KI auf dem Vormarsch: Immer mehr Strafen für fehlerhafte Schriftsätze

Gerichte weltweit sanktionieren zunehmend Anwältinnen und Anwälte, die fehlerhafte KI-Schriftsätze einreichen. Laut einer Studie steigt die Zahl der Fälle immer weiter – ebenso wie die Höhe der Strafen.

Auf der ganzen Welt verhängen Gerichte offenbar zunehmend Sanktionen gegen Anwältinnen und Anwälte wegen fehlerhafter Schriftsätze, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt wurden. Das berichtet der US‑öffentlich‑rechtliche Sender NPR.

Der NPR-Bericht zitiert den KI‑Forscher Damien Charlotin von der Wirtschaftshochschule HEC Paris, der entsprechende Entscheidungen weltweit erfasst. Laut NPR hat er inzwischen mehr als 1.200 gerichtliche Sanktionen wegen fehlerhafter KI‑Nutzung beobachtet, davon rund 800 in den USA. Die Entwicklung habe im vergangenen Jahr stark an Fahrt aufgenommen und halte weiter an, sagte Charlotin gegenüber NPR.

Auch die Strafen werden demnach spürbar härter. Ein US‑Bundesgericht in Oregon habe zuletzt Sanktionen und Kosten von zusammen rund 110.000 Dollar gegen einen Anwalt verhängt, der einen Schriftsatz mit KI‑generierten Fehlern eingereicht hatte. Fälle mit erfundenen Gerichtsentscheidungen oder falschen Zitaten beschäftigen mittlerweile sogar Obergerichte einzelner Bundesstaaten, so NPR.

Kennzeichnungspflicht für KI?

Laut dem Bericht verlangen inzwischen auch einige Gerichte, offenzulegen, ob Schriftsätze ganz oder teilweise mit KI erstellt wurden. Kritikerinnen und Kritiker halten solche Kennzeichnungspflichten gegenüber NPR jedoch für kaum praktikabel, da KI‑Funktionen zunehmend in Standardsoftware von Kanzleien integriert seien.

Neben disziplinarischen Folgen wirft der Trend laut NPR auch grundlegende Fragen für Ausbildung, Arbeitsweise und Geschäftsmodelle von Kanzleien auf. Während KI bei Recherche und Dokumentenanalyse Zeit spart, warnen Expertinnen und Experten vor dem Verlust kritischer Prüf‑ und Denkprozesse. Der zunehmende Einsatz von KI gerade in Großkanzleien mit ihrem auf abrechenbaren Stunden beruhenden Geschäftsmodell könne den Zeitdruck weiter erhöhen und damit die Versuchung wachsen lassen, erste KI‑Entwürfe ungeprüft zu übernehmen.

Parallel gerät auch die KI‑Industrie selbst in den Fokus: In den USA wurde OpenAI nach Angaben von NPR verklagt, weil eine Nutzerin nach eigenen Angaben fehlerhafte rechtliche Hinweise eines Chatbots befolgt habe. OpenAI weist die Vorwürfe zurück.

Redaktion beck-aktuell, js, 8. April 2026.

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