Jurastudenten verstecken Bücher: Juristische Bibliothek in Hamburg schließt nach "Bücherchaos"
© dpa / Maurizio Gambarini

Die Juristische Zentralbibliothek der Universität Hamburg war für zweieinhalb Tage geschlossen. Der Grund: versteckte und falsch einsortierte Bücher während der Hausarbeitsphase. Die Universität spricht von einem Ausnahmephänomen.

Die Juristische Zentralbibliothek der Universität Hamburg hatte am 25. und 26. November sowie am Vormittag des 27. November ihre Türen geschlossen. Auf einem Aushang hieß es: "Aufgrund des Bücherchaos, das während der vergangenen Hausarbeitsphase entstanden ist, bleibt die Bibliothek geschlossen, um die Ordnung wiederherzustellen." Studierende konnten in dieser Zeit auf digitale Angebote wie E-Books und Datenbanken ausweichen. Inzwischen hat die Bibliothek wieder geöffnet.

Die Universität Hamburg bestätigte gegenüber beck-aktuell die Schließung. Es handele sich dabei aber um ein bekanntes Problem, das sich in Stoßzeiten wiederhole. "In der juristischen Fakultät der Universität Hamburg kommt es in den hochfrequentierten Prüfungs- und Hausarbeitsphasen immer wieder vor, dass Bücher vereinzelt versteckt werden", erklärte Alexander Lemonakis, Pressesprecher des Präsidenten Hauke Heekeren. Besonders betroffen sei der Bereich der Rechtswissenschaften, "insbesondere wegen der hohen Nachfrage nach bestimmter Fachliteratur". Es handele sich jedoch keinesfalls um den Regelfall. In anderen Fachrichtungen gebe es ähnliche Vorfälle, jedoch nicht in diesem Ausmaß.

Schließung im Voraus geplant

Lemonakis betonte gegenüber beck-aktuell, dass es sich bei der Schließung nicht um eine spontane Maßnahme gehandelt habe. Über die geplante Schließung sei bereits rund einen Monat zuvor informiert worden, damit sich die Studierenden auf die Schließung einstellen können. Die Schließung sei "ein Service für die Studierenden, damit die Bibliothek wieder instandgesetzt wird". Im Übrigen stehe nicht das Wiederfinden einzelner versteckter Bücher im Mittelpunkt, "sondern die generelle Neuordnung, Reinigung und Korrektur der Regale, damit alle Medien wieder am richtigen Platz stehen und optimal genutzt werden können." Die Maßnahmen ließen sich nur während einer vorübergehenden Schließung umsetzen, "da die Bücher während der Öffnungszeiten stark genutzt werden und die Reinigungsarbeiten die Nutzenden stören würden".

Aufräumarbeiten finden in Bibliotheken regelmäßig statt. In der juristischen Zentralbibliothek der Universität Hamburg einmal jährlich im November. "Wir sind etwas irritiert, dass das jetzt für so viel Aufsehen sorgt", so Lemonakis weiter.

Die juristische Zentralbibliothek bietet auf zehn Etagen einen Bestand von knapp 400.000 Büchern. Hinzu kommen rund 1.000 Arbeitsplätze und weitere Medien wie beispielsweise 840 verschiedene Print-Zeitschriften. An der Uni Hamburg sind über 4.000 Jurastudierende eingeschrieben – dementsprechend stark wird die Jurabibliothek auch frequentiert.

Für die Aufräumarbeiten seien in den letzten zwei Tagen zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Service, Bibliotheksverwaltung sowie studentische Hilfskräfte eingesetzt worden. "Der gewählte Zeitraum im November ist zudem günstig: Die Hausarbeitenphase ist beendet, und die Klausurenphase steht noch bevor", erklärte der Sprecher auf Anfrage von beck-aktuell.

Die Universität setzt darüber hinaus inzwischen verstärkt auf elektronische Medien. So haben die Jurastudierenden in Hamburg beispielsweise Zugriff auf 10.000 elektronische Fachzeitschriften. "Wir schaffen verstärkt elektronische Medien an, die zeit- und ortsunabhängig von vielen Nutzenden gleichzeitig verwendet werden können", erläuterte Lemonakis. Wichtige juristische Kommentare und Handbücher stünden zudem im Kurzrecherche-Lesesaal bereit, wo Kopien und Scans möglich seien.

Appell an fairen Umgang mit Büchern

Die Universität betont, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit den Medien sei – und droht den Studierenden, die sich nicht an die Regeln halten, gleichzeitig Konsequenzen an. "Bei wiederholten oder besonders auffälligen Vorfällen kann ein Ausschluss vom Bibliotheksbetrieb erfolgen", so Lemonakis.

Gleichzeitig verweist die Uni Hamburg darauf, "dass sich nahezu alle der 43.000 Studierenden vorbildlich verhalten". Das Bücherchaos sei "ein absolutes Ausnahmephänomen", das nur auf wenige Personen zurückzuführen sei. "Ein faires Miteinander ist entscheidend für den Studienerfolg aller und das gute Funktionieren des universitären Zusammenlebens", so die Universität. Man appelliere deswegen an die Studierenden, pfleglich mit dem Bücherbestand umzugehen.

Auslöser für die Medienberichterstattung über die Schließung war ein Video des Content Creators Vinqcent mit über einer halben Million Followern auf Instagram. Im Anschluss daran berichtete das Hamburger Abendblatt darüber. Unter dem Titel "Jura-Studenten verstecken Bücher" thematisierte Vinqcent den Vorfall in einem Reel und zeigte das Hinweisschild der Bibliothek. Er kommt in seinem Clip zum Ergebnis: "Also ja, Jurastudenten sind gerade was das Bücherverstecken angeht, wirklich so wie sie immer dargestellt werden." Das Einzige, was auf dem Hinweisschild der Universität noch fehle sei der Zusatz "und wir müssen erstmal die Seiten wieder reinkleben, die ihr rausgerissen habt." Das Reel hat inzwischen über 13.000 Likes und rund 170 Kommentare – von "Egoismus auf höchstem Niveau" bis "Was stimmt nicht mit denen?".  Ein User erzählt sogar, dass es in Trier einen Tisch gebe, an dem grundlegende Bücher angekettet seien.

Redaktion beck-aktuell, Dr. Jannina Schäffer, 27. November 2025.

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