Strafbefehle gegen Klimaaktivisten nach Klebeaktion in Pinakothek

Im August klebten sich zwei Aktivisten der "Letzten Generation" in der Alten Pinakothek in München an einem Rubens-Gemälde fest. Ein weiterer filmte sie dabei. Die Aktion hat nun erste juristische Konsequenzen: Das Amtsgericht München hat Strafbefehle gegen die drei Klimaaaktivisten erlassen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft München I, die die Strafbefehle beantragt hat, wurde jeweils "eine erhebliche Geldstrafe festgesetzt".

Zwei Aktivisten haben Einspruch eingelegt

Einer der beiden Männer, die sich festklebten, und der Filmer haben nach Gerichtsangaben Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Damit kommt es in der Sache zum Prozess am Amtsgericht. Wann dort die Verhandlung stattfinden soll, konnte der Sprecher allerdings noch nicht sagen. Gegen den dritten Strafbefehl war zunächst noch kein Einspruch eingegangen. Teuer dürfte es für die drei Aktivisten aber unabhängig vom Ausgang etwaiger Strafverfahren werden. Die Sprecherin der Pinakotheken, Tine Nehler, kündigte an, dass das Museum seine Ansprüche zivilrechtlich geltend machen wird.

Schaden in Höhe von 11.000 Euro

Bei der Aktion im August ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Schaden von 11.000 Euro entstanden. Die beiden Männer hatten sich an den Rahmen des Gemäldes "Der bethlehemitische Kindermord" von Peter Paul Rubens aus dem 17. Jahrhundert festgeklebt. Mitarbeiter des Museums und Polizisten mussten die beiden Männer nach Museumsangaben mit Lösungsmitteln von dem historischen Rahmen trennen, der allerdings beschädigt wurde. Auch an der Wandbespannung seien Schäden entstanden, teilte das Museum damals mit. "Es ist nicht legitim, einmalige kulturelle Menschheitszeugnisse zu beschädigen, um auf die faktisch gegebenen klimatischen Probleme hinzuweisen", sagte der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Bernhard Maaz, nach der Aktion. "Ein Gemälde wie `Der bethlehemitische Kindermord´ sowie der historische vergoldete Rahmen sind von unschätzbarem kulturhistorischen Wert".

Aufmerksamkeit durch provokante Aktionen

Klimaaktivisten machen mit Klebeaktionen oder Attacken auf Kunstwerke derzeit immer wieder Schlagzeilen, zuletzt am 15.11.2022, als das durch eine Glasscheibe geschützte berühmte Gemälde "Tod und Leben" von Gustav Klimt im Wiener Leopold Museum mit Öl beschüttet wurde. Einer der Aktivisten klebte sich zudem mit der Hand an das Schutzglas. Zuvor war unter anderem in der Londoner National Gallery Tomatensuppe in Richtung des berühmten Werks "Sonnenblumen" des niederländischen Künstlers Vincent van Gogh geworfen worden. Auch dieses Werk war durch eine Glasscheibe geschützt. Auf der Art Cologne, der derzeit laufenden, größten Kunstmesse in Deutschland, war der Sicherheitsdienst "sensibilisiert".

Redaktion beck-aktuell, 18. Nov 2022 (dpa).