Südkorea: Ex-Präsident Yoon soll militärischen Konflikt mit Nordkorea in Kauf genommen haben

Nach monatelangen Ermittlungen heißt es, Südkoreas Ex-Präsident habe sein Ende 2024 ausgerufenes Kriegsrecht schon länger geplant – und wollte dafür wohl auch eine militärische Krise anzetteln.

Südkoreas früherer Präsident Yoon Suk Yeol soll die Ausrufung des Kriegsrechts vor rund einem Jahr von langer Hand geplant haben. Dabei habe er auch bewusst versucht, Nordkorea zu einer militärischen Reaktion zu provozieren – um so einen Vorwand zu schaffen, im eigenen Land das Kriegsrecht zu verhängen und damit seine politische Macht zu sichern. Das erklärte die Sonderstaatsanwaltschaft unter Leitung von Cho Eun Suk in Seoul.

Am Abend des 3. Dezember 2024 hatte der 64-jährige Yoon überraschend das Kriegsrecht ausgerufen und sein Land in eine tiefe Staatskrise gestürzt. Auslöser war offiziell ein Streit über den Staatshaushalt. Der konservative Politiker begründete den drastischen Schritt damit, Südkorea gegen eine angeblich staatsfeindliche und von der kommunistischen Partei Chinas unterwanderte linke Opposition schützen zu müssen. Belege für diese Vorwürfe legte er nicht vor.

Ermittler: Geheime Drohnenaktion auf nordkoreanischem Gebiet

Die Ermittlungen der Sonderstaatsanwaltschaft belegen nun nach eigener Aussage, dass Yoon seine Pläne für das Kriegsrecht bereits seit mindestens Oktober 2023 vorbereitet haben soll. Ihm und seinem damaligen Verteidigungsminister wird unter anderem vorgeworfen, eine geheime Drohnenaktion auf nordkoreanischem Gebiet angeordnet zu haben. Auf diese reagierte Pjöngjang jedoch nicht mit militärischen Gegenmaßnahmen.

Der Ex-Präsident muss sich mittlerweile vor Gericht verantworten. Unter anderem wird ihm "Aufruhr" vorgeworfen – ein besonders schwerwiegender Strafbestand, der theoretisch auch mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Seit dem Sommer wird Südkorea von Präsident Lee Jae Myung regiert, einem links-zentristischen Politiker und langjährigen politischen Rivalen Yoons.

Redaktion beck-aktuell, bw, 15. Dezember 2025 (dpa).

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