Hochschulzeugnisse gefälscht: Lange Haftstrafe für falsche Lehrerin
© dpa | Stefanie Järkel-Bahat

Jahrelang und in mehreren Bundesländern arbeitete eine Frau ohne Ausbildung als Lehrerin. Sie fälschte Hochschulzeugnisse, ihr polizeiliches Führungszeugnis, Krankschreibungen. Zum Verhängnis wurden ihr schließlich ein Darlehensantrag und ein Verkehrsunfall.

Eine Frau, die jahrelang in mehreren Bundesländern ohne die entsprechende Qualifikation als Lehrerin gearbeitet hat, ist zu vier Jahren und sechs Monate Haft verurteilt worden. Das LG Heidelberg sprach die geständige 41-Jährige unter anderem des Betrugs und der Urkundenfälschung schuldig (Urteil vom 30.03.2026 - 1 KLs 1300 Js 19551/25).

Sie soll laut Gericht an Privatschulen in Heidelberg und im saarländischen Homburg Mathematik, Physik und Chemie unterrichtet haben. Die dafür notwendigen Hochschulzeugnisse soll sie gefälscht sowie ein Führungszeugnis ohne Einträge erstellt haben.

Darlehensantrag löst Ermittlungen aus

Der Anfang vom Ende der erstaunlich lang andauernden Lehrerkarriere der Frau hatte aber nichts mit ihrem Beruf zu tun: Bereits im Oktober 2024 war bei der Staatsanwaltschaft Heidelberg eine Strafanzeige eingegangen, in der eine Bank der damals 40-Jährigen vorwarf, mit gefälschten Gehaltsnachweisen versucht zu haben, ein Darlehen über 25.000 Euro zu erlangen. In den Gehaltsnachweisen war eine Privatschule der Metropolregion als Arbeitgeber angegeben. Die Ermittlungen ergaben zunächst, dass die Frau zwar tatsächlich an der Schule arbeitete, allerdings die Höhe ihrer Einkünfte übertrieben hatte.

Bei dieser Gelegenheit stellte die Staatsanwaltschaft fest, dass das Bundeszentralregister einige Voreintragungen für die Frau enthielt: Sie war 2021 in Rheinland-Pfalz zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, da sie sich mit gefälschten Universitätsabschlüssen Zugang zum Referendariat erschlichen hatte. Ende 2023 war sie zudem in Heidelberg zu einer weiteren Bewährungsstrafe wegen Urkundenfälschung verurteilt worden.

Weitere Ermittlungen an der Privatschule ergaben, dass die Frau von 2021 bis 2024 als Lehrerin beschäftigt war, ohne über die erforderliche Qualifikation zu verfügen. Sie soll so einen Bruttolohn in Höhe von fast 200.000 Euro erschlichen haben. Die Heidelberger Schule entließ die Frau, nachdem sie laut Gericht monatelang wegen einer angeblichen Krebserkrankung krankgemeldet war und dafür gefälschte Atteste vorgelegt hatte. Wie der Richter am LG Heidelberg ausführte, hatte die Frau in dem Zuge zudem immer wieder Schicksalsschläge erfunden, darunter die Lüge, dass ihr Bruder gestorben sei. Nachdem sie ihre Anstellung verloren hatte, zog sie um und begann im Saarland - wiederum unter Vorlage gefälschter Zeugnisse - ab Januar 2025 eine erneute Tätigkeit als Lehrerin an einer Privatschule. Dort wurde ihre fehlende Qualifikation im April 2025 entdeckt und sie wurde fristlos gekündigt. Sie soll bis dahin rund 11.000 Euro Gehalt bezogen haben.

Als der Umfang der im Raum stehenden Vorwürfe klar wurde, erließ das AG Heidelberg auf Antrage der Staatsanwaltschaft im September 2025 einen Untersuchungshaftbefehl wegen Flucht- und Wiederholungsgefahr. Außerdem wurde ein Vermögensarrest in Höhe von 150.000 Euro erlassen. 6 Tage später begab sich die Frau zu einer Polizeidienststelle in Rheinland-Pfalz, um einen Verkehrsunfall anzuzeigen. Sie wurde festgenommen und kam in Heidelberg in U-Haft.

Angeklagte hält sich Ohren zu während Urteilsverkündung

Am Tag der Urteilsverkündung kämpfte die zierliche Frau, die halblangen braunen Haare im Pferdeschwanz, immer wieder mit den Tränen und stützte den Kopf in die Hände. Mit den Fingern hielt sie sich zeitweise die Ohren zu, wie auch ihr Anwalt bestätigte. 

Der Sitzungssaal war voll, zahlreiche ehemalige Schüler der Frau waren zur Urteilsverkündung gekommen. Als der Richter die Höhe der Haftstrafe verkündete, stöhnten mehrere Zuschauer im Saal entsetzt auf. Eine ehemalige Schülerin hatte zuvor noch betont, wie "empathisch" ihre ehemalige Mathe- und Chemielehrerin gewesen sei. Sie habe sich viel Mühe gegeben und Themen auf Nachfrage auch immer wieder erklärt, sagte die 19-Jährige. Sie habe einen kompetenten Eindruck auf sie gemacht.

"Ich empfinde extreme Scham", hatte die 41-Jährige beim Prozessauftakt am Montag vergangener Woche gesagt. Die Frau erzählte mit leiser und teilweise gebrochener Stimme, sie habe eine liebevolle Kindheit im rheinland-pfälzischen Landstuhl gehabt. Ihre Eltern seien beide Lehrer gewesen. Anschließend habe sie unter anderem Mathe und Chemie auf Lehramt studiert, sei aber durch die erste Matheklausur gefallen - und habe sich dadurch nutzlos gefühlt. Jahrelang habe sie sich weiter um einen Studienabschluss bemüht, sei aber depressiv gewesen und habe eine Essstörung gehabt. 

Sie habe ihre Antidepressiva immer höher dosiert, um auch ihre Schlafprobleme zu behandeln. Letztlich habe sie das Studium abgebrochen. Alle ihre Familienmitglieder seien Lehrer gewesen. Sie habe sich selbst unter Druck gesetzt, auch als Lehrerin zu arbeiten. 

Richter Markus Krumme sprach von "einem Lügengebäude", das sich die Frau über ihr gesamtes Erwachsenenleben aufgebaut habe. Die Länge der Strafe lasse ihr allerdings immer noch die Perspektive, nach der Haft "in ein von Lügen befreites, unbeschwertes und vor allem straffreies Leben zu starten". Dafür sei es nicht zu spät.

In die Haftstrafe wurde laut Gericht auch eine Bewährungsstrafe für eine frühere Straftat eingerechnet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

LG Heidelberg, Urteil vom 30.03.2026 - 1 KLs 1300 Js 19551/25

Redaktion beck-aktuell, bw, jvh, 30. März 2026 (ergänzt durch Material der dpa).

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