KI: Effizienz auf Kosten juristischer Fähigkeiten?

Kein tiefgehendes juristisches Denken und Argumentieren? Eine britische Umfrage deutet darauf hin, dass die Nutzung von KI bei Junganwältinnen und -anwälten zur Verringerung juristischer Kernkompetenzen führen könnte.

Wie LegalCheek berichtet, hat die britische online-Datenbank LexisNexis in ihrem "Mentorship Gap"-Report 900 Anwältinnen und Anwälten zu den Auswirkungen der Nutzung von KI-Tools bei Junganwältinnen und -anwälten befragt.

58% der Befragten gaben danach an, die Nutzung von KI ermögliche es ihnen, schneller und produktiver zu arbeiten – bei denjenigen, die kostenpflichtige juristische KI‑Plattformen nutzen, seien es sogar 65% gewesen. Vor allem Aufgaben, die typischerweise Berufseinsteigerinnen und -einsteigern zugeteilt würden, wie Recherche  und das Verfassen von Schriftsätzen, ließen sich effizienter mithilfe von KI erledigen.

Das Problem: Gerade solche Aufgaben beförderten juristische Fähigkeiten. So hätten 72% der Befragten angegeben, Nachwuchsjuristinnen und -juristen fehle vor allem die Kompetenz, tiefgehend juristisch zu denken und zu argumentieren. 69% nannten laut Legal Cheek zudem schwache Fähigkeiten in der Verifikation und Überprüfung von Quellen. Bei vielen Befragten bestehe die Sorge, dass junge Anwältinnen und Anwälte sich auf die Ergebnisse der KI-Tools verließen, ohne zuerst gelernt zu haben, wie diese auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen seien. Rechtliche Ergebnisse zu überprüfen und kritisch zu hinterfragen – das könnten KI-Tools nach wie vor nicht leisten.

Berufseinsteigende müssen sich schneller in hochkomplexen Aufgaben zurechtfinden

Weil die KI zunehmend für Aufgaben verwendet werde, mit denen früher Junganwältinnen und -anwälte betraut wurden, würden diese nunmehr schneller mit hochkomplexen Aufgaben betraut, die die KI nicht übernehmen könne. Das ermögliche es den Berufseinsteigenden zwar, schneller ihr Fachwissen zu vertiefen und den Umgang mit Mandanten zu üben; oftmals fehle ihnen dafür aber die solide Basis juristischer Grundkompetenzen.

Vor diesem Hintergrund forderten 65% der Befragten, so Legal Cheek, KI eher unterstützend als "Denkpartner" einzusetzen und "nicht als Ersatz für juristisches Denken". Etwas mehr als die Hälfte (52%) unterstütze auch Prüfungsübungen, bei denen junge Anwältinnen und Anwälte KI‑generierte Ergebnisse mit autoritativen Quellen abgleichen und verifizieren müssen. Auch Mentoring durch erfahrene Anwältinnen und Anwälte werde als wichtiger denn je angesehen – das schule das Urteilsvermögen, das ethische Bewusstsein und den Umgang mit Mandanten am besten.

Redaktion beck-aktuell, sst, 11. Februar 2026.

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