In einer gemeinsamen Erklärung fordern mehrere Organisationen der freien Berufe ein stärkeres Fremdbesitzverbot, um ihre Branchen vor Investoren zu schützen. Dabei fürchten sie Umgehungskonstruktionen, bei denen berufsfremde Investoren über Beteiligungs-, Ketten- oder Holdingmodelle faktisch Einfluss auf die Berufsausübung gewinnen könnten. Das sei eine ernsthafte Gefahr für die Unabhängigkeit der freien Berufe – und damit für den Verbraucherschutz in sensiblen Bereichen wie Steuerberatung, Recht oder Gesundheit. Dass das geplante Neunte Steuerberatungsänderungsgesetz eine Klarstellung des Fremdbesitzverbots vorsieht, werten die Organisationen als "wichtiges Signal für alle freien Berufe".
Der EuGH habe bestätigt, dass das im deutschen Berufsrecht geregelte Fremdbesitzverbot europarechtskonform sei, wird der Vizepräsident der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK), André Haug, zitiert. "Damit hat er unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass eine unabhängige Berufsausübung unter Beachtung spezieller Berufspflichten unabdingbar ist". Diese Unabhängigkeit dürfe "keinesfalls durch reine Finanzinvestoren gefährdet werden, deren Ziel sich auf das Streben nach Gewinn beschränkt."
"Die freien Berufe sind kein Kapitalmarkt"
Freie Berufe handelten im Interesse der Menschen, nicht im Interesse von Renditeerwartungen, heißt es auch in der Erklärung. Wenn Kapitalgeber Einfluss nähmen, drohe ein gefährlicher Zielkonflikt: kurzfristiger Gewinn statt langfristiger Qualität. "Die freien Berufe sind kein Kapitalmarkt" betonen die Organisationen. Digitalisierung, Innovation und moderne Infrastruktur ließen sich über bewährte Finanzierungswege – etwa Bankkredite oder Förderprogramme – realisieren. Es gebe keinen Kapitalbedarf, der Fremdbesitz rechtfertige.
Stattdessen müsse das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Berufsträgerinnen und -trägern und ihren Mandantinnen, Patienten und Kundinnen geschützt werden: Nur wer sicher sein könne, dass sensible Informationen geschützt blieben, werde offen sprechen und ehrliche Beratung suchen. Fremdbesitz gefährde dieses Vertrauen. Denn berufsfremde Investoren unterlägen keiner Verschwiegenheitspflicht.
Die Organisationen zeigen sich auch ob der Marktkonzentration, die ein Einstieg internationaler Investoren brächte, in Sorge. Vor allem im ländlichen Bereich würde die Vielfalt verloren gehen. "Damit schwächt man die soziale und wirtschaftliche Stabilität der Regionen – und am Ende die Bürgerinnen und Bürger selbst".
Zu guter Letzt fürchten die Organisationen um den freiberuflichen Nachwuchs. Junge Menschen wollten gestalten, Verantwortung tragen und frei arbeiten – nicht als Angestellte internationaler Fonds.


