Opfer von Sexualdelikten sind oft schwer traumatisiert. Für Ermittler und Richter ist das eine Herausforderung: Aussagen fallen schwer, Vertrauen erst recht - vor allem Kindern und Jugendlichen. Manchmal helfen Vierbeiner, das Eis zu brechen: Speziell ausgebildete Hunde können bei Vernehmungen und vor Gericht Stress und Angst mindern und so die Aussagefähigkeit der Betroffenen stärken.
In Baden-Württemberg ist nun das Angaben des Landesjustizministeriums zufolge bundesweit erste Qualifizierungsprogramm für solche Hunde und ihre Hundeführer abgeschlossen worden. Im Ländle sind sogenannte Vernehmungsbegleithunde bereits seit mehreren Jahren im Einsatz. Sie stehen Zeugen und Opfer bei Befragungen zur Seite, wirken beruhigend und geben Halt. Eingesetzt werden Hunde aber nicht nur in Ermittlungs- und Gerichtsverfahren, sondern auch in Frauenhäusern oder bei der Resozialisierung von Gefangenen.
Hund als "sozialer Katalysator"
Der Hund könne als "sozialer Katalysator" helfen, eine tragfähige Arbeitsbeziehung zu hilfsbedürftigen Menschen aufzubauen, schreibt das gemeinnützige Unternehmen Präventsozial, das hinter dem Projekt steht. "Besteht eine Affinität zu Hunden, wirken diese nachweislich blutdrucksenkend sowie puls- und atmungsregulierend."
"Es braucht dazu Hunde, die vom Temperament her etwas gediegener sind", sagt Sabine Kubinski, Hundeführerin bei Präventsozial. Die Begleitung von Vernehmungen bringe besondere Anforderungen mit sich. Entscheidend sei, dass der Hund die Aussage nicht störe - auch dann nicht, wenn starke Emotionen im Raum hochkochten. Das Tier müsse Ruhe ausstrahlen.
Justizministerium hofft auf Gewinn für den Rechtsstaat
Die Hunde werden gezielt für den Einsatz im Gerichtssaal geschult. "Wenn für den Zeugen eine entspanntere Atmosphäre und mehr Sicherheit geschaffen werden kann, gewinnt auch der Rechtsstaat - weil wir für die Richter eine qualitativ bessere Aussage erhalten können", sagt eine Sprecherin des Justizministeriums.
Meist liegen die Hunde auf einer Decke neben den Zeugen oder Opfern und dienen als "Ankerpunkt", erläutert Kubinski. Die Befragten halten die Leine oder streicheln das Fell. Gerade Sexualdelikte seien oft mit Scham behaftet. "Es kann schwierig sein, anderen Menschen bei der Aussage in die Augen zu schauen." Dann könne der Blick auf den Hund helfen.


