Russ­land: Fö­de­ra­ti­ons­rat ra­ti­fi­ziert An­ne­xi­on ukrai­ni­scher Ge­bie­te

Der Fö­de­ra­ti­ons­rat hat die Ein­ver­lei­bung der ukrai­ni­schen Ge­bie­te Lu­hansk, Do­nezk, Sa­po­risch­sch­ja und Cher­son ra­ti­fi­ziert. Das Ober­haus des rus­si­schen Par­la­ments habe heute in Mos­kau ein­stim­mig für die Auf­nah­me der Re­gio­nen in die Rus­si­sche Fö­de­ra­ti­on vo­tiert, mel­de­te die staat­li­che Nach­rich­ten­agen­tur Tass. Putin muss das An­ne­xi­ons­ge­setz nun noch un­ter­schrei­ben, dann tritt es in Kraft. Zuvor hatte die rus­si­sche Staats­du­ma in Eil­ver­fah­ren be­reits Ge­set­ze zur In­te­gra­ti­on der vier von Mos­kau an­nek­tier­ten Ge­bie­te in der Ukrai­ne ver­ab­schie­det. 

Auch Ver­fas­sungs­ge­richt be­stä­tig­te An­ne­xi­on

"Die Ge­set­ze stär­ken voll­ends die wich­tigs­ten so­zia­len und wirt­schaft­li­chen Ga­ran­ti­en der auf den Ter­ri­to­ri­en le­ben­den Men­schen und schaf­fen ein Sys­tem des Rechts- und Frei­heits­schut­zes der Bür­ger", er­klär­te der Lei­ter des Duma-Rechts­aus­schus­ses Pawel Kra­schen­ni­kow ges­tern der Nach­rich­ten­agen­tur In­ter­fax zu­fol­ge. Zuvor hatte das rus­si­sche Ver­fas­sungs­ge­richt die An­ne­xi­on für rech­tens er­ach­tet. Staats­chefs von neun Nato-Mit­glie­dern ver­ur­tei­len diese hin­ge­gen.

Ei­gen­tum, Staats­bür­ger­schaft und Macht­or­ga­ne

Die Ge­set­ze sol­len Fra­gen zu Ei­gen­tum, Staats­bür­ger­schaft und den neuen Macht­or­ga­nen in den Ge­bie­ten Cher­son, Do­nezk, Lu­hansk und Sa­po­risch­sch­ja re­geln. Die rus­si­sche Staats­bür­ger­schaft sol­len alle Be­woh­ner der Ge­bie­te er­hal­ten, die einen Pass be­an­tra­gen und einen Eid auf die Ver­fas­sung des Lan­des leis­ten. Ein­her geht dies mit dem Ver­spre­chen einer Ren­ten­zah­lung und der Kran­ken­ver­sor­gung. Der Rubel wird als Wäh­rung ein­ge­führt, bis Jah­res­en­de kön­nen die Ein­woh­ner dort je­doch auch noch par­al­lel mit ukrai­ni­schen Hry­w­na be­zah­len. Bis 01.06.2023 sol­len die neuen Ver­wal­tungs­or­ga­ne in den Re­gio­nen ge­schaf­fen wer­den.

