Rule of Law Index 2025: Rechtsstaatlichkeit geht weltweit zurück – Deutschland auf Platz 6

Der Rechtsstaat befindet sich weltweit in der Krise – das zeigt der aktuelle Rule of Law Index des World Justice Projects. Deutschland belegt Platz 6 – und ist damit um eine Stelle nach unten gerutscht.

Die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) spricht von "alarmierenden Ergebnissen". Zum achten Mal in Folge habe sich die Rechtsstaatlichkeit in mehr Ländern verschlechtert als sie sich in Ländern verbessert habe. Für die BRAK besonders besorgniserregend: Die Entwicklung beschleunigt sich. Während 2024 noch 57% der bewerteten Staaten Rückschritte verzeichnet hätten, seien es 2025 bereits 68%. Insgesamt 96 von 143 untersuchten Ländern und Jurisdiktionen zeigten einen Negativtrend, während nur 46 Verbesserungen aufwiesen.

Die Erhebung des World Justice Project (WPJ) basiere auf systematischen Befragungen von über 215.000 Haushalten und 4.100 Fachleuten weltweit. Die Hauptursache für den Rückgang sehe das WJP in einer Zunahme autoritärer Tendenzen: Schrumpfende zivilgesellschaftliche Freiräume und eine Schwächung der Gewaltenteilung prägten das Bild. Besonders gravierend sei, dass destruktive Entwicklungen deutlich schneller verliefen als Fortschritte – der Rückgang sei doppelt so hoch wie die Verbesserungen.

Gewaltenteilung und unabhängige Justiz unter Druck

Drei zentrale Indikatoren der Regierungskontrolle – unabhängige Kontrolle, parlamentarische Kontrolle und richterliche Kontrolle – verschlechterten sich nach dem Rule of Law Index 2025 jeweils in mindestens 61% der Länder. Besonders kritisch sieht die BRAK den Rückgang der richterlichen Unabhängigkeit "als letzte Verteidigungslinie gegen exekutive Übergriffe". Politische Einflussnahme und Beeinträchtigungen bei Zivil- und Strafjustiz nähmen in jeweils über 60% der Staaten zu.

Freiheitsrechte wie Meinungsäußerung, Versammlungsfreiheit und gesellschaftliche Partizipation seien in über 70% der Staaten zurückgegangen. Die zivilrechtliche Justiz leide in 68% der Staaten unter längeren Verfahrensdauern, weniger alternativen Konfliktlösungsmechanismen und wachsender staatlicher Einflussnahme.

Deutschland: Stabil auf hohem Niveau mit Optimierungsbedarf

Deutschland erzielt laut BRAK 2025 eine Gesamtpunktzahl von 0,83 von 1,0 und belegt damit weltweit Platz 6 – einen Rang schlechter als im Vorjahr. In der Region EU, EFTA und Nordamerika liege Deutschland auf Platz 5 von 31. Die Spitzenpositionen hielten unverändert Dänemark, Norwegen, Finnland und Schweden. Neuseeland sei von Platz 9 auf Platz 5 geklettert und habe Deutschland um eine Position verdrängt.

Sehr gut schneide Deutschland bei den Grundrechten (0,86 Punkte, weltweit Rang 5) sowie bei der Strafjustiz (0,79 Punkte, weltweit Rang 4, Verbesserung gegenüber Platz 5 in 2024) ab. Die Ziviljustiz erhalte 0,82 Punkte und rangiere auf Platz 4. Besonders positiv bewertet würden die Einschränkungen der Regierungsmacht (0,86 Punkte, weltweit Rang 5) mit Spitzenwerten bei der gesetzmäßigen Machtübergabe (0,95) und effektiven justiziellen Kontrolle (0,88).

Verbesserungspotenzial identifiziere der Index beim Korruptionsschutz im Parlament (0,63 Punkte – hier belege Deutschland Platz 16; 2024 habe Deutschland mit 0,64 Punkten auf Platz 15 gelegen), beim Zugang zu staatlichen Informationen (0,73) und öffentlichen Daten (0,74) sowie bei der Effektivität strafrechtlicher Ermittlungen (0,61). Auch Verzögerungen in der Regeldurchsetzung (0,76) und beim Zugang zu Gerichten (0,75) bleiben laut BRAK Herausforderungen.

World Justice Project unabhängige Organisation

Das World Justice Project ist eine unabhängige, gemeinnützige Organisation, die im Jahr 2006 auf Initiative der American Bar Association gegründet wurde, der auch die BRAK angehört. Das WJP veröffentlicht jährlich den Rule of Law Index.

Auch die EU-Kommission hatte Deutschland kürzlich in Sachen Rechtsstaatlichkeit gut aufgestellt gesehen, ihr sechs­ter Rechts­staat­lich­keits­be­richt zeigte aber auch Verbesserungsbedarf auf, vor allem in Sachen Per­so­nal­aus­stat­tung der Jus­tiz und Di­gi­ta­li­sie­rung.

Redaktion beck-aktuell, bw, 24. November 2025.

Mehr zum Thema