Drogen, gefälschte Ausweise, ausgespähte Kontodaten: "Crimenetwork"-Betreiber muss lange ins Gefängnis

Im Prozess um die große illegale Internetplattform "Crimenetwork" hat das LG Gießen den Betreiber zu 7 Jahren und 10 Monaten Haft verurteilt – unter anderem wegen des "gemeinschaftlichen bandenmäßigen Handelns mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge".

Das bestätigte der Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT), Benjamin Krause. Die ZIT ist bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt angesiedelt, die die Anklage erhoben hatte. Laut den Angaben werden zudem Taterträge des Angeklagten in Höhe von über zehn Millionen Euro eingezogen – darunter Kryptowerte, eine Wohnung in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Silberbarren.

Strafmildernd wirkte Krause zufolge, dass der Angeklagte kooperativ und geständig war. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte zuletzt neun Jahre und sechs Monate Gefängnis gefordert.

Zum Auftakt des Prozesses im November hatte Krause gesagt: "Es ist für uns der Prozess des Jahres." Der 30‑Jährige sei den Ermittlungen zufolge einer der wesentlichen Täter und für die Plattform technisch verantwortlich gewesen. Bei "Crimenetwork" habe es sich um den größten deutschsprachigen Online‑Marktplatz für illegale Waren und Dienstleistungen gehandelt.

Forum und Verkauf

Zuletzt waren auf der Plattform laut Generalstaatsanwaltschaft mehr als 102.000 Nutzer registriert und über 100 professionelle Verkäufer angemeldet gewesen. Es habe sich um ein Online‑Forum mit Verkaufsbereich gehandelt, dominiert vom Handel mit Drogen wie Kokain, Crystal Meth und Heroin.

Aber auch rechtswidrig erlangte Daten, etwa von ausgespähten Kreditkarten, sowie kriminelle Dienstleistungen wie das Erstellen gefälschter Ausweise und Geldwäsche seien angeboten worden. Die Verkäufer konnten Werbebanner schalten. "Viele kriminelle Karrieren haben auf dieser Plattform begonnen", erklärte Krause bei Prozessbeginn. Neulingen sei der Einstieg leicht gemacht worden, indem in Foren Tipps für Betrügereien geteilt worden seien.

Im Dezember 2024 hatten das BKA und die ZIT die Plattform abgeschaltet. Der nun verurteilte Betreiber saß seitdem in Untersuchungshaft.

Redaktion beck-aktuell, js, 19. März 2026 (dpa).

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