Das Bundeskriminalamt (BKA) hat in Kooperation mit dem Bundesministerium des Innern und dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Dunkelfeld-Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)" durchgeführt. Rund 15.000 Personen im Alter von 16 bis 85 Jahren wurden im Zeitraum zwischen Juli 2023 und Januar 2025 zu ihren Erfahrungen, Einstellungen und Verhaltensweisen in verschiedenen Lebensbereichen, insbesondere zu Partnerschaftsgewalt, sexualisierter Gewalt, Stalking und Gewalt im digitalen Raum befragt.
Die Studie beleuchte erstmals umfassend, so das BKA, wie viele Menschen tatsächlich von Gewalt betroffen seien – unabhängig davon, ob diese Taten der Polizei bekannt oder angezeigt wurden. Damit werde eine "langjährige Datenlücke in Deutschland" geschlossen.
"Gewalt ist kein Randphänomen"
Zentrales Ergebnis der Befragung: Die Anzeigequoten seien unabhängig von der Form der erfahrenen Gewalt durchgehend niedrig und lägen bei den meisten Gewaltformen unter 10%. Innerhalb von (Ex-)Partnerschaften würden die Anzeigequoten sogar unter 5% liegen. "Das Dunkelfeld bei partnerschaftlicher und sexualisierter Gewalt ist riesig. Gewalt ist kein Randphänomen, sie betrifft Millionen Menschen in unserem Land", erklärte Bundesfamilienministerin Karin Prien.
Außerdem seien Frauen meist häufiger und stärker von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen als Männer: Über ein Drittel der Frauen (34,7%) und etwa jeder siebte Mann (14,5%) sei in den letzten fünf Jahren von sexueller Belästigung ohne Körperkontakt betroffen gewesen, heißt es in der Studie weiter, bei sexueller Belästigung mit Körperkontakt lägen die Werte bei 14,5% (Frauen) und 4,6% (Männer). Mehr als jede zehnte Person (11,2%) sei in ihrem Leben Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden. Auch hier seien Frauen deutlich stärker betroffen als Männer. Bei Frauen war der Ex-Partner bzw. die Ex-Partnerin am häufigsten Täter bzw. Täterin (46,5%), bei Männern eine flüchtig bekannte Person (33,3%).
Von emotionaler und körperlicher Gewalt in (Ex-)Partnerschaften seien Frauen und Männer gleichwohl ähnlich häufig betroffen. Frauen erlitten jedoch im Vergleich zu Männern in Gewaltsituationen mehr Verletzungen, schätzten die Lebensgefahr als größer ein und empfänden stärkere Angst. Knapp die Hälfte der Frauen (48,7%) und 40,0% der Männer würden mindestens einmal in ihrem Leben psychische Gewalt durch eine Ex-Partnerin oder einen Ex-Partner erleben. Eine Betrachtung der letzten fünf Jahre zeige, dass 23,3% der Männer und 23,8% der Frauen von psychischer Gewalt betroffen gewesen seien. Von körperlicher Gewalt seien 5,2% der Frauen und 6,1% der Männer in den letzten fünf Jahren betroffen gewesen.
Junge Menschen von nahezu allen Gewaltformen häufiger betroffen
Neben dem Geschlecht spiele auch das Alter bei Gewalterfahrungen eine Rolle. Junge Menschen seien nahezu von allen Gewaltformen deutlich häufiger betroffen als ältere Menschen. Jüngeren Personen widerfahre Gewalt besonders häufig durch sexuelle Belästigung, in Form von digitaler Gewalt und verabreichten K.O.-Tropfen. Ein relevanter Teil der Bevölkerung berichte darüber hinaus davon, in der Kindheit und Jugend schon einmal Gewalt durch Eltern oder Erziehungsberechtigte erlebt zu haben. Mehr als jede zweite junge Person sei von körperlicher Gewalt und mehr als jede dritte Person von psychischen Gewalterfahrungen betroffen.
Weitere, im Vergleich zur restlichen Bevölkerung besonders stark mit Gewalt konfrontierte Gruppen, seien Personen mit Migrationshintergrund – auch hier vor allem Frauen – sowie Angehörige der LGBTIQ*-Community.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verwies anhand der Zahlen darauf, dass es gut sei, dass das spanische Modell der Fußfessel auch in Deutschland kommt. Der Einsatz von K.o.-Tropfen werde zudem künftig so geahndet wie der Einsatz einer Waffe. "Wir setzen früh an und klären junge Menschen auf, an welcher Stelle Gewalt in der Partnerschaft beginnt. Es geht um mehr Schutz für die Opfer und härtere Strafen für die Täter", so der Minister.


