Großbritannien: Lebenslange Haft für Mord an zwei Schwestern

Wegen des aufsehenerregenden Doppelmords an zwei Schwestern in einem Londoner Park ist ein 19-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der junge Mann könne frühestens nach 35 Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden, entschied das Londoner Strafgericht Old Bailey am Donnerstag. Der Täter wollte laut Gericht einen "Pakt mit dem Teufel" erfüllen. Demnach suchte er die Frauen wahllos aus und wollte sie "Satan" als Opfer darbringen.

"Pakt mit dem Teufel": Mord gegen Lottogewinn

Es sind Selfies voller Lebensfreude: Zwei Schwestern tanzen, lachen, feiern den Geburtstag der Älteren in der Nacht zum 06.06.2020. Das letzte Foto deutet den Horror an, der folgt. Überrascht schauen die 46 und 27 Jahre alten Frauen auf dem Bild zur Seite – und sehen dort wahrscheinlich ihren Mörder. Kurz danach sind sie tot, Zufallsopfer, erstochen von dem zur Tatzeit 18-Jährigen mit einem erschreckenden Motiv. Bei dem Mann war ein "Vertrag" gefunden worden, den er mit seinem eigenen Blut unterschrieb und in dem er alle sechs Monate die Ermordung von sechs Frauen verspricht – im Gegenzug für einen Millionengewinn im Lotto. Die Tat hatte der junge Mann akribisch vorbereitet. In den folgenden Tagen hatte er 162,88 Pfund für Lotteriescheine ausgegeben, aber nicht gewonnen.

Einfluss eines Satanisten ausgesetzt

Geschnappt wurde der Täter über DNA-Spuren. Ermittler fanden Blut am Tatort, das nicht zu den Schwestern gehörte. Ein Abgleich ergab einen Treffer: Den Vater des 19-Jährigen, der eine Vorstrafe hat. Daraufhin wurde der junge Mann mithilfe von Aufnahmen von Überwachungskameras identifiziert, wie er Messer in einem Supermarkt kaufte und wie er nach der Tat nach Hause ging. 2017 und 2018 hatte der Mann bereits nach der Verbreitung rechtsradikaler Propaganda an einem Deradikalisierungsprogramm teilgenommen. Bei der nun verurteilten Tat wurde er offensichtlich von Aussagen und Posts eines Satanisten beeinflusst, dem bei Facebook rund 200.000 Menschen folgten – das Online-Netzwerk sperrte den Account mittlerweile. Die Verteidigung machte keine psychischen oder gesundheitlichen Probleme geltend. Der Angeklagte wies die Vorwürfe zurück. Dass der Täter vorzeitig freikommen kann, liegt lediglich an seinem Alter, wie Staatsanwalt Oliver Glasgow klar machte. Ermittlerin Maria Green betonte, das Strafmaß spiegele die Schwere des Verbrechens wider.

Mutter der Opfer moniert Fehler der Ermittler

Der Fall hatte Entsetzen ausgelöst, wegen der Tatumstände, aber auch wegen Fehler und Vergehen der Ermittler. Die Mutter der Opfer, Mina Smallman, lehnte eine Entschuldigung der Londoner Polizeichefin Cressida Dick wegen schlampiger Polizeiarbeit ab. So wurden die Vermisstenanzeigen nicht wie vorgeschrieben aufgenommen, daher startete die Suche erst 36 Stunden später. Gefunden wurden die Leichen schließlich vom Freund der 27-Jährigen. "Die Entschuldigung hätte persönlich erfolgen müssen und nicht zehn Monate später", kritisierte Smallman zwei Tage vor dem Urteil. Hinzu kommt: Zwei Beamte machten Fotos der Leichen, verschickten die Bilder über WhatsApp. Sie stehen demnächst vor Gericht.

Redaktion beck-aktuell, 29. Okt 2021 (dpa).