Crime as a Service: Organisierte Kriminalität agiert immer professioneller

Für das Bundesinnenministerium ist klar: Die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität bleibt ein Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit. Denn die von ihr ausgehende Bedrohung ist weiterhin hoch, wie das vom Bundeskriminalamt veröffentlichte Lagebild 2024 zeigt.

Danach wurden 2024 bundesweit 647 Ermittlungsverfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität (OK) geführt. Über 70% der Verfahren wiesen eine transnationale Tatbegehung auf. Hauptbetätigungsfeld: der Rauschgifthandel.

Das Bedrohungspotential sei hoch, heißt es im Lagebild weiter. Insbesondere nehme die Gewaltbereitschaft zu. Im Kontext des Phänomens "Violence-as-a-Service" (VaaS) werben kriminelle OK-Gruppierungen zudem Kinder und Jugendliche an, die Drohungen, Angriffe oder Tötungen ausführen sollen. Die Anwerbung erfolgt oft über Online-Plattformen oder Messenger-Dienste.

Kryptische Täterkommunikation

In jedem fünften OK-Verfahren wurde dem Lagebild zufolge die Nutzung kryptierter Messengerdienste festgestellt, vorrangig im Bereich der Rauschgiftkriminalität. Es gebe immer mehr kryptierte Telekommunikationsdienste für den kriminellen Gebrauch. Die Entschlüsselung solcher Gespräche und Chats sei ein wichtiger ANsatzpunkt, so das Bundesinnenministerium.

Der durch OK-Gruppierungen verursachte Gesamtschaden lag 2024 bei 2,6 Milliarden Euro. Über zwei Drittel davon entfielen 2024 auf den Phänomenbereich Cybercrime - und das, obwohl entsprechende Gruppierungen nur 4% der Ermittlungsverfahren in 2024 ausmachten.

Die festgestellte gewaschene Geldsumme ist 2024 auf 230,5 Millionen Euro gestiegen. Wie das Innenministerium dem Lagebericht entnimmt, ist das insbesondere auf kriminelle Aktivitäten von Cybercrime-Gruppierungen und den Einsatz von Krypto-Mixern zurückzuführen. Solche Dienste werden auch als "Crime-as-a-Service" angeboten. Es gebe also eine zunehmende Professionalisierung in den jeweiligen Deliktsbereichen.

Ganzheitlicher Bekämpfungsansatz

Aber wo setzen die Polizeibehörden an? Als wesentlichen Bestandteil des Vorgehens gegen Organisierte Kriminalität auf nationaler Ebene nennt das Innenministerium die seit 2023 bestehende Gemeinsame Plattform der OK-Bekämpfung. Über diese könnten sich die OK-Dienststellen von Bund und Ländern bundesweit schnell austauschen.

Zudem gebe es beim BKA ein Kompetenzzentrum für digitale Finanzermittlungen. Dieses ermögliche den Austausch zu Neuerungen, Entwicklungen oder Modi Operandi zwischen nationalen und internationalen Strafverfolgungsbehörden sowie Stakeholdern aus betroffenen Sektoren und Unternehmen der Privatwirtschaft. Das Kompetenzzentrum optimiere die strategische und operative Zusammenarbeit aller relevanten Akteure und unterstütze Ermittlungen zu komplexen virtuellen Zahlungssystemen.

Um mögliche Drahtzieher zu identifizieren und Minderjährige zu schützen, arbeiten neben dem BKA und Europol weitere Dienststellen aus zehn europäischen Staaten seit April 2025 in einer Operational Task Force zur Bekämpfung des Phänomens VaaS zusammen.

Wie das Ministerium mitteilt, wird im internationalen Kontext auch über die "European Multidisciplinary Platform Against Criminal Threats" mit gemeinsam abgestimmten Maßnahmen auf Kriminalitätsentwicklungen reagiert. Dieser europäische Rahmen ergänze die bi- und multilateralen Kooperationen mit den Sicherheitsbehörden der EU-Mitgliedstaaten sowie weiteren relevanten Organisationen wie beispielsweise Europol.

Redaktion beck-aktuell, bw, 24. Oktober 2025.

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