Prügelnder Richter: Neues Banksy-Kunstwerk am Royal Courts of Justice
© picture alliance / REUTERS | Simon Gardner

Das neueste Graffiti des Street-Art-Künstlers Banksy zeigt einen Richter, der auf einen am Boden liegenden Demonstranten einzuschlagen scheint. Der Standort des Kunstwerks: Der britische Royal Courts of Justice in London.

Das Kunstwerk an der Fassade des Londoner Gerichtskomplexes zeigt einen Richter in Robe mit der in Großbritannien traditionell üblichen Lockenperücke. Er hält einen Richterhammer über einen am Boden liegenden Demonstranten, der ein blutverschmiertes Plakat in den Händen hält. Die Darstellung ist in Banksys typischer Schablonentechnik umgesetzt.

Der Künstler selbst veröffentlichte am Montag auf Instagram ein Foto der Szene, versehen mit dem Hinweis "Royal Courts of Justice". Bereits kurz nach dem Auftauchen wurde das Werk mit schwarzen Plastikplanen und Metallwänden verhüllt, Sicherheitskräfte wurden vor Ort postiert.

Massenverhaftungen bei Solidaritätskundgebungen

Auch wenn ein neuer Banksy immer für Aufregung sorgt, ist der Zündstoff seines neuesten Graffito besonders groß. Das Motiv erscheint inmitten einer angespannten politischen Lage: Seit Wochen kommt es in Großbritannien zu Solidaritätskundgebungen für die inzwischen verbotene Gruppe Palestine Action. Die britische Regierung hatte die Organisation Anfang Juli unter Berufung auf das Antiterrorgesetz von 2000 zur Terrorvereinigung erklärt, wie Deutschlandfunk berichtet. Die Mitgliedschaft oder Unterstützung ist seither strafbar und kann mit Freiheitsstrafen von bis zu 14 Jahren geahndet werden.

Die Szene an der Gerichtsfassade wird von Beobachterinnen und Beobachtern als Kommentar zur harten Gangart von Polizei, Justiz und Behörden verstanden. Erst am vergangenen Wochenende war es in London zu vielen Festnahmen im Zusammenhang mit Palästina-Kundgebungen gekommen. Laut BBC, die auf Aussagen der Polizei verweist, wurden dabei 890 Menschen in Gewahrsam genommen. Betroffen waren auch Personen, die Transparente mit der Aufschrift "Ich bin gegen Völkermord. Ich unterstütze Palestine Action" und ähnliches hochhielten.

Kritik an Einschränkung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit

Die Organisation Defend our Juries, die wöchentliche Solidaritätsproteste organisiert, bezeichnete den Umgang mit den Demonstrationen nach Angaben von sky news als "brutal".  Sie kritisierte unter anderem das britische Antiterrorgesetz. "Wenn das Gesetz als Werkzeug zur Zerstörung von Bürgerrechten benutzt wird, löscht das den Widerspruch nicht aus, sondern stärkt ihn", erklärte ein Sprecher. Die Gruppe sieht in Banksys Arbeit einen visuellen Hinweis auf die Gefahren, die mit der Kriminalisierung politischer Proteste verbunden sind.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International warnten ebenfalls vor einer Einschränkung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit. "Der Einsatz von Gerichten und Gefängnissen zur Bestrafung friedlicher Demonstranten unter Berufung auf Antiterrorgesetze ist ein eklatanter Verstoß gegen die Verpflichtungen des Vereinigten Königreichs nach internationalem Menschenrecht", so Kerry Moscoguiri.

Die Londoner Polizei rechtfertigte ihr Vorgehen unterdessen mit dem Hinweis auf die Gefährlichkeit der verbotenen Organisation. Polizeisprecherin Claire Smart erklärte, wer öffentlich die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung bekunde, müsse mit Konsequenzen rechnen. Bei den Aktionen von Palestine-Action-Anhängern sei es zu "intolerablen Missbrauch" gegenüber Einsatzkräften gekommen.

Banksy schon immer politisch

Banksy ist seit mehr als 25 Jahren für seine gesellschaftskritischen Graffiti und Schablonenarbeiten bekannt, die oft politische Missstände, soziale Ungerechtigkeit oder die Kommerzialisierung der Kunstwelt thematisieren. Über die Identität des Künstlers wird seit Jahrzehnten spekuliert. Seine Werke tauchen meist ohne Vorankündigung im öffentlichen Raum auf, werden fotografiert, geteilt und anschließend nicht selten entfernt oder verhüllt.

Eines seiner frühesten Werke, The Mild, Mild West (1999) in Bristol, zeigt einen Teddybären, der einen Molotow-Cocktail auf drei Polizisten wirft, und thematisiert Konflikte zwischen Jugendlichen und Polizei. Ein weiteres bekanntes Beispiel ist Girl with Balloon, das 2002 in London erschien und später weltweite Aufmerksamkeit erlangte, unter anderem durch die spektakuläre Selbstzerstörung des Werks bei einer Auktion 2018.

Banksy hat sich wiederholt künstlerisch mit dem Nahostkonflikt auseinandergesetzt und dabei ikonische Werke geschaffen. Das Kunstwerk Flower Thrower wurde 2003 in Beit Sahour im Westjordanland an eine Hauswand gesprüht. Es zeigt einen maskierten Mann, der einen Strauß Blumen wie einen Molotow-Cocktail wirft. 2005 entstand das Graffiti Flying Balloon Girl an der Westbank-Mauer bei Qalandia. Es zeigt ein junges Mädchen, das an einem Strauß von sieben Ballons emporsteigt und symbolisiert damit den Wunsch nach Freiheit.

Redaktion beck-aktuell, Dr. Jannina Schäffer, 9. September 2025.

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