Sportgerichtshof halbiert Dauer des Olympia-Banns Russlands

Russland hat beim Internationalen Sportgerichtshof, dem Court of Ar­bi­tra­ti­on for Sport (CAS), einen überraschenden Teilerfolg erstritten. Mit Urteil vom 17.12.2020 hat der Gerichtshof die Olympia-Sperre Russlands wegen der Manipulation von Doping-Daten von vier auf zwei Jahre verkürzt. Der Bann beginnt mit der Urteilsverkündung und endet am 16.12.2022.

Kern der Sanktion bleibt bestehen

Das Land bleibt mit diesem Urteil von den Olympischen Spielen 2021 in Tokio und 2022 in Peking ausgeschlossen. Auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar darf wohl kein Team unter russischer Flagge antreten. Außerdem darf die russische Hymne nicht gespielt oder gesungen und die russische Fahne nicht auf Teamkleidung getragen oder gehisst werden. Unbelastete Sportler des Landes können aber als neutrale Athleten bei den Großveranstaltungen antreten. Dafür müssen sie gewisse Anti-Doping-Bedingungen erfüllen.

Welt-Anti-Doping-Agentur verhängte Vier-Jahres-Sperre

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hatte Russland wegen der Manipulation von Doping-Daten aus einem Moskauer Labor im Dezember 2019 für vier Jahre gesperrt. Wenn der CAS die Wada-Strafe voll bestätigt hätte und der Bann mit dem Urteil in Kraft getreten wäre, hätte Russland auch bei den Spielen 2024 in Paris nicht starten dürfen.

Richterspruch löst zwiespältiges Echo in der Sportwelt aus

Das Sportlerbündnis Athleten Deutschland zeigte sich enttäuscht und verärgert, dass die Sanktionen so deutlich "verwässert" wurden. Das schaffe kein Vertrauen in das weltweite Anti-Doping-System, dessen Glaubwürdigkeit nach dem russischen Dopingskandal und dem unerträglichen Hin und Her im Anschluss so sehr gelitten habe. Auch der Deutsche Olympische Sportbund bedauert, dass angesichts der massiven, jahrelangen und staatlich organisierten Verstöße Russlands gegen das Fair Play der Wada-Forderung nicht vollumfänglich gefolgt worden sei. Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages, bezeichnete die Entscheidung des CAS über den Zeitraum der Sperre als "zweischneidiges Schwert". Die Begründung für die Halbierung überzeuge nicht.

CAS: Strafe spiegelt Verstoß wider

Nach Ansicht der CAS-Richter spiegelt hingegen die verhängte Zwei-Jahres-Sperre "Art und Schwere der Nichteinhaltung" der Anti-Doping-Regeln wider. Eine längere Sperre als zwei Jahre sei durch das geltende Recht, insbesondere durch den Welt-Anti-Doping-Code, nicht möglich. In dem Urteil seien zudem "Fragen der Verhältnismäßigkeit und die Notwendigkeit berücksichtigt worden, einen kulturellen Wandel herbeizuführen und die nächste Generation russischer Athleten zu ermutigen, an einem sauberen internationalen Sport teilzunehmen".

Wada: Sieg und Niederlage zugleich

Die Wada zeigte sich erfreut, diesen bahnbrechenden Fall gewonnen zu haben. Die Richter hätten die "dreiste und illegale Manipulation der Labordaten" bestätigt, mit der ein institutionalisiertes Dopingsystem habe vertuscht werden sollen. Man sei jedoch enttäuscht, dass der Gerichtshof der Forderung nach einer vierjährigen Sperre nicht voll nachgekommen sei.

Reaktionen in Russland

Die russische Anti-Doping-Agentur Rusada würdigte das Urteil als Sieg des gesunden Menschenverstandes. Es beweise eine vernünftige Haltung gegenüber sauberen Sportlern. Kritik kam dagegen vom Nationalen Olympischen Komitee in Russland. Es gebe keinen Grund für eine teilweise oder vollständige Bestrafung der Rusada und folglich auch nicht für Sanktionen gegen die Teilnehmer des Prozesses.

zu CAS, Urteil vom 17.12.2020

Redaktion beck-aktuell, 18. Dez 2020 (dpa).