Studieren im Ausland: Wenn nicht jetzt, wann dann?
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Lehrbücher wälzen sich besser unter Sonne und Palmen, in den Bergen oder doch in einer Megacity? Ein Auslandsaufenthalt im Studium reizt viele Studierende. Vom Sprachkurs über Stipendien bis zur Wohnungssuche: Wie man das Auslandsstudium organisiert, hat sich Pauline Brinkmann angeschaut.

Häufig sind es die Geschichten von Kommilitoninnen und Kommilitonen oder Vorträge an der Universität, die den ersten Impuls geben. Die Sehnsucht nach neuen Erfahrungen, das Bedürfnis, andere Kulturen kennenzulernen, oder der Wunsch "einfach mal rauszukommen", führt dann zur endgültigen Entscheidung. Denn Auslandsaufenthalte prägen, mit den Sonnen- wie den Schattenseiten. Im Jahr 2022 studierten rund 138.800 Deutsche im Ausland. Doch wie organisiert man sein Auslandsstudium? Was gilt es unbedingt zu beachten und welche Fallen sollte man am besten schon vorher kennen?

Mehr als ein Plus im Lebenslauf

Ein Auslandsstudium bietet weit mehr als spontane Strandbesuche zwischen den Vorlesungen oder Kletterabenteuer am Wochenende. Es ist auch eine gute Gelegenheit, um eine neue Sprache zu lernen oder vorhandene Sprachkenntnisse auf ein neues Level zu heben. Das verschafft nicht nur auf dem Arbeitsmarkt einen klaren Vorteil, sondern erleichtert auch den Austausch mit Menschen aus anderen Kulturen, im Beruflichen wie im Sozialen. Nicht nur Arbeitgebende lieben einen Auslandsaufenthalt im Lebenslauf – auch für viele andere Lebensbereiche zahlt sich diese Erfahrung aus.

Der wahre Schatz liegt in den Erfahrungen, die man macht, mit anderen und allein. Er liegt in den Dingen, die man fernab von zu Hause über sich selbst lernen kann. In einem anderen Land zu studieren bedeutet, die Welt aus neuen Blickwinkeln zu sehen – sei es durch unbekannte Lehrmethoden, inspirierende Gespräche oder das Eintauchen in die lokale Lebensweise. Man kann entdecken, wie Juristinnen und Juristen in anderen Ländern arbeiten, und wer weiß, vielleicht eröffnet sich durch die dort gewonnenen Kontakte nicht nur die Möglichkeit, im nächsten Urlaub bei einem ehemaligen Kommilitonen auf der Couch zu schlafen, sondern auch der Einstieg in den Traumjob.

Der richtige Zeitpunkt

Zu Beginn der Planung sollten sich Studierende die Frage stellen, wann der ideale Zeitpunkt für einen Auslandsaufenthalt ist. Im Jurastudium bietet sich der Zeitraum nach den Zwischenprüfungen oder während des Schwerpunkts an. Der richtige Moment hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab und sollte individuell überlegt werden. Wer sich zum Beispiel für ein Stipendium bewerben möchte, sollte sich im Vorfeld über die Anforderungen informieren. Oft werden diese erst ab einem bestimmten Semester verliehen, ein bestimmtes Alter darf nicht überschritten sein oder die Stipendiaten müssen bereits konkrete Prüfungsleistungen erbracht haben.

Außerdem verlangt die gewünschte Universität im Ausland manchmal, dass spezielle Studienleistungen – zum Beispiel die Zwischenprüfungen – bereits erbracht worden sind. In der Regel informieren die Gastuniversitäten über solche Formalia auf ihren Websites, viele haben eigens dafür eingerichtete Koordinierungsbüros, die Informationen auch mehrsprachig anbieten.

Wie viel Fremdsprachenkenntnisse braucht es?

Doch wie organisiert man einen Auslandsaufenthalt am besten? Zunächst gilt es, die richtige Universität zu finden, die den eigenen Bedürfnissen und Zielen entspricht. Dabei sind die Koordinierungsbüros der Fakultäten eine wertvolle Unterstützung. Sie helfen Studierenden nicht nur bei der Planung, sondern beraten auch bereits im Vorfeld, um den Auslandsaufenthalt möglichst reibungslos zu gestalten.

