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© Frank Eidel

Diesmal bricht die Kolumne „Reflexionen über den Rechtsmarkt“ eine Lanze für die Syndikusrechtsanwälte. Schon bei der Zulassung werden sie von den Kammern und der Deutschen Rentenversicherung kritischer beäugt als ihre zugelassenen Kollegen. Auch im Unternehmen haben sie es im Kulturkampf von Profit- gegen Cost-Center mitunter nicht leicht. Tatsächlich sind Inhousejuristen unverzichtbar, bei Themen wie Digitalisierung und Legal Tech sind sie sogar Vorreiter.

15. Jul 2021

Unternehmensjuristen haben es schwer. Schon bei ihrer Zulassung als Syndikusrechtsanwalt müssen sie sehr detailliert darlegen, was sie eigentlich genau machen – und glaube niemand, diese Anträge seien Selbstläufer. Eher ein Wettlauf bergauf, da wird von den Kammern und der Deutschen Rentenversicherung penibelst geprüft, ob man denn nicht nur fachlich unabhängig und eigenverantwortlich arbeitet, sondern auch befugt ist, nach außen verantwortlich aufzutreten. Viele Kellerkinder in Großkanzleien (vornehm Tätigkeit im Back Office genannt) und auch zahlreiche andere niedergelassene Kollegen müssten sich vermutlich ziemlich strecken, um diesen Anforderungen gerecht zu werden, aber das ist eine andere Geschichte.

Aber auch als zugelassener Syndikusrechtsanwalt hat man es nicht leicht in Unternehmen, aus vielen Gründen. Einer hängt unmittelbar mit der Eigenart von Rechtsanwälten zusammen, die oft auf scheinbar einfache Fragen keine einfachen Antworten haben, und wenn man mit Anlauf antworten will, etwa mit „es kommt darauf an“, dann verdrehen viele im Unternehmen genervt die Augen und fühlen sich gehindert, das Geschäft voranzutreiben. Der Kontakt zu „Legal“ ist so einladend wie ein Besuch beim Zahnarzt. Es ist der Kulturkampf von Profit-Center gegen Cost Center, also denjenigen, die mit der Verwaltung im Unternehmen beschäftigt sind, aber nicht unmittelbar zum Unternehmenserfolg beitragen. Hier das Vertriebsgenie, dort der … nun ja, meistens nicht druckreif, was da gesagt wird, „Sesselpupser“ gehört da noch zu den liebevollen Bezeichnungen. Rechtsanwälte, egal ob niedergelassen oder inhouse, hatten schon immer das Problem, den „Wert“ ihrer Arbeit zu erklären. Wenn Anwälte ihren Job im Unternehmen perfekt erledigen und am Jahresende alle Katastrophen ausgeblieben sind, weil die Anwälte maßgeblich geholfen haben, das Unternehmen um alle Klippen und Untiefen herumzusteuern, dann kommt oft die Frage, ob die Rechtsabteilung nicht etwas zu üppig besetzt sei, letztlich sei doch gar nichts passiert. Eine Rechtsabteilung bräuchte eigentlich für ihr gutes Marketing einmal im Jahr einen zünftigen Skandal oder einen Compliance-Breakdown, um bei den Budgetverhandlungen einen besseren Hebel zu haben.

Tatsächlich sind Unternehmensjuristen unverzichtbar – und die besten unter ihnen arbeiten seit langem sehr erfolgreich daran, den Ruf als Bedenkenträger und Spaßbremsen loszuwerden. Dabei spielt Legal Tech eine wichtige Rolle – Unternehmensabläufe, in denen „Legal“ eingebunden werden muss, werden mit Hilfe von Legal Tech weitgehend automatisiert und der Zugang zu juristischen Informationen und Entscheidungen vereinfacht. Gerade wurde berichtet, dass eine Rechtsabteilung mit der Eigenentwicklung eines Vertragsmanagementsystems für 5.000 Mitarbeiter im Unternehmen so erfolgreich war, dass es jetzt als Produkt des Unternehmens verkauft wird. So kann’s gehen, und da wird auch noch aus einem Cost-Center ein Profit-Center. 

Markus Hartung ist Rechtsanwalt und Mediator in Berlin, Senior Fellow des Bucerius Center on the Legal Profession und Mitglied des Berufsrechtsausschusses des DAV.