Tilman Kuban: Weniger Klimaschutz statt leerer Werkshallen

Aus der Unionsfraktion im Bundestag kommt die Forderung, die Klimaziele Deutschlands zu senken. Der bisherige Plan gefährde Arbeitsplätze, sagte Tilman Kuban (CDU) und betonte, er sei mit dieser Ansicht nicht allein.

"Es ist ausreichend, wenn wir 2045 zu 80% klimaneutral sind und dafür Wohlstand und Demokratie erhalten haben – das ist im globalen Vergleich immer noch sehr ambitioniert", sagte der europapolitische Sprecher der Unionsfraktion, Tilman Kuban (CDU), der Zeitung Welt. Erst danach "sollten wir neu diskutieren, wie wir mit den restlichen 20% verfahren".

Im Jahr 2021 hatte das BVerfG entschieden, dass die Politik beim Klimaschutz nachbessern muss, um die Freiheitsrechte künftiger Generationen zu schützen. Daraufhin hatte die damalige schwarz-rote Koalition unter Führung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Klimaziele verschärft.

Im Klimaschutzgesetz ist nun festgeschrieben, dass Deutschland seinen Ausstoß an Treibhausgasen bis 2030 um 65% im Vergleich zum Jahr 1990 senken soll. Bis 2045 will Deutschland klimaneutral sein, also nicht mehr Treibhausgase ausstoßen, als wieder gespeichert werden können.

Kuban: Auch EU-Klimaziel wackelt

Kuban meinte dazu: "Die Kernfrage ist doch, ob wirklich die Welt untergeht, nur weil in Deutschland noch ein paar Kohleöfen laufen, um Stahl zu produzieren, oder weil hier noch ein paar Verbrenner auf der Straße fahren und möglicherweise noch nicht jedes Haus vollständig gedämmt ist."

Es gelte, sich der Realität in Europa zu stellen: "Was ich von meinen Kollegen aus Frankreich, Polen, Italien oder aus osteuropäischen Staaten höre, ist da sehr eindeutig: Auch das EU-Klimaziel 2050 wird unter heftigen Druck geraten." Deutschland solle sich in dieser Frage nicht isolieren. "80% Klimaschutz mit Wohlstand und Demokratie sind besser als 100% mit leeren Werkshallen", führte Kuban aus.

Redaktion beck-aktuell, bw, 29. September 2025 (dpa).

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