Die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) sieht sich gezwungen, zum zunehmend feindlichen Klima gegenüber Anwältinnen und Anwälten Stellung zu nehmen. In einer Mitteilung vom Montag spricht sie von einer "Bedrohungswelle, mit der Migrationsrechtlerinnen und -rechtler in diesem und im vergangenen Jahr regelrecht überzogen wurden". Mit Sorge beobachte man weitere Verbal-Attacken in den sozialen Medien gegenüber Anwältinnen und Anwälten. So sei zuletzt der in Deutschland geborene Rechtsanwalt Chan-jo Jun, Vorsitzender des BRAK-Ausschusses IT-Recht, auf verschiedenen Plattformen massiv unter Bezugnahme auf seine südkoreanischen Wurzeln angegangen worden.
BRAK-Präsident Ulrich Wessels identifiziert solche Attacken als Angriffe auf den Rechtsstaat. "Es ist inakzeptabel, Organe der Rechtspflege aus rassistischer oder extremistischer Motivation heraus anzufeinden, ganz gleich, ob es um die Personen selbst oder das Rechtsgebiet geht, auf dem sie beraten", sagt er.
Auch Leonora Holling, Schatzmeisterin der BRAK und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft zur Sicherung des Rechtsstaates, wird deutlich: Wieder und wieder habe die BRAK in den vergangenen Jahren ihre Stimme erheben müssen, um Attacken gegenüber Anwältinnen und Anwälten anzuprangern. "Wir sind nicht bereit, dieses Klima des Angriffs weiter hinzunehmen."
England: Mit Alarmknöpfen gegen Bedrohungen
Ähnliches meldet die Law Society Gazette aus England und Wales. Auch hier würden praktizierende Anwälte und Anwältinnen immer öfter bedroht. Das juristische Magazin nimmt Bezug auf eine Umfrage vom August.
Die Befragung der Law Society of England and Wales habe 286 Antworten eingebracht. Knapp die Hälfte (139) der Befragten habe angegeben, im vergangenen Jahr Drohungen erhalten zu haben, ein Teil davon sei körperlich angegriffen worden. 38% der praktizierenden Anwälte und Anwältinnen sähen ihre persönliche Sicherheit beeinträchtigt, 13% dächten deswegen über einen Berufswechsel nach. Die Kanzleien reagierten bereits: mit Alarmknöpfen und Fingerabdruckscannern in den Büros.
Verantwortlich für die wachsende Feindseligkeit gegenüber der Anwaltschaft seien auch politisch motivierte Angriffe auf den Berufsstand, heißt es im Bericht. So jedenfalls sähen das die Law Society, der Bar Council sowie die Interessenvertretungen in Schottland und Nordirland, berichtet die Law Society Gazette. Demnach zeigten sich die Organisationen in einer gemeinsamen Erklärung vom Oktober besorgt ob der "wachsenden Welle der Einschüchterung, die sich gegen diejenigen richtet, die unserem Justizsystem dienen und demokratische Grundsätze verteidigen".


