verdichtet) und analysiert werden.

Dies ermöglicht auf der Basis einer erheblich schnelleren Informationsaufbereitung für Käufer, dass sie

– über eine breitere und objektivere Datenbasis verfügen,

– eine schnellere Qualifizierung potenzieller Zielobjekte vornehmen können und

– darüber hinaus eine frühzeitigere Identifikation zusätzlicher Übernahmeoptionen erreichen können.

Dabei wird sich der Einsatz menschlicher Expertise stark verändern: Hier verschiebt sich der Fokus auf weniger Zeit für Fleißarbeit und mehr Zeit für Interpretationen, strategische Bewertung und Verhandlungsvorbereitung.

Für die Verkäuferseite steigt dadurch gleichzeitig der Druck, die Datenqualität zu verbessern. Unternehmen, deren Prozesse und Reportingstrukturen nicht sauber dokumentiert oder digitalisiert sind, geraten zunehmend ins Hintertreffen.

 

 

2. KI-Tools mit klaren Anwendungsvorteilen

Für die Nutzung entsprechender KI‑Funktionen halten schon allgemeine Systeme wie Microsoft Copilot oder Google Gemini viele Möglichkeiten bereit. Darüber hinaus existieren jedoch auch speziell auf M&A-Prozesse ausgerichtete KI-Lösungen, die deutlichere Fortschritte in Qualität und Effizienz versprechen. Als Beispiel hierfür nennen Imbusch/Brinkmann das Tool „Rogo“ des gleichnamigen US-amerikanischen Unternehmens. Es handelt sich um eine spezialisierte KI‑Plattform u.a. für Finanz- und M&A‑Professionals, die in vollständig getrennten, dedizierten Umgebungen betrieben wird und generative KI, Finanzdatenintegration und Workflow‑Automatisierung kombiniert. Die Plattform ist darauf ausgelegt, klassische M&A‑ und Investment‑Banking‑Prozesse erheblich zu beschleunigen und qualitativ zu verbessern, indem Arbeitsschritte wie die Erstellung von Finanzmodellen, Unternehmensprofilen und Marktanalysen, die Vorbereitung von Meetings oder das Dokumentenscreening automatisiert werden.

 

 

3. Veränderter Blick auf Unternehmensbewertungen

Eine der weitreichendsten Entwicklungen zeigt sich bei der Bewertung von Unternehmen. Die Frage lautet zunehmend nicht mehr nur: Wie profitabel ist das Unternehmen heute? Sondern vielmehr: Wie zukunftsfähig ist sein Geschäftsmodell im Zeitalter der KI?

Unternehmen, die KI sinnvoll in Prozessen und Produkten integrieren, werden damit zu attraktiveren Zielobjekten. Das bedeutet auf der anderen Seite aber auch, dass eine neue Form des Bewertungsabschlags für Unternehmen droht, die technologisch zurückfallen oder deren Geschäftsmodell durch KI gefährdet ist: Diese könnten an Wert verlieren, obwohl die aktuelle Zahlenlage stabil erscheint. Diese Verschiebung verändert auch die Due-Diligence-Schwerpunkte (Due Diligence: sorgfältige Prüfung). Neben klassischen finanziellen und rechtlichen Themen rücken Datenqualität, Digitalisierungsgrad und KI-Kompetenz stärker in den Vordergrund.

 

 

Praxishinweise:

  • Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass Künstliche Intelligenz das M&A‑Geschäft schon verändert hat und weiter umfassend verändern wird: Sie beschleunigt Prozesse, erweitert die Analysebreite und führt zu neuen Bewertungslogiken. Dabei bleibt der Mensch als strategisch und analytisch denkende Instanz unverzichtbar. Unternehmen, die KI frühzeitig in ihre M&A‑Prozesse integrieren, werden künftig klare Vorteile erzielen.
  • Allerdings ist laut Imbusch/Brinkmann auch Vorsicht angesagt: Trotz der positiven Dynamik warnen Experten auch vor einer möglichen KIÜbertreibung. Viele Technologiekonzerne sind hoch bewertet und ein Rückgang dieser Bewertungen könnte auch den M&A‑Markt beeinflussen, insbesondere bei Finanzierungsbedingungen und Multiples in technologiegetriebenen Segmenten.
  • Wer sich speziell für den Private-Equity-Bereich vertiefend mit der Materie beschäftigen möchte, findet eine aktuelle Studie hier: https://www.fticonsulting.com/insights/reports/2026-private-equity-ai-radar (mehr dazu demnächst).

 

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 7/2026

BC20260715 

 

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