2024: Mehr Gewalt, weniger Kriminalität insgesamt
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Die allgemeine Kriminalität geht zurück, doch es gibt mehr Gewalttaten. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik für das vergangene Jahr hervor. Innenministerin Faeser lobt indes Gegenmaßnahmen aus ihrer Amtszeit.

Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 5,84 Millionen Straftaten erfasst. Diese Zahl haben Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), der diesjährige Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Ulrich Mäurer, und der Chef des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2024 bekannt gegeben.

Insgesamt ist die Zahl der erfassten Straftaten demnach im Vergleich zum Vorjahr um 1,7% gesunken. Maßgeblich für diese Entwicklung sei die Teillegalisierung des Besitzes und Anbaus von Cannabis seit dem 1. April 2024, heißt es in einer Mitteilung des Innenministeriums. Die Aufklärungsquote liegt laut Statistik für alle Straftaten bei 58%, was einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr bedeutet.

Gewaltkriminalität leicht gestiegen

Die Fallzahlen der Gewaltkriminalität sind im letzten Jahr um 1,5% auf 217.277 Fälle gestiegen. Besonders auffällig ist dabei laut Münch der steigende Anteil an tatverdächtigen Kindern und Jugendlichen. Während die Zahl der tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen insgesamt – gegenüber einem starken Anstieg der vergangenen Jahre – rückläufig sei, verzeichne die Statistik bei Gewaltdelikten einen höheren Anteil als im Vorjahr. Einen möglichen Grund dafür sieht Münch in den Belastungen durch die Corona-Maßnahmen, die speziell bei dieser Altersgruppe anhielten.

Messerangriffe machen laut PKS bundesweit 7,2% aller Fälle der Gewaltkriminalität aus. Bundesinnenministerin Faeser betonte bei der Vorstellung, dass gerade gegen Gewalt mit Messern bereits stärkere Maßnahmen als in der Vergangenheit ergriffen worden seien: "Die von uns eingeführten Messerverbote greifen jetzt auf öffentlichen Veranstaltungen, Festen, in Verkehrsmitteln und an vielen anderen Orten – und können anlasslos kontrolliert und durchgesetzt werden."

Für die Bekämpfung von Gewaltkriminalität brauche es einen gezielten und ganzheitlichen Ansatz, betonte Mäurer. Deswegen habe sich die Innenministerkonferenz im Januar darauf geeinigt, für eine bundesweite Vernetzung zwischen Sicherheits-, Gesundheits- und ggf. Ausländer- und Waffenbehörden zu sorgen.

Faeser: Brauchen mehr Schutz und Hilfe für Frauen

Einigkeit besteht auch bei dem Vorhaben, ein stärkeres Schutz- und Hilfesystem für Frauen zu etablieren. "Besonders besorgniserregend" nannte Faeser die Zunahme bei Vergewaltigungen, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffen. "Wir brauchen ein stärkeres Schutz- und Hilfesystem für Frauen. Und wir brauchen endlich die elektronische Fußfessel, damit sich Täter bedrohten Frauen nicht mehr unbemerkt nähern können", so Faeser. Der Schutz von Frauen vor Gewalt müsse auch für die nächste Bundesregierung eine zentrale Aufgabe sein. Mit dem neuen Gewalthilfegesetz sollen Frauen zudem einen kostenfreien Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung haben.

Auch die Zahl der Tatverdächtigen ohne deutsche Staatsbürgerschaft ist im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,3% angestiegen. Insgesamt handelt es sich um über ein Drittel aller Tatverdächtigen. Es brauche nun nicht nur eine konsequente Strafverfolgung, sondern auch konsequente Abschiebungen, so Bundesinnenministerin Faeser. Die Länder und Kommunen hätten mit gesetzlichen Änderungen zusätzliche Instrumente erhalten, um diese Vorhaben effektiv durchzusetzen. Unter anderem sind Abschiebungen leichter möglich.

Redaktion beck-aktuell, kw, 2. April 2025.

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