Vorstellungsgespräch mit Chatbot: Kanzlei testet erstmals KI im Bewerbungsprozess

Die Kanzlei Mishcon de Reya aus Großbritannien hat dieses Jahr zum ersten Mal einen KI-basierten Chatbot im Bewerbungsprozess genutzt. Die Reaktionen der Bewerberinnen und Bewerber sind gemischt.

Die Plattform Legal Cheek berichtet, dass die Kanzlei so den Bewerberinnen und Bewerbern eine Chance geben wollte, zu zeigen, wer sie wirklich seien und welche Qualitäten sie in die Kanzlei einbringen könnten.

Das neue KI-Tool sei mithilfe des Feedbacks von ehemaligen Bewerberinnen und Bewerben erstellt worden. Sie hätten vor allem das bis dahin auszufüllende lange Bewerbungsformular und das einseitig aufgenommene Video-Interview kritisiert. Dennoch solle der Chatbot das Formular nicht vollständig ersetzen, berichtet Legal Cheek: Bewerberinnen und Bewerber müssten immer noch Angaben über ihre Berufserfahrung, ihre akademischen Leistungen und andere wichtige Informationen angeben. Erst danach trete der Chatbot in Aktion, um durch einen "dynamischen und interessanten Austausch" eine "interaktive Erfahrung" zu ermöglichen, wie es von Seiten der Kanzlei heißt. Sie betont, die Fragen würden ganz auf die Kandidatinnen und Kandidaten angepasst. In ihren FAQs betone die Kanzlei aber, dass der Chatbot sich noch in der Testphase befinde.

Vorstellungsgespräch mit Chatbot "entmenschlichend"

Bis jetzt seien die Meinungen zum Vorstellungsgespräch mit dem Chatbot sehr unterschiedlich ausgefallen. Ein Bewerber mit dem Legal Cheek gesprochen hat, beklagte, dass in einem Bewerbungsprozess ohnehin schon viel Arbeit stecke und das KI-Auswahlverfahren sich anfühle wie eine weitere Hürde.

Auch auf der Internet-Plattform Reddit fänden sich kritische Stimmen. Bewerberinnen und Bewerbern würden häufig die gleichen Fragen in einer anderen Formulierung gestellt. Die KI wiederhole sich oft und verstehe die gegebenen Antworten nicht richtig. Die Konversation mit dem Chatbot dauere "Stunden". Andere bezeichneten das Vorstellungsgespräch mit dem Chatbot sogar als entmenschlichend.

Andere sähen den Chatbot aber auch weniger kritisch, berichtet das Portal weiter. Obwohl die Erfahrung sich ein wenig entmenschlichend anfühle, berichtet Bewerber, habe er das Gefühl gehabt, sich gut verständlich machen zu können. Besonders geschätzt habe er die Möglichkeit, noch ausführlicher zu antworten, wenn der Chatbot die vorherige Antwort für zu kurz befunden hatte. Ein anderer Nutzer merkt an, dass sich mit ausführlicheren Antworten auch die Dauer der Anwendung reduziere.

Mishcon de Reyas betone, dass immer noch echte Menschen alle Bewerbungen bewerteten und keine Entscheidungen allein auf der Basis einer KI-Bewertung getroffen würden. Bei der Entwicklung des KI-Tools hätten Fairness und Risikominimierung eine große Rolle gespielt. Man habe sehr hohe Standards. In der Testphase werde jedes Transkript der Interaktionen mit dem Bot überprüft und von Experten bewertet.

Redaktion beck-aktuell, kw, 2. Dezember 2025.

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