Besonders wichtig ist es, die Sprachanforderungen des gewünschten Gastlands zu prüfen, da eine Bewerbung für ein Erasmus-Programm oft ein bestimmtes Sprachlevel in der Unterrichtssprache erfordert. Man sollte seine Traumdestination jedoch nicht voreilig wegen mangelnder Sprachkenntnisse aufgeben. Oft besteht die Möglichkeit, vor Ort Sprachkurse zu belegen.

Wer trotzdem nicht das große Sprachtalent ist, sollte sich nach deutschsprachigen Optionen umschauen. Hier lohnt sich zum Beispiel ein Blick in die Schweiz, genauer nach Lausanne. Die Université de Lausanne bietet seit 1886 den einzigen Lehrstuhl für Deutsches Recht außerhalb Deutschlands an. Das bedeutet für deutsche Gaststudierende, dass sie dort die großen Scheine im Zivilrecht und im Öffentlichen Recht ablegen und sich diese im Anschluss an ihrer Heimatuniversität anrechnen lassen können.

Die Finanzierung: Stiftungen, Stipendien, Stellenanzeigen

Ist die Entscheidung für die bevorzugte Hochschule getroffen, sollte man sich schnellstmöglich um die Finanzierung kümmern. Für viele Studierende stellen die Kosten eine große Herausforderung dar und können im schlimmsten Fall sogar zum Hindernis werden. Doch mit einer frühzeitigen Planung lassen sich viele finanzielle Hürden überwinden. Neben Erasmus bieten zahlreiche Universitäten auch weitere Förderprogramme wie das Promos-Stipendium des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) oder das Swiss-European Mobility Programme an.

Zudem gibt es eine Vielzahl an Stiftungen – sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Ausrichtung –, die Auslandsaufenthalte unterstützen. Hierbei zählen nicht nur gute Leistungen, sondern oft auch ein gewisses Engagement außerhalb des klassischen Studienalltags.Wer sich für ein Stipendium bewerben möchte, sollte zudem bedenken, dass einige Programme eine längere Vorlaufzeit erfordern. Daher ist es ratsam, frühzeitig alle erforderlichen Unterlagen wie Zulassungsbescheinigungen oder Sprachnachweise bereitzuhalten.

Neben den traditionellen Fördermöglichkeiten lohnt es sich auch, nach flexiblen Jobangeboten zu suchen. Immer mehr Kanzleien suchen Studierende für Recherchetätigkeiten oder andere Aufgaben – und das oft ohne die Notwendigkeit, im Büro präsent zu sein. Eine gute Anlaufstelle hierfür sind Plattformen wie Talent Rocket, die speziell Remote-Jobangebote bieten. Es kann sich auch lohnen, direkt bei Kanzleien oder Unternehmen anzufragen, ob sie studentische Mitarbeiter für Remote-Arbeiten suchen. Oft ist diese Arbeitsweise für Kanzleien sogar vorteilhaft, da sie keine Büroplätze bereitstellen müssen.

Die Versicherung nicht vergessen

Wenn es um Auslandsaufenthalte geht, kann man das Thema Versicherung gar nicht ernst genug nehmen. Was noch so langweilig klingen mag, ist im Fall der Fälle unverzichtbar für den Geldbeutel und die Gesundheit. Die meisten Krankenversicherungen bieten für das außereuropäische Ausland keinen direkten Schutz, weshalb man unbedingt eine Auslandsversicherung abschließen sollte. Diese Zusatzversicherungen sind im Vergleich zu den möglichen Kosten, die bei einem Rücktransport oder einer Behandlung im Ausland anfallen, relativ günstig. Innerhalb der EU haben gesetzlich Versicherte die Möglichkeit, mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) europaweit medizinische Leistungen zu erhalten.

Es ist jedoch wichtig, beim Arztbesuch im Ausland darauf zu achten, welche Ärzte die Karte akzeptieren, da einige Praxen diese nicht direkt abrechnen und ihre Leistungen – ohne Zusatzversicherung – in Deutschland nur teilweise erstattet werden. Eine gute Informationsquelle ist die Webseite des Auswärtigen Amtes, auf der man nach deutschsprachigen Ärzten im Ausland suchen und sich über die Zahlungsmodalitäten informieren kann. Hier lassen sich je nach Land und Fachgebiet die passenden Ärztinnen und Ärzte finden.

