LG Bielefeld: Lebenslang für versuchten Mord mit vergifteten Pausenbroten

Für versuchten Mord mit vergifteten Pausenbroten am Arbeitsplatz ist ein Mann aus Ostwestfalen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht Bielefeld ordnete am 07.03.2019 darüber hinaus Sicherungsverwahrung für den 57-Jährigen an, da die Richter von einem Hang zu weiteren schweren Straftaten ausgehen (Az.: 1 Ks 24/18).

Höchststrafe verhängt

Das Schwurgericht stellte zusätzlich die besondere Schwere der Schuld fest. Damit verhängten die Richter die Höchststrafe. Lebenslang wird bei Mordversuchen nur selten verhängt. Der Mann wurde auch der schweren Körperverletzung und der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen. Bis zuletzt hatte der Angeklagte Klaus O. sich in dem Verfahren nicht geäußert.

Gefährliche Substanzen auf Pausenbroten und in Getränken

Klaus O. soll Kollegen in einem Betrieb in Schloß Holte-Stukenbrock bei Bielefeld von 2015 bis 2018 mit gefährlichen Substanzen auf deren Pausenbroten und in Getränken vergiftet haben. Der Angeklagte äußerte sich im Prozess nicht. Psychiatrische Gutachter konnten daher nur Vermutungen zur Motivlage anstellen. Klaus O. habe wohl beobachten wollen, wie das Gift wirkt, hatte ein Psychologe im Prozess über die fünf Gespräche in der Untersuchungshaft berichtet: "Seine Äußerungen zu seinem Motiv kamen mir vor wie bei einem Wissenschaftler, der ausprobiert, wie Stoffe wirken bei einem Kaninchen."

Motiv konnte nicht gefunden werden

Der Vorsitzende Richter Georg Zimmermann betonte, dass das Motiv im Dunkeln geblieben sei: "Wir wissen nichts." Er sagte in der Urteilsbegründung, dass die Schuld des Verurteilten wegen der Folgen für die Opfer besonders schwer wiege. Außerdem bezeichnete Zimmermann Klaus O. als eine Gefahr für die Allgemeinheit. "Bei ihnen wurden Stoffe gefunden, die gefährlicher sind als Kampfstoffe, die im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurden", sagte der Vorsitzende Richter.

Videoaufnahmen überführten den Täter

Einem der heute kranken Kollegen war 2018 schließlich ein weißes Pulver auf einem Brot aufgefallen. Er wurde stutzig, machte Fotos und schaltete die Firmenleitung ein. Das Unternehmen ließ eine Videoüberwachung in dem Pausenraum installieren. Die Aufnahmen, die auch in dem Prozess als Beweis gezeigt und verwendet wurden, zeigten den jetzt Verurteilten dabei, wie er das Pulver in von den Kollegen unbeobachteten Momenten auf deren Stullen verteilte.

Vergiftungen führten zu schweren gesundheitlichen Schäden

Zwei der Kollegen von Klaus O. wurden nierenkrank und müssen heute mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen leben. Ein drittes Opfer liegt mit einem irreparablen Hirnschaden seit 2016 im Wachkoma und wird von seinen Eltern gepflegt. Dass der Angeklagte sich in dem Prozess nicht zu den Vorwürfen oder seinem Motiv geäußert hatte, hatte für Enttäuschung bei den Nebenklägern gesorgt. Während der Verhandlung saß Klaus O. weitestgehend regungslos zwischen seinen Verteidigern. Auch das Urteil nahm er ohne äußerliche Regung auf. 

Verteidigung will in Revision gehen

Klaus O. gilt als voll schuldfähig. Er wurde auch der schweren und der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen. Wird wie in seinem Fall eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt und außerdem die besondere Schwere der Schuld festgestellt, ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen. Die Verteidigung kündigte Revision an.

LG Bielefeld, Urteil vom 07.03.2019 - 07.03.2019 1 Ks 24/1

Redaktion beck-aktuell, 7. März 2019 (dpa).