In einem legalen Bordell nahe Las Vegas versuchen 74 Sexarbeiterinnen laut Bloomberg Law, eine eigene Gewerkschaft zu gründen. Ihr Ziel ist es, mehr Kontrolle über Inhalte zu behalten, die sie für Plattformen wie OnlyFans oder TikTok produzieren. Nach ihren Angaben verlangt das Management des Bordells, dass sie bestimmte Rechte an Bildern, Videos und Bühnenpersönlichkeiten an das Unternehmen abtreten.
Die Beschäftigten befürchten langfristige Nachteile. Viele hätten nach dem Ausstieg aus dem Beruf nur eingeschränkte Erwerbsmöglichkeiten, erklärte eine frühere Mitarbeiterin gegenüber Bloomberg Law. Die Vermarktung des eigenen Namens oder der eigenen digitalen Inhalte sei deshalb eine zentrale Einnahmequelle. Um diese Rechte gegenüber dem Bordellbetreiber zu sichern, wollen sie sich der Gewerkschaft "Communications Workers of America" anschließen.
Schluckt die Stellung als Arbeitnehmerinnen das Urheberrecht?
Das Vorhaben birgt jedoch einen juristischen Zielkonflikt, berichtet Bloomberg Law. Für eine gewerkschaftliche Vertretung müssten die Frauen vor der US-Behörde "National Labor Relations Board" als Arbeitnehmerinnen gelten. Urheberrechtlich könnte genau das aber zu ihrem Nachteil werden: Nach dem US-amerikanischen Urheberrecht gehören die Ergebnisse und Erträge der Arbeit von Arbeitnehmenden automatisch dem Arbeitgeber bzw. der Arbeitgeberin.
Laut Bloomberg Law wurden Sexarbeiterinnen in den USA in der Vergangenheit meist als unabhängige Auftragnehmerinnen eingestuft. Entscheidend sei der Grad der Kontrolle durch das Bordell. Eine erfolgreiche Umklassifizierung als Arbeitnehmerinnen könnte Bordellbetreibern aber auch stärkere Ansprüche an dem Content verschaffen, den die Prostituierten produziert haben.
Sollten die Sexarbeiterinnen Erfolg haben, wäre es der erste Fall gewerkschaftlich organisierter Beschäftigter in einem US‑Bordell. Gewerkschaftlich ausgehandelte Regelungen über Bildnisse, KI‑Reproduktionen und digitale Nutzung seien dann möglich; in anderen Branchen gebe es bereits welche. Ob die Verhandlungsmacht der "Communications Workers of America" dafür ausreichen würde, bleibe abzuwarten.


