Die FernUniversität in Hagen wird 50 – und feiert ein halbes Jahrhundert voller Innovationen, Erfolge und spannender Entwicklungen. 1973 verabschiedete der Landtag von Nordrhein-Westfalen ein Gesetz, das die Errichtung einer bundesweiten Fernuniversität vorsah. Der Jurist Ralf Bartz wurde zum kommissarischen Kanzler der Hochschule ernannt, die mit rund 1.330 Studierenden zum Wintersemester 1975/76 ihren Betrieb aufnahm. NRW-Wissenschaftsminister Johannes Rau ernannte den Bildungswissenschaftler Otto Peters zum Gründungsrektor. Am 4. Oktober 1975 fand im Stadttheater Hagen die offizielle Eröffnungsfeier statt.
Zunächst konnte man an der FernUni nur in den Fachbereichen Erziehungswissenschaft, Mathematik und Wirtschaftswissenschaft studieren. Am 5. Dezember 1979 beschloss der Senat schließlich die Einrichtung eines Fachbereichs Rechtswissenschaft. Heute studieren an der FernUni rund 70.000 Menschen aus dem In- und Ausland in 27 Studiengängen für Staatsexamen, Bachelor- und Masterabschlüsse. 16,3% davon an der rechtswissenschaftlichen Fakultät.
Bis in die 2000er-Jahre wurden die Studieninhalte durch gedruckte Studienbriefe, Audio- und Videokassetten vermittelt – inzwischen findet die Lehre fast vollständig digital statt. Präsenzveranstaltungen und Prüfungen werden an den 13 Regionalzentren abgehalten. Zwischen 700 und 4.000 Euro kostet ein Studium innerhalb der Regelstudienzeit.
Zwischen Alleinerziehenden und Leistungssportlern
Ada Pellert, die bis Dezember 2024 die Geschicke der FernUni als Rektorin leitete, sagt in einer Pressemitteilung: "Die Gründung der FernUniversität durch das Land NRW war eine visionäre Entscheidung. Sie ist eine einzigartige Einrichtung, die seit fünf Jahrzehnten das lebensbegleitende Lernen in Deutschland geprägt hat. Wir sind die vielfältigste Universität der Republik, denn bei uns studieren Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensläufen, Herkunftsgeschichten und Voraussetzungen. Wir ermöglichen ihnen, Wissen und Kompetenzen so zu erlernen, wie es zu ihren eigenen Lebensumständen passt – zeit- und ortsunabhängig."
Seit dem 1. März 2025 ist Stefan Stürmer neuer Rektor der FernUni.* Mit über 12.000 Studierenden hat die FernUni Hagen die größte rechtswissenschaftliche Fakultät des Landes. Zum 50-jährigen Jubiläum betont Andrea Edenharter, Dekanin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, gegenüber beck-aktuell die positiven Entwicklungen in ihrem Fachbereich. Die FernUni sei eine "Universität der Chancengleichheit". Sie ermögliche Menschen ein Jurastudium, die sonst keine Chance hätten, Jura zu studieren. Dazu gehören beispielsweise Berufstätige, Personen mit familiären Pflichten, Menschen mit Handicap sowie Leistungssportlerinnen und Leistungssportler.
Umfassendes Studienangebot: Bachelor, Master, Staatsexamen, Promotion
Stolz ist der Fachbereich Rechtswissenschaften auf sein umfassendes Studienangebot. Seit 2016 kann neben dem Bachelor of Laws und dem Master of Laws auch "auf Staatsexamen" studiert werden. Seit diesem Jahr bietet die FernUni zudem den sogenannten integrierten Bachelor an. Nach § 66 Absatz 1a Hochschulgesetz NRW können Studierende des Studiengangs "Erste Juristische Prüfung" unter bestimmten Voraussetzungen auch einen Bachelorgrad erhalten.
Aktuell sind knapp 8.000 Studierende für einen Bachelor of Laws eingeschrieben. Im Studienjahr 2024/2025 haben 425 Studierende den LL.B. abgeschlossen. Seit 2020 sind die Zahlen der Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen von ehemals 83 im Jahr 2010 sprunghaft angestiegen. Der Frauenanteil beträgt 60,7%. Das Durchschnittsalter liegt bei 35,3 Jahren.
Beim Master of Laws blieb die Zahl mit 74 erfolgreichen Abschlüssen hingegen stabil. Im Sommersemester 2025 waren 1.254 Personen für einen Master of Laws eingeschrieben. Der LL.M. wird an der FernUni in drei Semestern abgelegt und kostet rund 1.000 Euro. Seit den ersten Promotionen 1980 hat die Rechtswissenschaftliche Fakultät zudem mehr als 300 Doktorinnen und Doktoren auf ihrem Weg begleitet.
Im Sommersemester 2025 waren an der FernUni insgesamt 4.983 Studentinnen und Studenten für den Studiengang "Erste juristische Prüfung" eingeschrieben. Die Zahl derjenigen, welche die Erste juristische Prüfung vollständig bestanden haben, stieg von 22 im Vorjahr auf 29. Seit 2021 haben lediglich drei Personen endgültig nicht bestanden – allerdings registriert die FernUni nur Zahlen aus NRW.
Hohe Studierendenzufriedenheit
Betreut werden die Jurastudierenden von zwölf W2/W3-Professuren sowie zwei W1-Juniorprofessuren. Als Erfolgsfaktor nennt Edenharter gegenüber beck-aktuell auch die "hohe Identifikation der fachlich exzellenten Professorinnen und Professoren mit der Idee des Fernstudiums".
Darüber hinaus seien im Bereich Jura die Digitalisierung des Studienangebots und der Prüfungen, der Fokus auf eine moderne Fachdidaktik und die Einbeziehung hervorragender Praktikerinnen und Praktiker im Rahmen der Arbeitsgemeinschaften entscheidende Erfolgsfaktoren. Die hohe Studierendenzufriedenheit trotz schwieriger Betreuungsrelation sei an der rechtswissenschaftlichen Fakultät "nur durch ein umfassendes Beratungskonzept" zu erreichen, so Edenharter.
Von der Kassette zur KI: Was kommt als nächstes?
Für die kommenden Jahre kündigt die Universität mehrere Neuerungen an. Dazu gehört die vollständige Umstellung von Präsenzklausuren auf das "Bring your own device"-Modell. "Dies ist gerade im Hinblick auf die Aufsichtarbeiten in der staatlichen Pflichtfachprüfung relevant, die seit 2024 in NRW in elektronischer Form am Laptop abgelegt werden kann", betont Edenharter.
Zudem plant die FernUni ein diversifiziertes Masterangebot für Absolventinnen und Absolventen des integrierten Jurabachelors. Eine weitere Neuerung ist die Ausschreibung einer Juniorprofessur mit Tenure Track im Bereich Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Ziel sei laut Edenharter, die Nutzung von KI wissenschaftlich zu begleiten und eine Verbindung zu bestehenden Forschungsschwerpunkten zu schaffen.
*Anm. d. Red.: Ergänzt am 17.10.2025 um 13.40 Uhr, jss
Transparenzhinweis: Die Autorin ist Lehrbeauftragte an der FernUni Hagen.


