Be­an­tra­gen die Bun­des­tags­frak­tio­nen ein AfD-Ver­bot?

Der Ver­fas­sungs­schutz hat die AfD als rechts­ex­tre­mis­ti­schen Ver­dachts­fall ein­ge­stuft. Die Frage um ein Ver­bots­ver­fah­ren vor dem BVerfG wird der­zeit heiß in­ner­halb der Bun­des­tags­frak­tio­nen dis­ku­tiert. Die AfD selbst be­fürch­tet kein Ver­bot der ei­ge­nen Par­tei.

Die In­itia­to­ren des An­trags für ein mög­li­ches AfD-Ver­bot stel­len ihren Vor­schlag in die­ser und der nächs­ten Woche in den Frak­ti­ons­sit­zun­gen zur Dis­kus­si­on. Aus der Uni­ons­frak­ti­on stün­den sie­ben Ab­ge­ord­ne­te hin­ter dem An­trag, er nehme in der Frak­ti­on ins­ge­samt aber eine "ma­xi­ma­le Zu­rück­hal­tung" bei die­sem Thema wahr, sagte deren Par­la­men­ta­ri­scher Ge­schäfts­füh­rer Thors­ten Frei (CDU). Er selbst habe recht­li­che und po­li­ti­sche Be­den­ken gegen einen sol­chen Ver­bots­an­trag, auch weil die­ser es der AfD er­mög­li­chen würde, sich als "Mär­ty­rer" in Szene zu set­zen.

An­ders sieht das die Frak­ti­ons­spit­ze der Grü­nen. "Die AfD ist eine Par­tei, die über­all da, wo sie Ein­fluss be­kom­men kann, die­sen Ein­fluss nutzt, um die De­mo­kra­tie in­fra­ge zu stel­len, um den Par­la­men­ta­ris­mus zu stö­ren und zu zer­stö­ren und um ein frei­heit­li­ches Leben in die­sem Land zu ge­fähr­den", sagte die Co-Vor­sit­zen­de, Ka­tha­ri­na Dröge. Das sei zu­letzt im Thü­rin­ger Land­tag deut­lich ge­wor­den.

Dröge fügte hinzu: "Des­we­gen ist das, was wir mit dem AfD-Ver­bots­ver­fah­ren dis­ku­tie­ren, für uns keine Frage des Ob, son­dern eine Frage des Wie." Es sei die Auf­ga­be der In­nen­mi­nis­ter­kon­fe­renz von Bund und Län­dern, "jetzt die Be­weis­samm­lung an­zu­tre­ten dafür, dass wir da­nach eine fun­dier­te Ent­schei­dung tref­fen kön­nen".

Dobrindt: AfD muss man "weg re­gie­ren"

SPD-Frak­ti­ons­chef Rolf Mützenich äu­ßer­te sich skep­tisch zu einem Ver­bots­ver­fah­ren zum jet­zi­gen Zeit­punkt. Er nann­te den An­trag der Ab­ge­ord­ne­ten vor einer Sit­zung der SPD-Frak­ti­on in Ber­lin den "fal­schen Weg". Er sehe noch "ein paar recht­li­che, aber auch in­halt­li­che Pro­ble­me" und würde sich wün­schen, dass die Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den zu­nächst wei­te­res Be­weis­ma­te­ri­al gegen den AfD sam­meln wür­den, sagte Mützenich. Er räum­te al­ler­dings ein, dass die SPD un­eins in der Frage sei. "Es gibt un­ter­schied­li­che Ein­schät­zun­gen zur­zeit in­ner­halb un­se­rer Frak­ti­on."

Unter den In­itia­to­ren des Ver­bots­an­trags sei sei­nes Wis­sens kein Mit­glied der CSU, sagte CSU-Lan­des­grup­pen­chef Alex­an­der Dobrindt in Ber­lin. Er habe zwar keine Zwei­fel, dass es in der AfD ra­di­ka­le und ex­tre­mis­ti­sche Kräf­te gebe. Den­noch gelte, dass die Par­tei nur po­li­tisch be­kämpft wer­den könne, "man muss die AfD weg re­gie­ren".

Hin­ter dem An­trag ste­hen ins­ge­samt 37 Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te von SPD, Union, Grü­nen und Lin­ken. Ihr ge­mein­sa­mes Ziel ist es, beim BVerfG ein Ver­fah­ren zum Ver­bot der AfD zu be­an­tra­gen. Ein Par­tei­en­ver­bot kann von Bun­des­tag, Bun­des­rat oder Bun­des­re­gie­rung beim Ver­fas­sungs­ge­richt be­an­tragt wer­den. Der AfD müss­te in dem Ver­fah­ren nach­ge­wie­sen wer­den, dass sie ag­gres­siv-kämp­fe­risch gegen die Ver­fas­sung vor­geht.

AfD zeigt sich ge­las­sen

Die AfD blickt ge­las­sen auf die In­itia­ti­ve. Der An­trag sei zum Schei­tern ver­ur­teilt und werde den Bun­des­tag gar nicht erst pas­sie­ren, sagte Par­tei­che­fin Alice Wei­del. "Sie kön­nen nicht 20 Pro­zent der Bür­ger in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land von der de­mo­kra­ti­schen Teil­ha­be aus­schlie­ßen." Wei­ter sagte sie vor Jour­na­lis­ten in Ber­lin: "Die­ser Ver­bots­an­trag spie­gelt den un­de­mo­kra­ti­schen Un­geist der Kon­kur­renz­par­tei­en wider." Er spie­ge­le auch wider, wie zer­strit­ten die Par­tei­en nicht nur in die­ser Frage seien.

Der Par­la­men­ta­ri­sche Ge­schäfts­füh­rer der AfD im Bun­des­tag, Bernd Bau­mann sagte, man ver­traue auf die De­mo­kra­tie, und fügte hinzu: "Mir ist vor gar nichts bange." Prin­zi­pi­ell stell­te sich Bau­mann nicht gegen Par­tei­en­ver­bo­te. So sei für Bau­mann etwa die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei Deutsch­lands (KPD) zu Recht ver­bo­ten wor­den. Bei lin­ken und rech­ten Ex­tre­mis­ten könne man sol­che Ver­bo­te an­stre­ben, aber davon sei die AfD mei­len­weit ent­fernt, sagte er.

Im Jahr 2017 hatte der Zwei­te Senat in Karls­ru­he ein Ver­bot der Na­tio­nal­de­mo­kra­ti­schen Par­tei Deutsch­lands (NPD) ab­ge­lehnt, weil es bei die­ser Par­tei keine An­halts­punk­te für eine er­folg­rei­che Durch­set­zung ihrer ver­fas­sungs­feind­li­chen Ziele gebe.

Redaktion beck-aktuell, js, 8. Oktober 2024 (dpa).

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