Worst of the Week: In Uniform zur Mottoparty, Richter-Rants und Deutschlands dreisteste Lehrerin

Eine Polizeianwärterin, die partybedingt ihren Job verliert. Richter, die krass aus der Rolle fallen. Ein Sportveranstaltung, die mit Doping wirbt, und eine Lehrerin, die während 16 Jahren Krankschreibung einen Gründerpreis abräumt - nur einige der Geschichten, die diese Woche Gerichte beschäftigten.

Wenig Gnade hatte das VG Düsseldorf am Dienstag, den 2. September, mit einer jungen Polizeianwärterin. Die war aus dem Dienst entlassen worden, nachdem sie bei einem Rollenspiel in Dienstkleidung auf einer Mottoparty einen "als Drogendealer verkleideten Gast" verhaftet hatte. Das wirft Fragen auf: Was trägt der modebewusste Dealer von heute? Und: War auch bei ihm Enthusiasmus für seinen Beruf das Motiv zum Mitspielen?

Das Gericht beantwortete – wie so häufig – keine dieser interessanten Fragen, segnete aber die Entlassung der jungen Frau aus dem Dienst wegen "fehlender charakterlicher Eignung" ab. Nur nebenbei gefragt: Erinnert sich jemand noch an die drei Einsatzhundertschaften Berliner "Party-Polizisten", die am Rande des G20-Gipfels 2020 in Hamburg nach einer geselligen Zusammenkunft (oder, wie der Spiegel damals die Polizei zitierte: "Am freien Abend wurde getrunken, getanzt, gepinkelt und ja scheinbar auch 'gebumst'") zum Ausnüchtern nach Hause geschickt wurden?

Der frühere Chef des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer*, äußerte sich seinerzeit so: "Jeder vernünftige Mensch lacht darüber. Die Aufregung ist übertrieben."

US-Richter außer Rant und Band

Tatsächlich ärgerlich war der Ausraster eines US-Richters in einem Sexualstrafverfahren, der mit seinem Verhalten dem Opfer einen Bärendienst erwies: Bei der Festsetzung der Strafe hielt er dem Verurteilten mehrfach vor, dass dieser sein - verfassungsrechtlich verankertes - Recht auf eine Verhandlung vor einer "Jury von Gleichgestellten" in Anspruch genommen hatte. Sein Vortrag gipfelte in der (frei übersetzten) Aussage: "Von welchem Planeten stammen Sie, dass Sie denken, dass irgendjemand glauben würde, diese attraktive Frau würde mit Ihnen freiwillig Sex haben wollen? Niemals. Sie sind gruselig" (creepy).

Zum Glück für das Opfer führte der Richter-Rant nicht dazu, dass die Entscheidung der Jury aufgehoben worden wäre. Nur die Strafzumessung muss wiederholt werden, wie das Berufungsgericht am 29. August entschied. Den Wortwitz in der Überschrift bitte ich zu verzeihen, es war unwiderstehlich.

Aus der Rolle fiel auch ein Richter aus Illinois, wobei ein Teil des Problems war, dass er nicht auf seinem Platz bleiben mochte. Herumlaufende Angeklagte, die sich bei den Zuschauern besser aufgehoben fühlen als auf der Anklagebank, kennt man ja auch hierzulande, aber dieser Richter ließ sich bei der Jury nieder. Spätestens, als er den Geschworenen mitten in der Verhandlung mitteilte, dass Zeugen der Verteidigung seiner Ansicht nach lügen würden, war das Verfahren nicht mehr zu retten.

Die Monopolisten von der Welt-Anti-Doping-Agentur

„Was ist ein Glück wert, das nur den Pharmazeuten ehrt?“, fragte die Band "Wir sind Helden" einst im Song "Ist das so?". "800 Millionen Dollar" wäre wohl die Antwort der Organisatoren der Enhanced Games.

Auf Zahlung dieses Betrags verklagten die Initiatoren der geplanten Sportveranstaltung am 27. August unter anderem die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und den Welt-Schwimmverband. Im Mai 2026 will die Organisation die ersten Sportwettkämpfe stattfinden lassen, bei denen leistungsfördernde Substanzen ausdrücklich erlaubt sind.

Da ist es natürlich ein Problem, dass für Chemieeinsatz bei Olympia und Co. lange Sperren drohen. Zweifelhaft, dass bekannte Athleten sich unter diesen Umständen auf die Pharma-Spiele einlassen. Die Sperren seien ein Versuch der "Monopolisten", mit den Enhanced Games ihren "einzigen potenziellen Rivalen auszuschalten", lautete daher der Vorwurf der Organisatoren, die den drohenden Schaden mit den erwähnten 800 Millionen Dollar ansetzten. Hinter den Enhanced Games stecken keine Unbekannten: Zu den Initiatoren gehören unter anderem Donald Trump Jr., der älteste Sohn des US-Präsidenten, und der Techmilliardär Peter Thiel.

Duisburg – Tag und Nacht

Derweil wusste die Bild-Zeitung Neues zu berichten über Deutschlands wohl dreisteste Lehrerin, die sich – wie zunächst wir von beck-aktuell im August exklusiv herausgefunden hatten - über 16 Jahre hatte krankschreiben lassen. Während ihrer voll vergüteten Dienstunfähigkeit soll die Pädagogin aus Duisburg nämlich keineswegs untätig gewesen sein. Bei einem Gründerwettbewerb hat sie laut dem Boulevardblatt mit einer selbst entwickelten Handcreme nicht nur teilgenommen und einen Preis gewonnen, sondern auch ein Preisgeld von 5.000 Euro erhalten. Laut Bild stammte das Geld von der EU – und dem Land NRW, ihrem Dienstherrn.

*Ursprünglich hieß es in dem Beitrag, Prof. Dr. Christian Pfeiffer sei verstorben. Das ist glücklicherweise nicht korrekt und wurde von uns korrigiert, 08.09.2025, 9:50h, md

Redaktion beck-aktuell, Michael Dollmann, 5. September 2025.

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