Die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf ist in Wiesbaden mit dem renommierten Georg-August-Zinn-Preis der hessischen SPD ausgezeichnet worden. "Mit ihrer Arbeit setzt sie wichtige Impulse für das Verständnis des Grundgesetzes und damit für die Stärkung des Rechtsstaats und des demokratischen Gemeinwesens", heißt es in der Begründung weiter.
Im zurückliegenden Sommer hatte es um die Kandidatur von Brosius-Gersdorf für eine Richterstelle am Bundesverfassungsgericht einen langen Konflikt in der schwarz-roten Bundesregierung gegeben. Teile der Unionsfraktion stellten sich gegen die SPD-Kandidatin. Als Grund wurden unter anderem Äußerungen zum Schwangerschaftsabbruch angeführt. Die Staatsrechtlerin Brosius-Gersdorf verzichtete schließlich auf einen Posten in Karlsruhe.
In ihrer Laudatio erklärte die Präsidentin der Justus-Liebig-Universität Gießen, Katharina Lorenz, Brosius-Gersdorf habe ihre Kandidatur nicht zurückgezogen, weil etwa die Vorwürfe haltbar gewesen wären. "Sie taten es, um zu verhindern, dass unser höchstes Gericht durch politische Scharmützel beschädigt wird", so Lorenz zu Brosius-Gersdorf. "In diesem Moment waren Sie die Verteidigerin der Verfassung, ganz ohne die Robe angelegt zu haben."
Der mit 5.000 Euro dotierte Georg-August-Zinn-Preis wird alle zwei Jahre gemeinsam von der hessischen SPD-Landtagsfraktion und dem SPD-Landesverband verliehen. Gewürdigt wird herausragendes Engagement für die demokratische Gesellschaft, den Rechtsstaat und ein gerechtes Miteinander. Die Auszeichnung erinnert an den sozialdemokratischen Ministerpräsidenten des Landes Hessen (1950-1969). Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören unter anderem die Fußballspielerin Steffi Jones, die Schauspielerin Iris Berben und die Stadt Hanau.


