Die juristische Lernapp Jurafuchs hat ihre Nutzerinnen und Nutzer im August und September 2025 zum Prüfungsstress im Jurastudium, ihren Zukunftsaussichten und den Einfluss von KI befragt. An der nichtrepräsentativen Umfrage nahmen 767 Jurastudierende teil.
Das Ergebnis: Jurastudierende sehen sich während ihres Studiums einer erheblichen Arbeitsbelastung ausgesetzt. Jeder zweite Befragte gibt an, mindestens 30 Stunden pro Woche für das Studium aufzuwenden. 16,4% lernen zwischen 40 und 50 Stunden wöchentlich, 5,6% investieren sogar mehr als 50 Stunden. Damit ist das Studium für jeden vierten Studierenden intensiver als ein Vollzeitjob.
Der hohe Lernaufwand wirkt sich entsprechend negativ auf das psychische Wohlbefinden aus: 32,2% der Befragten berichten, dass sie mit dem Leistungsdruck schlecht zurechtkommen. Nur 24,7% empfinden ihre Fähigkeit, mit den Anforderungen des Studiums klarzukommen, als gut oder sehr gut. Diese Zahlen verdeutlichen die enorme Beanspruchung der Studierenden bereits während der Ausbildung.
Auch die Motivation für das Jurastudium ist interessant. 21,5% geben ein fachliches Interesse an Politik und Gesellschaft an. Gute Verdienstchancen stehen für die angehenden Juristinnen und Juristen nur auf Platz zwei (20,3%). 18,7% gaben ihren Gerechtigkeitssinn als ausschlaggebend für die Studienwahl an.
Viele möchte später für den Staat arbeiten
Die Umfrage zeigt auch, dass die Erfahrungen während des Studiums die spätere Berufswahl maßgeblich prägen. 42,8% fürchten, dass der hohe Arbeitsaufwand nach dem Studium nicht abnimmt. Insbesondere die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben bereitet den Studierenden dabei Sorge.
Die Konsequenz: Nur 10,7% können sich eine Tätigkeit in einer Großkanzlei vorstellen. Am beliebtesten sind mit 14,8% mittelständische Kanzleien. 14,3% könnten sich vorstellen, später einmal Richterin oder Richter zu werden; 11,1% zieht es zur Staatsanwaltschaft. Weitere 11,3% sehen sich perspektivisch im Staatsdienst, zum Beispiel in der Verwaltung oder in Ministerien. Damit wollen rund 36,7% der Jurastudierenden später einmal für den Staat arbeiten. Diese Zahlen zeigen: Sicherheit und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sind zentrale Kriterien. 11,4% zieht es in ein Unternehmen. Lediglich 5,1% wollen später einmal in die Wissenschaft.
Für Jurafuchs-Mitgründer Dr. Carl-Wendelin Neubert ist klar: "Die Juristinnen und Juristen von morgen möchten nicht nur Anerkennung und Karriere, sondern auch Zeit für sich selbst. Work-Life-Balance ist längst kein Randthema mehr, sondern prägt die Berufswahl entscheidend."
Erheblicher Nachholbedarf bei KI
Ein weiterer Schwerpunkt der Umfrage betrifft den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Rechtsbranche. 60,1% der Befragten sehen Potenzial, dass KI-Tools die Bearbeitung von Routineaufgaben erleichtern können. Gleichzeitig sind die Sorgen um den eigenen Job durch KI erheblich: 32,4% äußern entsprechende Bedenken.
Neubert sieht an den Universitäten im Hinblick auf KI "erheblichen Nachholbedarf". Digitale Kompetenzen gehörten längst ins Jurastudium und Hochschulen sollten diese Entwicklung nicht verschlafen.