Wohnungssuche: Von WG bis Wohnheim

Hat die Gastuniversität den Studienplatz erst bestätigt, gilt es, sich an die Planung des Lebens vor Ort zu setzen. Mag ein Auslandsaufenthalt einem auch wie Urlaub vorkommen, so ist er es in puncto Organisation gewiss nicht. Es gibt einige wichtige Dinge, die im Vorfeld beachtet werden müssen, und ganz oben auf der To-Do-Liste steht die Wohnungssuche.

Gerade im Ausland kann diese oft eine Herausforderung sein. Besonders wichtig ist es bei der Online-Suche, sich vor Fake-Inseraten zu schützen, die gerade Gaststudierenden häufig angeboten werden. Am besten vermeidet man solche Fallen, indem man die Wohnung oder das Zimmer vorab persönlich besichtigt oder, wenn möglich, jemanden aus dem eigenen Umfeld bittet, die Besichtigung zu übernehmen. Falls das nicht möglich ist, sollte man zumindest versuchen, ein Foto des Ausweises des Vermieters zu erhalten, um dessen Identität zu überprüfen. Zudem kann es hilfreich sein, in Facebook- oder WhatsApp-Gruppen nachzufragen, ob jemand bereits Erfahrungen mit dem Vermieter oder der Agentur gemacht hat.

Stichwort Agenturen: Im Ausland gibt es viele spezialisierte Anbieter für Austauschstudenten, die Wohnungsangebote vermitteln, wie zum Beispiel Spot a Home, Housing Anywhere oder Uniplaces. Der Vorteil dieser Plattformen liegt in der Sicherheit, dass Kautionen oder Vorauszahlungen nicht einfach verschwinden, da sie an die Agentur und nicht direkt an den Vermieter gezahlt werden. Nachteilig sind jedoch die oft hohen Gebühren, die für die Buchung anfallen und in der Regel zwischen 300 und 500 Euro liegen.

Gute Anlaufstellen sind natürlich auch immer Uni-eigene Wohnheime. Viele haben ein festes Kontingent an Zimmern für ausländische Studierende. Außerdem kann man sich auch mit ehemaligen Gaststudenten vernetzen, die das Land wieder verlassen und oft Nachmieter für ihr WG-Zimmer suchen.

Das Leben vor Ort

Ist man erst einmal im Gastland angekommen, heißt es: Einleben! Doch wie findet man sich an der neuen Uni zurecht? Besonders zu Beginn eines neuen Semesters werden oft zahlreiche Veranstaltungen für internationale Studierende organisiert. Der Hauptveranstalter ist meistens das Erasmus Student Network oder der jeweilige Fachbereich. Hier ist es wichtig, sich rechtzeitig über die Termine und Orte der Kennenlernveranstaltungen zu informieren, denn diese bieten, ähnlich wie die Ersti-Woche, eine tolle Gelegenheit, neue Freunde zu finden. Schließlich sitzen alle im gleichen Boot – jede und jeder sucht Anschluss und möchte die Erlebnisse der kommenden Monate mit Freunden teilen. Wann und wo die Events stattfinden, wird meist über die Universität oder über Social Media kommuniziert.

Eine weitere gute Möglichkeit, sich schnell zurechtzufinden, ist die Teilnahme an einem sogenannten Buddy-Programm. Dabei wird einem ein "Buddy" zugeteilt, der bei alltäglichen Problemen hilft und Fragen über Land und Unileben beantwortet. Zusätzlich bietet es sich an, einem Sprachtandem beizutreten. Dabei trifft man sich regelmäßig mit Studierenden des Gastlandes, die Deutsch lernen möchten. Solche Programme werden oft von der Universität oder den Goethe-Instituten vor Ort angeboten. Sie sind nicht nur eine kostengünstige Alternative zu privaten Sprachkursen, sondern auch eine gute Möglichkeit, mit den Locals in Kontakt zu kommen.

Pauline Brinkmann ist Diplom-Juristin und promoviert im öffentlichen Recht. Während des Studiums hat sie für das Zastermagazin, Focus Online und Business Insider geschrieben.

Gastbeitrag von Pauline Brinkmann, 2. April 2025.

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