Re­pu­blik­sta­tus für Lu­hansk und Do­nezk

Cher­son, Do­nezk, Lu­hansk und Sa­po­risch­sch­ja wur­den nach Schein­re­fe­ren­den in einem völ­ker­rechts­wid­ri­gen Akt von Russ­land an­nek­tiert. Kreml­chef Wla­di­mir Putin hatte am Frei­tag mit den von Mos­kau ein­ge­setz­ten Be­sat­zern in­ter­na­tio­nal nicht an­er­kann­te Ver­trä­ge über den Bei­tritt un­ter­zeich­net. Am Mon­tag hatte die Staats­du­ma diese Ver­trä­ge ra­ti­fi­ziert. Die nun er­las­se­nen Ge­set­ze sol­len ihren Sta­tus als Teile Russ­lands un­ter­mau­ern. Wie aus den Un­ter­la­gen des Ver­fas­sungs­ge­richts, das über die An­ne­xi­on zu ur­tei­len hatte, laut Me­di­en­be­rich­ten her­vor­geht, sol­len die vier Ge­bie­te ihre Namen be­hal­ten. Lu­hansk und Do­nezk sol­len den Sta­tus einer Re­pu­blik be­kom­men – mit einem hö­he­ren Grad an Au­to­no­mie –, Cher­son und Sa­po­risch­sch­ja da­ge­gen nur den Sta­tus eines Ge­biets. An­fang 2023 solle in den vier Re­gio­nen die rus­si­sche Wäh­rung, der Rubel, ein­ge­führt wer­den. Die Re­gio­nal­par­la­men­te sol­len dem­nach im Sep­tem­ber nächs­ten Jah­res ge­wählt wer­den.

Ver­fas­sungs­ge­richt be­schei­nigt Recht­mä­ßig­keit der An­ne­xi­on

Russ­lands Ver­fas­sungs­ge­richt hatte in der in­ter­na­tio­nal nicht an­er­kann­ten An­ne­xi­on von vier ukrai­ni­schen Ge­bie­ten kei­nen Ver­stoß gegen rus­si­sche Ge­set­ze ge­se­hen. Die Auf­nah­me der Ge­bie­te Lu­hansk, Do­nezk, Cher­son und Sa­po­risch­sch­ja in die Rus­si­sche Fö­de­ra­ti­on stehe im Ein­klang mit der Ver­fas­sung, teil­te das Ge­richt am Sonn­tag in St. Pe­ters­burg der Staats­agen­tur Tass zu­fol­ge mit. 

Staats­chefs von neun Nato-Mit­glie­dern ver­ur­tei­len rus­si­sche An­ne­xi­on

Die Staats­prä­si­den­ten von neun Nato-Län­dern in Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa haben die rus­si­schen An­ne­xi­on ver­ur­teilt und als un­recht­mä­ßig zu­rück­ge­wie­sen. "…Wir er­ken­nen Russ­lands Ver­su­che, ukrai­ni­sches Ter­ri­to­ri­um zu an­nek­tie­ren, nicht an und wer­den diese nie­mals an­er­ken­nen", hieß es am Sonn­tag in einer ge­mein­sa­men Er­klä­rung. Un­ter­zeich­net wurde sie von den Staats­chefs von Est­land, Lett­land, Li­tau­en, Polen, Tsche­chi­en, Nord­ma­ze­do­ni­en, Mon­te­ne­gro, Ru­mä­ni­en und der Slo­wa­kei. Sie for­der­ten Russ­land auf, sich un­ver­züg­lich aus allen be­setz­ten Ge­bie­ten zu­rück­zu­zie­hen. Zudem er­mu­tig­ten sie in ihrem State­ment alle Ver­bün­de­ten, ihre Mi­li­tär­hil­fe für die Ukrai­ne er­heb­lich zu er­hö­hen. Ver­ant­wort­li­che für Ver­bre­chen müss­ten zur Re­chen­schaft ge­zo­gen und vor Ge­richt ge­stellt wer­den.

Un­ter­stüt­zung für Nato-Bei­tritt

Un­ter­stüt­zung si­gna­li­sier­ten die neun Staats­ober­häup­ter auch für den Wunsch der Ukrai­ne, in die Nato auf­ge­nom­men zu wer­den. "Wir ste­hen fest hin­ter der Ent­schei­dung des Nato-Gip­fels von Bu­ka­rest 2008 über die künf­ti­ge Mit­glied­schaft der Ukrai­ne", schrie­ben sie. Da­mals war der Ukrai­ne ein spä­te­rer Bei­tritt zum Ver­tei­di­gungs­bünd­nis in Aus­sicht ge­stellt wor­den.

Gitta Kharraz, 4. Oktober 2022 (dpa).

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