Alien Enemies Act: Gericht stoppt Trumps Abschiebungen per Kriegsrecht

Sind Migrantenströme aus Südamerika ein feindlicher Überfall? Donald Trump sieht das so und beruft sich zu deren Abschiebung auf altes Kriegsrecht. Doch ein Gericht schiebt dem nun vorerst einen Riegel vor.

Ein US-Bundesberufungsgericht aus Louisiana hat entschieden, dass Donald Trump sich zur Abschiebung venezolanischer Migranten nicht auf den sogenannten Alien Enemies Act aus dem Jahr 1798 berufen kann, wie CNN am Mittwoch berichtet.

Trump hatte im März behauptet, Mitglieder der venezolanischen Gang Tren de Aragua seien von der Regierung Maduro gezielt in die USA geschickt worden, um das Land zu destabilisieren. Auf dieser Grundlage ließ er über 130 Menschen binnen Stunden abschieben – viele davon in ein Hochsicherheitsgefängnis in El Salvador.

Dazu berief sich die Trump-Regierung hauptsächlich auf den Alien Enemies Act, der den Präsidenten ermächtige, Menschen aus "feindlichen Nationen" ohne reguläres Verfahren inhaftieren und abschieben zu lassen. Das Gesetz wurde etwa während des Ersten und des Zweiten Weltkriegs angewandt, z.B. zur Internierung von Deutschen oder Japanern. Ob das Gesetz diese Möglichkeit auch außerhalb eines echten Krieges gibt und gegen wen die Regierung danach vorgehen darf, ist umstritten.

Die Richterinnen und Richter des 5. US-Berufungsgerichts in New Orleans widersprachen nun der Begründung der Trump-Regierung in ihrer mit zwei gegen eine Stimme gefassten Entscheidung deutlich. "Wir kommen zu dem Schluss, dass keine Invasion oder ein räuberischer Einfall stattgefunden hat", schrieb Richter Leslie Southwick in der Mehrheitsmeinung. Damit fehle die rechtliche Grundlage für den Einsatz des Alien Enemies Act.

Neuer Anlauf vor dem Supreme Court?

Der Fall könne auch deshalb spannend werden, weil er ein Vehikel sein könnte, um den Streit um den Alien Enemies Act wieder vor den Supreme Court zu bringen, schreibt CNN. Dieser hatte sich bereits im April mit der Angelegenheit befasst und dabei die Entscheidung eines Washingtoner Gerichts aufgrund fehlender Zuständigkeit gekippt. Die inhaltliche Frage, ob Trump sich auf den Alien Enemies Act stützen durfte, wurde dabei nicht mehr erörtert.

Die Entscheidung war auch innerhalb des obersten US-Gerichts hoch umstritten. Die liberale Richterin Sonia Sotomayor schrieb damals in einem abweichenden Votum, das Verhalten der Trump-Regierung in diesem Fall stelle "eine außerordentliche Bedrohung für die Rechtsstaatlichkeit dar".

Frist für Androhung umstritten

Lee Gelernt von der American Civil Liberties Union (ACLU), der die betroffenen Migranten vertritt, begrüßte laut CNN-Bericht das Urteil: "Dies ist eine wichtige Entscheidung zur Wahrung des Rechtsstaats und zur Eindämmung des Versuchs der Regierung, die Einwanderung zu militarisieren."

Das Berufungsgericht befasste sich auch mit der Frage, wann Migrantinnen und Migranten vor ihrer Abschiebung – gleich, auf welcher Grundlage – im Vorhinein zu benachrichtigen seien. Eine Frist von sieben Tagen entspreche der Richtlinie des Obersten Gerichtshofs, befand das Gericht ebenfalls mit zwei Stimmen zu einer – diesmal jedoch unter Mitwirkung eines von Trump ernannten Richters. Richterin Irma Carrillo Ramirez, die vom ehemaligen Präsidenten Joe Biden ernannt worden ist, sagte in einer teilweise abweichenden Meinung, dass "eine Frist von sieben Tagen unter allen Umständen nicht angemessen ist, um Häftlingen, insbesondere solchen, die nicht vertreten sind, ein ordnungsgemäßes Verfahren gemäß dem AEA zu gewähren". Sie forderte stattdessen mindestens drei Wochen.

Redaktion beck-aktuell, mam, 3. September 2025.

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