Ein Redner, der Ende November beim AfD-Jugendkongress in Gießen mit einer Rede im Stil von Adolf Hitler für Aufsehen gesorgt hatte, soll aus der Partei ausgeschlossen werden. Der zuständige AfD-Kreisverband Herford in Ostwestfalen habe beim Landesschiedsgericht ein Parteiausschlussverfahren gegen Alexander Eichwald beantragt, verlautete aus Parteikreisen. Der Antrag werde derzeit vom Schiedsgericht geprüft. Es sei mit einer "zeitnahen Eröffnung" des Verfahrens zu rechnen, hieß es weiter. Schon mit der Eröffnung des Verfahrens könnten Eichwald die Mitgliedsrechte entzogen werden.
Der Mann mit den langen dunklen Haaren hatte sich Ende November bei der Gründungsveranstaltung der neuen AfD-Jugendorganisation "Generation Deutschland" (GD) in Gießen für einen Vorstandsposten beworben. In seiner Bewerbungsrede fuchtelte er mit dem Finger, sprach mit rollendem "R" und rief in den Saal: "Die Liebe und Treue zu Deutschland teilen wir uns hier gemeinsam" und "es ist und bleibt unsere nationale Pflicht, die deutsche Kultur vor Fremdeinflüssen zu schützen". Der Auftritt erinnerte in Ton und Stil an NS-Reichskanzler Adolf Hitler. AfD-intern und im Netz kam eine Diskussion darüber auf, ob das eine gezielte Aktion war.
Aus Fraktion im Stadtrat bereits abgezogen
Die AfD in Herford hatte Eichwald nach dem Auftritt aus ihrer Fraktion im dortigen Stadtrat geworfen. Der AfD Kreisverband Herford bereitete das Parteiausschlussverfahren vor. Nach früheren Angaben des Bielefelder AfD Bundestagsabgeordneten Maximilian Kneller war Eichwald erst seit ein paar Wochen zuvor Mitglied in der AfD. Kaum jemand habe ihn gekannt, bis zu seinem Auftritt in Gießen habe er sich unauffällig verhalten. Das spreche dafür, dass dieser eine Aktion gewesen sei. Das sah in Gießen offenbar nicht jeder so. Bei der Kampfkandidatur, bei der er antrat, erhielt Eichwald immerhin 12,28 Prozent der Stimmen.
Mitte Dezember habe die Herforder AfD den inzwischen fraktionslosen Eichwald als sogenannten sachkundigen Bürger fast aller Positionen in Ratsausschüssen enthoben, sagte ein Sprecher der Stadt Herford. Sachkundige Bürger sind gewählte ehrenamtliche Mitglieder in Fachausschüssen. Ende Februar soll Eichwald per Ratsbeschluss aus einem letzten noch verbliebenen Ausschuss abgezogen werden. Dann habe er keine offizielle Funktion und damit auch kein Rederecht mehr.


