Genuss optional: So wird in britischen Kanzleien gegessen
© Gerhard Seybert / stock.adobe.com

Von Sushi bis Kantinenfraß – eine Umfrage unter britischen Jung-Anwältinnen und Anwälten zeichnet ein buntes Bild der örtlichen Anwaltsverpflegung. Manche Betriebskantinen kommen dabei gut weg, andernorts bevorzugt man aber doch die Imbissbuden um die Ecke.

Mehr als 2.000 Trainees und Junior Associates haben laut einer Umfrage von Legal Cheek die "Wahrheit darüber" ausgepackt, was in ihren Kanzleien wirklich serviert wird. Mehr als "Gerechtigkeit, und zwar kalt" konnten dabei vor allem nur solche angehenden Anwältinnen und Anwältinnen antworten, die innerhalb von London angestellt waren. Auf dem Land nehme man es nicht so ernst mit der Verpflegungskultur, Kantinen suche man dort in den meisten Fällen vergebens. Selbst die Teeküchen seien dort teilweise derart schlecht ausgestattet, dass das Mitbringen des Lunches eine "logistische Herausforderung" sei. Und das sowohl bei Wald- und Wiesen-Kanzleien als auch bei Außenstellen großer Namen.

Gourmet-Essen bei den Front-Runnern

In der britischen Hauptstadt hingegen sei das Kantinenangebot umso mannigfaltiger. Einige Restaurants könnten sogar Marco Pierre White beeindrucken, einen der wohl berühmtesten Köche des Landes und Lehrmeister von Gordon Ramsey. So etwa das hauseigene Restaurant von Travers Smith – das Braithwaite’s. Ein nach internen Angaben "unglaubliches" Etablissement mit kostenlosen Mahlzeiten und nachhaltigen Zutaten. Ein Insider lobt das umfangreiche Frühstück mit Eiern, Porridge und Joghurt, variierenden Mittagsmenüs mit diversen vegetarischen, veganen und Halal-Optionen inklusive Salat-, Suppen und Dessertbuffet.

Auch einige US-Kanzleien würden sich in Food-Belangen nicht lumpen lassen. In Bird & Birds elftem Stock gebe es etwa Steaks für nur 4,60 Pfund, bei Paul Weiss dürfe man sich seit dem Umzug in die ehemaligen Twitter-Geschäftsräume über ein eigenes Sushi-Restaurant freuen, das von einem "marktführenden Sushikoch" angeführt werde. "Weltklasse", so eine der befragten Personen. Bei White & Case gebe es derweil drei kostenlose Gourmet-Mahlzeiten pro Tag. Ob frische Omelettes, Kaffee von hauseigenen Baristas oder umfangreiche Kuchenkarten. Kein Sachverhalt, den es für Juniors zu beklagen gelte.

Keine Grenzen nach unten

Doch neben den Stars und Sternchen der Kanzleikantinen-Kulinarik betont man wohl noch die "Kantine". Man fühle sich dort eher an die guten alten Schulmenüs erinnert, was Bilder lauwarmen Kartoffelbreis, stückiger Soßen und mysteriösen Fleischauslesen ("mystery meat") aus der Erinnerung hervorhole. In Sachen Würzung fehle es an Grundlagen – sogar am Salz werde gespart. Einerorts warnt man vor dem trockenen Hühnchen und latschigen Fritten, in anderen Kanzleien rätsele man über "Bratensoßen auf Salat". Bemängelt wurde auch fehlende Rücksicht auf vegane oder vegetarische Ernährungsformen. Im Londoner Stadtteil Spitalfields gehe man ohnehin lieber zu den Straßenständen für mehr Auswahl und einfach "schmackhafteres Essen".  

Was im Allgemeinen an Geschmack fehle, würden einige Kanzleien mit Knauserei wieder wettmachen. Bei einer Top-5-Großkanzlei zahle man inzwischen zwölf Pfund für ein zwar vergünstigtes, aber "wirklich mittelmäßiges" Curry, während die Salatbowls nach Gewicht zu bezahlen seien. In einigen Betrieben stelle man fest, dass Portionsgrößen schrumpfen, die Preise hingegen ansteigen – "workplace shrinkflation".

Bei aller Kritik sei das Service-Personal indes durch die Bank weg ausgenommen. An diversen Standorten lobte man die "Dinner Ladies" als zuvorkommend, wundervoll und – natürlich – "lovely". Ob Addleshaw Goddard, Baker McKenzie, Ashurst oder Mishon de Reya. Jedenfalls der Service passe.  

Redaktion beck-aktuell, tbh, 3. Dezember 2025.

Mehr zum Thema