Den bisherigen Erkenntnissen zufolge sollen die beiden Männer ein dreiköpfiges Team von Journalisten angegriffen und leicht verletzt haben. Dabei sollen sie Pfefferspray eingesetzt haben. Der Spiegel-Verlag bestätigte, dass es sich bei den Betroffenen um ein Team von Spiegel TV handelte. Zwei Journalisten wurden demnach durch Reizgas und Schläge verletzt und mussten im Krankenhaus behandelt werden, das sie inzwischen wieder verlassen konnten. Spiegel TV hat Anzeige erstattet.
Das Team war nach Verlagsangaben im Rahmen einer Recherche zu "rechtsextremen Strömungen und Gruppierungen in Deutschland" vor Ort tätig. Die Beschuldigten sollen laut Staatsanwaltschaft der rechtsextremen Szene angehören. Beide wurden während der Durchsuchung vorläufig festgenommen, später jedoch mangels Haftgründen wieder entlassen.
Der Angriff löste am Mittwochabend einen größeren Polizeieinsatz im 200‑Einwohner‑Ort aus. Kräfte der Schutz‑, Kriminal‑ und Bereitschaftspolizei waren beteiligt. Später am Abend war die Wohnung der beiden Tatverdächtigen – es handelt sich um einen 56‑Jährigen und seinen 22‑jährigen Sohn – durchsucht worden. Bei mehreren sichergestellten Gegenständen prüfen die Ermittler nun, ob sie strafrechtlich relevant sind, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Mühlhausen erklärte. Zunächst war von "mehreren Zufallsfunden" die Rede gewesen.
Ähnlicher Vorfall bereits 2018
Fretterode war bereits 2018 in die Schlagzeilen geraten, nachdem Rechtsextremisten dort Journalisten attackiert und verletzt haben sollen. Das LG Mühlhausen verurteilte zwei Männer 2022 zu geringen Strafen. Dieses Urteil hob der BGH wegen Rechtsfehlern auf, sodass nun eine andere Kammer erneut über den Fall verhandeln muss.
Vor diesem Hintergrund verurteilte der Deutsche Journalisten‑Verband (DJV) die erneute Attacke scharf. Übergriffe auf die Presse würden zunehmend als normal empfunden, sagte die stellvertretende DJV‑Landesvorsitzende Mariana Friedrich. Täter könnten sich häufig "absurderweise genau in dem Rechtsstaat sicher fühlen, den sie delegitimieren und bekämpfen". Schon 2022 habe man befürchtet, dass das milde Urteil eine fatale Signalwirkung habe. "Leider sind unsere Befürchtungen nun bestätigt worden."


