Wenn Staatsanwaltschaft und Gericht kuscheln: Bremer Justiz blamiert sich mit Taylor-Swift-Meme
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Die Bremer Justizverwaltung veröffentlichte auf Social Media unter der Schlagzeile "Deine Bewerbung ist unser Travis" das Verlobungsfoto von Taylor Swift - mit kleinen Zusätzen. Das Meme sollte junge Menschen für eine Karriere in der Justiz begeistern und sorgte für Aufsehen, allerdings nicht in der erhofften Weise. 

Das Verlobungsfoto der US-Sängerin Taylor Swift mit dem Sportler Travis Kelce ist mit über 30 Millionen Likes auf Instagram schon jetzt eines der beliebtesten Fotos des Jahres. Auf diesen Hype wollte offensichtlich auch die Justiz Bremen aufspringen und veröffentlichte das Foto, auf dem sich die beiden Turteltäubchen umgeben von Rosen innig umarmen. Über Taylor Swift stand "Staatsanwaltschaft", über Travis Kelce "Gerichte". Darunter fand sich die Caption: "Deine Bewerbung ist unser Travis". Was das im Zusammenhang mit dem Bild bedeuten sollte? Unklar.

Das Internet reagierte, wie man es kennt: schnell, spöttisch und teils entsetzt. Was als modernes Recruiting-Instrument geplant war, wurde binnen Stunden zum Minenfeld. Der Jurist Gebhard Mehrle kommentierte auf LinkedIn, seine Töchter würden bei so einem Versuch, "cool" zu sein, nicht einmal die Augenbraue heben. Rechtsanwalt Volker Stück brachte es auf LinkedIn noch drastischer auf den Punkt: "Will man mit solch billiger Trash-Werbung auf TikTok-Niveau den juristischen Top-Nachwuchs für sich gewinnen?"

"Gerichte und Staatsanwaltschaften sollten nie per se crazy in Love sein"

Der Vorwurf, bloß uncool zu sein, wäre für die Bremer Justizverwaltung sicher nicht so schlimm gewesen, doch zahlreiche Stimmen aus der Rechtswissenschaft und Anwaltschaft kritisierten das Meme auch auf einer deutlich tieferen Ebene: Als Symbol für den laxen Umgang mit der Gewaltenteilung.

Rechtsanwalt Maximilian Krämer brachte die Kritik auf den Punkt: "Wenn Gericht und Staatsanwaltschaft 'ein Paar' sind, brauchen wir kein Ermittlungsverfahren mehr. Dann ist die Richtung von vornherein klar – und zwar zulasten des Beschuldigten." In einem funktionierenden Strafverfahren seien Gericht und Staatsanwaltschaft keine Partner, sondern institutionell und funktional strikt getrennt. Wer diese Trennung ins Lächerliche ziehe, beschädige das Vertrauen in den Rechtsstaat. So auch der schleswig-holsteinische Richter Dirk Meisterjahn auf Instagram: "Gerichte und Staatsanwaltschaften sollten nie per se crazy in Love sein."

Auch der Strafrechtsprofessor Holm Putzke meldete sich auf LinkedIn zu Wort. Für ihn offenbart der Post weniger einen Kommunikationsunfall als ein tiefes Missverständnis der eigenen Rolle: "Vermutlich finden die Bremer Justiz-Influencer das witzig. Das Problem: Sie erkennen nicht einmal, was daran problematisch ist." Besonders in Bayern, so Putzke, sei die Nähe zwischen Staatsanwälten und Richterinnen oft auch räumlich auffällig. Die Gewaltenteilung zwischen Judikative und Exekutive "sollte nicht nur auf dem Papier stehen - das sollte und muss gelebt werden."

Durchlässige Laufbahn in einigen Bundesländern

Mit dem Hinweis auf Bayern verweist Putzke auf eine Besonderheit, die sich nicht auf alle Bundesländer übertragen lässt. Im Freistaat und beispielsweise auch in Baden-Württemberg ist die Karriere zwischen Gericht und Staatsanwaltschaft traditionell besonders durchlässig. Wer dort in den höheren Justizdienst einsteigt, muss zwingend beide Stationen durchlaufen. Diese rotierende Ausbildung soll die juristische Breite fördern, führt aber auch dazu, dass die Rollenbilder verschwimmen. In anderen Bundesländern, etwa in Nordrhein-Westfalen Sachsen‑Anhalt, Sachsen oder Thüringen, ist eine solche Durchlässigkeit nicht so üblich. Diese Problematik spricht auch Rechtsanwalt Jan Lam an: "Die Nähe zwischen Gerichten und Staatsanwaltschaften ist systemisch bedingt, im Ausbildungsweg bereits angelegt und vom Gesetzgeber so gewollt. Ein Gegenmittel wäre eine höhere Durchlässigkeit für Rechtsanwälte, wie sie in den USA üblich ist."

Die Reaktionen auf den Post fielen somit deutlich aus – und führten offenbar schnell zu Konsequenzen: Bereits nach einem Tag verschwand das Meme kommentarlos von den offiziellen Kanälen der Justiz Bremen.

Taylor Swift und Travis Kelce – wie Gericht und Staatsanwälte?

Doch was genau sollte es denn nun bedeuten? Auf Anfrage von beck-aktuell erklärte am Donnerstag die Bremer Justiz-Pressesprecherin Stephanie Dehne: "Wir hatten das Foto gestern spontan betitelt mit folgendem Gedanken: Beide Elemente (Gerichte und Staatsanwaltschaft) tragen eine funktionierende Strafjustiz." Damit habe man jedoch nicht die getrennten Rollen im Strafprozess in Frage stellen wollen, betonte sie. "Klar ist: Beide haben unterschiedliche Rollen und Aufträge, sie sind beide relevante Akteure der Strafjustiz und sind eben nicht in einer symbiotischen Beziehung (die wir bei Taylor Swift und ihrem Verlobten eben auch nicht wahrnehmen, sondern zwei selbstbewusste, eigenständige Erwachsene). Diesen Gedanken konnten wir offenbar nicht allen vermitteln, wahrgenommen wurde von einzelnen kommentierenden Rechtsanwält:innen nur die vorgebliche 'innige Liebe'. Zur weiteren Vermeidung subjektiver Irritationen haben wir den Post gelöscht."

Von fehlender Distanz zwischen Gerichten und Staatsanwaltschaften will man in der Hansestadt jedenfalls nichts wissen: "Die von Ihnen geschilderte Kritik nehme ich zur Kenntnis. Wer mit Bremer Verhältnissen vertraut ist, geht selbstverständlich nicht von einem 'Näheverhältnis' zwischen Staatsanwaltschaft und Strafgerichten aus, dazu gibt es weder nach der Aufgabe, noch dem Amtsverständnis irgendeinen Anhaltspunkt."

Redaktion beck-aktuell, Maximilian Amos & Dr. Jannina Schäffer, 28. August 2025.

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