Bloody Sunday: Freispruch für britischen Soldaten

Ein ehemaliger Fallschirmjäger, der als einziger britischer Soldat für das Massaker am Bloody Sunday 1972 in Nordirland vor Gericht gestellt wurde, ist freigesprochen worden. Die Beweislage reiche für eine Verurteilung bei Weitem nicht aus, sagte Richter Patrick Lynch am Belfast Crown Court.

Soldat F, wie er zu seinem Schutz nur genannt wird, war wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes in fünf Fällen angeklagt worden. Bei der gewaltsamen Niederschlagung eines Bürgerrechts-Protests in der Stadt Londonderry oder Derry, wie sie von Katholiken genannt wird, wurden 13 unbewaffnete Zivilisten von britischen Soldaten erschossen und mehr als ein Dutzend weitere verletzt. Ein Mann starb erst Monate später an seinen Schusswunden. Das Massaker wirkte im nordirischen Bürgerkrieg wie ein Brandbeschleuniger.

Soldat F war der einzige von 15 britischen Soldaten, der sich wegen des Massakers je vor Gericht verantworten musste. Das, obwohl der frühere Premierminister David Cameron im Jahr 2010 nach Abschluss einer ausführlichen Untersuchung die Unschuld der Demonstranten und das Fehlverhalten der Armee eingestand.

Angehörige der Opfer kündigten an, ihren juristischen Kampf fortzusetzen. Der Vertreter eines Veteranenverbands äußerte hingegen die Hoffnung, das Urteil werde einen Schlussstrich unter die Aufarbeitung ziehen.

"Affront gegen die Gerechtigkeit"

Das britische Verteidigungsministerium teilte nach dem Urteil mit, man sei entschlossen, "einen Weg voran zu finden, der die Vergangenheit anerkennt und diejenigen unterstützt, die ihrem Land während einer unglaublich schwierigen Zeit in Nordirlands Geschichte gedient haben".

Nordirlands Regierungschefin Michelle O'Neill von der katholisch-republikanischen Partei Sinn Fein kritisierte das Urteil deutlich. Es sei ein "Affront gegen die Gerechtigkeit", dass mehr als 50 Jahre nach dem Massaker und 15 Jahre, nachdem ein britischer Premier die Schuld der Soldaten anerkannt habe, niemand zur Rechenschaft gezogen worden sei.

Die Folgen des Massakers waren verheerend. Hunderte Freiwillige schlossen sich der Terrororganisation IRA an. Das Jahr 1972 wurde zum blutigsten des als "Troubles" bezeichneten Konflikts in der Provinz. Der einzige Ausweg für die in der nordirischen Gesellschaft benachteiligten Katholiken schien damals eine Wiedervereinigung mit dem Süden – notfalls mit Waffengewalt.

Redaktion beck-aktuell, bw, 24. Oktober 2025 (dpa).

Mehr zum Thema