"Are You With Me?": Autorin von Kinderbuch zur  Trauerbewältigung tötete ihren Ehemann

Makabrer Plot-Twist in Wisconsin: Nach dem Tod ihres Ehemannes schrieb die 35-Jährige Kouri Richins ein Kinderbuch über Trauerbewältigung. In ihrem Mordprozess wurde nun klar, dass sie ihren Mann selbst vergiftet hatte.

Im März 2023 erschien in den USA ein illustriertes Kinderbuch mit dem Titel "Are You With Me?". Der Verlag beschrieb es als herzerwärmende Erzählung über einen Jungen, der nach dem Verlust seines Vaters lernt, dass dieser immer für ihn da sein werde. Die Autorin: Eine damals 33-jährige Mutter aus Utah, die erst ein Jahr zuvor, vermeintlich überraschend, ihren Mann verloren hatte. Nach eigenen Angaben habe das Verfassen des Buches ihr und dem hinterbliebenen Sohn dabei geholfen, im Trauerprozess "ein wenig Ruhe" zu finden.

Wenige Jahre später, am 16. März 2026, wurde die Autorin, Kouri Richins, von einer Geschworenenjury wegen Mordes für schuldig befunden. Nach den Erkenntnissen des Gerichts hatte sie ihren Mann Eric Richins mit einer Überdosis Fentanyl eigenhändig getötet.

Belastende Suchanfragen

Den Notruf aus der Tatnacht hatte sie selbst abgesetzt. Gegen 3 Uhr am 4. März 2022 meldete sie, ihren Ehemann leblos in ihrem gemeinsamen Bett gefunden zu haben. Später erklärte sie, sie habe ihm am Abend zuvor einen Moscow Mule gemixt, dann aber einige Stunden im Zimmer des gemeinsamen Sohnes geschlafen, der einen Albtraum gehabt habe. Die Autopsie ergab, dass Eric Richins mehr als das Fünffache einer tödlichen Fentanyl-Dosis im Blut hatte. Die Substanz war unrein und damit wohl illegal erworben worden.

Bald zweifelten die Ermittlungsbeamten an der Geschichte Richins. So hatte sie behauptet, ihr Mobiltelefon zum Aufladen im Schlafzimmer gelassen zu haben, während sie sich um ihren Sohn kümmerte. Doch ihre Handydaten zeigten, dass sie in dieser Zeit aktiv ihr Handy genutzt hatte und Nachrichten sendete und löschte. Es folgte eine Hausdurchsuchung, bei der das iPhone der 33-jährigen sichergestellt wurde. Die Suchanfragen ergänzten den Verdacht. So etwa "Was ist die tödliche Dosis für Fentanyl", "Können Polizisten ('Cops') gelöschte iPhone-Nachrichten auslesen", "Frauengefängnis Utah" und "Wenn jemand vergiftet wird, was steht dann auf der Todesurkunde".

Wohl finanzielle Motive

Zuletzt suchte sie auch nach Details, die auf ihr Tötungsmotiv hindeuteten: "Todesurkunde noch in Bearbeitung, zahlt die Lebensversicherung trotzdem" sowie "Luxusgefängnis für die Reichen in Amerika". Die Anklage nannte Richins später eine "intensiv ehrgeizige", aber "inkompetente" Geschäftsfrau, die wohl trotz massiver Schulden als wohlhabend dastehen wolle.

Nach Feststellungen des Gerichts stand sie aufgrund ihres unerfolgreichen "House Flipping"-Geschäfts auf einem Schuldenberg von etwa 1,6 Millionen Dollar. Zudem hatte sie diverse Kredite mit dem Haus ihres Mannes besichert und unbemerkt vier Lebensversicherungen im Wert von knapp zwei Millionen Dollar auf seinen Namen abgeschlossen. Ihrer Affäre schrieb sie derweil, dass sie plane, ihren Mann zu verlassen und "Millionen" aus der Scheidung zu bekommen. Tatsächlich hatte Eric Richins sie schon 2020 heimlich aus ihrem Testament gestrichen und ihre Schwester als Vormund für die Kinder eingesetzt. Als sie dies erfuhr, habe sie ihre Schwägerin laut den Gerichtsakten aufgesucht und mehrfach ins Gesicht geschlagen haben.

Fentanyl von der Straße

Das Summit County Bezirksgericht eröffnete den Mordprozess am 23. Februar und förderte dabei weitere brisante Falldetails zutage. Richins Verteidigung warf den Ermittlerinnen und Ermittlern "schlampige" (engl. "sloppy") und voreingenommene Arbeit vor. Viel näher liege, dass Eric Richins aufgrund seiner Borreliose-Erkrankung selbst seiner Schmerzmittelsucht erlegen sei.

Das Gegenteil erzählte hingegen eine Kronzeugin – die Haushälterin der Richins, die im Gegenzug für ihre Immunität aussagte. Ihr zufolge habe Kouri Richins sie insgesamt viermal darum gebeten, ihr Schmerzmittel zu beschaffen. Angeblich wolle sie damit einen Investor überraschen, der an starken Rückenschmerzen leide. In einem Fall habe sie sogar konkret nach dem "Michael Jackson stuff" gefragt – eine Anspielung auf den tödlichen Drogencocktail, der den Pop-Sänger getötet hatte.

"Kouri Richins ist eine Makler-Mutter aus den Vororten: Sie weiß nicht viel über die Welt der illegalen Straßendrogen, aber weiß durchaus, dass Michael Jackson an Drogen gestorben ist", so der Staatsanwalt Brad Bloodworth in der Verhandlung. "Sie wollte es, weil es tödlich ist – weil es tötet."

Buch als Tarnungsversuch

Nach Berichten des National Public Radio (NPR) sollen die Gerichtsakten auch einen zweiten Mordversuch vom vorangegangenen Valentinstag erwähnen. So habe Richins ihren Mann mit einem Sandwich in einen allergischen Schock versetzt. Er habe sich mit einem Autoinjektor selbst retten können, habe Bekannten danach aber erzählt, seine Frau habe versucht, ihn zu vergiften.

Das Trauerbewältigungs-Kinderbuch wurde unterdessen zum zentralen Punkt der Anklage. Die Staatsanwaltschaft legte es als Tarnungsversuch aus, zumal Richins das Buch nicht selbst, sondern über eine Ghostwriting-Firma verfasst habe. Dieses Bild vervollständigte sich durch ein anonymes Paket, dass nach Kouri Richins Verhaftung bei der Polizei eingegangen war. Es enthielt eben jenes Buch mit einer handgeschriebenen Notiz: "Für jede Geschichte gibt es zwei Seiten. Das hier ist die wahre Kouri, eine hingebungsvolle Ehefrau und liebevolle Mutter".

Kouri Richins erwartet nach dem Schuldspruch in allen Anklagepunkten nun ihre Verurteilung am 13. Mai 2026. Eine Verurteilung wegen qualifizierten Mordes ("aggravated murder") ist mit einer Gefängnisstrafe von 25 Jahren bis lebenslänglich bedroht, hinzu tritt der Vorwurf des versuchten qualifizierten Mordes, Urkundenfälschens und Versicherungsbetruges in zwei Fällen.

Ein weiteres Strafverfahren, unter anderem wegen Hypothekenbetrug, Geldwäsche und Scheckbetrug ist weiterhin anhängig, ebenso wie ein zivilrechtlicher Prozess gegen Eric Richins übrige Familie.

Redaktion beck-aktuell, tbh, 19. März 2026.

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