265.942 Opfer häuslicher Gewalt wurden nach dem Lagebericht dazu 2024 polizeilich registriert – ein Anstieg um 3,5% im Vergleich zum Vorjahr und um 17,8% innerhalb der letzten fünf Jahre. Knapp ein Viertel aller in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Opfer sei damit Opfer häuslicher Gewalt. Die Opfer seien meist Mädchen und Frauen (70,4%). Überwiegend gehe es um Partnerschaftsgewalt, die um 1,9% gegenüber dem Vorjahr zugenommen habe: 171.069 Opfer von Partnergewalt seien registriert worden, 80% davon Frauen. 308 Mädchen und Frauen seien 2024 getötet worden, 132 durch Partnerschaftsgewalt.
Bei der innerfamiliären Gewalt - Gewalt zwischen Eltern, Kindern, Geschwistern und anderen Angehörigen – sei die Zahl der Opfer (94.873) um 7,3% im Vergleich zu 2023 gestiegen. Auch hier seien die Opfer überwiegend weiblich (54,2%). Am stärksten treffe innerfamiliäre Gewalt Kinder zwischen 6 und 14 Jahren. 130 Opfer seien durch innerfamiliäre Gewalt getötet worden, 59 seien weiblich gewesen.
Auffällig sei bei der häuslichen Gewalt der Anstieg der Straftaten im digitalen Raum: Bei Gewalt unter Partnern sei eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr um 10,9% auf 4.876 Opfer, bei innerfamiliärer Gewalt um 20,4% auf 2.027 Opfer zu verzeichnen.
Hohes Dunkelfeld bei häuslicher Gewalt
BKA-Präsident Holger Münch wies auf das hohe Dunkelfeld gerade bei häuslicher Gewalt hin. Erste Ergebnisse einer aktuellen Opferbefragung zeigten, dass nur ein Bruchteil der Taten angezeigt werde. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) unterstrich, dass der Schutz von Frauen höchste Priorität habe und wies auf die geplante Einführung der elektronischen Fußfessel für Täter häuslicher Gewalt und die Einstufung von K.O.-Tropfen als Waffe hin.
Nach dem Lagebild zu geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten wurden 2024 mehr weibliche Opfer von Sexualdelikten (53.451: 2,1% mehr als 2023) und von digitaler Gewalt (18.224: 6% mehr als 2023) registriert. 308 Mädchen und Frauen seien 2024 getötet worden. Anhand der Polizeilichen Kriminalstatistik ließen sich Tötungsdelikte aber nicht als Femizide einordnen, da es keine einheitliche Definition des Begriffs "Femizid" gebe und in der Statistik keine Tatmotivation erfasst werde. Berücksichtigt werde die Tatmotivation aber im Bereich der politischen Kriminalität: Hier sei die Zahl frauenfeindlichen Straftaten erneut stark gestiegen, um 73,3% auf 553 Taten. Knapp die Hälfte der Taten seien Beleidigungen gewesen.


